Trauer um Irmgard Busch: Ein Leben, das Spuren hinterlässt

Als Irmgard Busch 1976 in den Verwaltungsrat des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes berufen wurde, war sie eine Ausnahmeerscheinung: die erste Frau im Gremium, evangelisch in einem katholisch geprägten Umfeld und junge Mutter von vier Kindern. In einem Gremium, das damals fest in männlicher Hand war, verschaffte sich Irmgard Busch rasch Respekt. Nicht durch Lautstärke, sondern durch eine Art von Klarheit, die man nicht überhören konnte. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.

Busch war keine Person, die sich in den Vordergrund drängte. Ihre Wirkung entstand aus einer Mischung aus Genauigkeit, Geduld und einer Haltung, die ihr Gegenüber ernst nahm. Kolleginnen und Kollegen erinnern sich an eine Frau, die Vorlagen gründlich las, mitunter unbequeme Fragen stellte und Entscheidungen mit einer Ruhe vorbereitete, die in angespannten Situationen half. Sie gehörte dem Verwaltungsrat 48 Jahre lang an – eine Zeitspanne, in der sich das St. Vincenz mehrfach neu erfand.

In diesen Jahren wurden bestehende Strukturen wurden neu geordnet, Belegabteilungen in Hauptabteilungen überführt, neue Fachabteilungen entstanden. Busch begleitete die Fusion mit dem früheren St.-Anna-Krankenhaus in Hadamar ebenso wie den Zusammenschluss mit dem Krankenhaus Diez – Entwicklungen, die den Gesundheitsverbund nachhaltig prägten.  Viele erinnern sich daran, dass sie Positionen einnahm, die Frauen in solchen Gremien damals selten hatten. Sie tat es mit einer Selbstverständlichkeit, die für andere Türen öffnete. Ihre Sicht auf Veränderung war geprägt von ihrer Ausbildung als Betriebswirtin: nüchtern, am Bedarf der Region orientiert und mit Blick auf die Tragfähigkeit von Entscheidungen.

Ihr ehrenamtliches Engagement war ein wesentlicher Teil ihres Lebens. In der Stiftung St. Vincenz Hospital setzte sie sich für Angebote ein, die für ein christliches Krankenhaus prägend sind, aber nicht auskömmlich finanziert werden, etwa Selbsthilfeinitiativen oder Projekte, die den Alltag im Haus menschlicher machen. Wer mit ihr arbeitete, wusste, dass sie diese Aufgaben mit großer Selbstverständlichkeit übernahm. Ihr Verständnis von Verantwortung war eng mit ihrem Glauben verbunden und mit einer Haltung, die sie über Jahrzehnte getragen hat.

Dass sie direkte Nachfahrin von Anton Busch war, einem der Gründer der Stiftung, spielte in ihrem Auftreten keine Rolle. Doch wer sie kannte, wusste, dass sie diese Verbindung ernst nahm. Ihre familiäre Nähe zur Stiftung verstand sie als Verpflichtung, das Haus mit Blick auf die Zukunft zu führen und seinen Charakter zu bewahren.

Ihr Engagement reichte weit über das St. Vincenz hinaus. In der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen war sie eine der prägenden Figuren der Anfangsjahre. Dort zeigte sich eine Fähigkeit, die viele an ihr schätzten: Sie konnte Menschen zusammenbringen, die sich zuvor kaum begegnet waren. In der Dekanatssynode Runkel war sie über Jahrzehnte eine verlässliche Stimme, die den Austausch suchte und Konflikte nicht scheute, wenn sie notwendig waren. Gleichberechtigung war für sie eine Haltung, die sie lebte, ohne sie zu inszenieren.

Für dieses Wirken erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und später die Caritas‑Ehrennadel in Gold. Wer sie kannte, wusste, dass ihr solche Auszeichnungen eher unangenehm waren. Sie verstand ihr Engagement als Aufgabe, nicht als Bühne. Ihr Blick blieb stets auf die Menschen gerichtet – auf das, was gebraucht wurde und auf das, was möglich war.

Dass ihre Tochter, Stephanie Opel, heute im Verwaltungsrat sitzt, verweist auf eine Haltung, die in dieser Familie über Generationen weitergegeben wurde: Verantwortung dort zu übernehmen, wo man lebt.

Für das St. Vincenz war Irmgard Busch eine Konstante. Ein Charakter, an dem man sich orientieren konnte, wenn es unübersichtlich wurde.

In einer Rede sagte Irmgard Busch einmal: „Ich glaube an die Mitmenschlichkeit.“ Es ist ein Satz, der ihre Arbeit zusammenfasst – und der bleibt.