18,8 Millionen Euro für die Gesundheitsversorgung der Region: Startschuss für die Sanierung am Krankenhaus Diez

Das Diezer Krankenhaus des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes hat Planungssicherheit und baut: Erst im September hat das Land dem Haus alle beantragten Leistungsgruppen für die Krankenhausreform zugesagt, am 19. Oktober beginnt nun die Sanierung der Stationsbereiche sowie der Radiologie und die Erweiterung der zentralen Notaufnahme für 18,8 Millionen Euro. Rund 16,8 Millionen Euro trägt das Land Rheinland-Pfalz, den übrigen Betrag bringt der St. Vincenz Gesundheits-Verbund aus eigenen Mitteln auf.

Nach rund drei Jahren Bauzeit wird das Krankenhaus über 124 Betten verfügen. Ursprünglich war das Gebäude für 145 Betten ausgelegt, durch den Umbau entstehen nun deutlich großzügigere Zimmer mit mehr Platz für jede Patientin und jeden Patienten. Gebaut wird in mehreren Abschnitten, die jeweils vollständig vom übrigen Klinikbetrieb abgeschottet sind, sodass dieser während der gesamten Bauzeit regulär weiterlaufen kann.

Damit setzt der Verbund ein deutliches Zeichen für die Region: Während in der näheren Umgebung in den vergangenen Jahren mehrere Krankenhäuser schließen mussten, wird der Standort Diez ausgebaut. „Gerade wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind, braucht es den Mut, sich weiterzuentwickeln“, sagt Geschäftsführer Guido Wernert. „Wir danken dem Land Rheinland-Pfalz für die großzügige Unterstützung und freuen uns, in eine starke Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region zu investieren.“

Den Anfang macht die Geriatrie

Wie stark sich der Standort in den vergangenen Jahren entwickelt hat, zeigt die Geriatrie. Unter der Leitung von Chefärztin Dr. Cornelia Lippold ist die Altersmedizin zum Schwerpunkt des Diezer Krankenhauses gewachsen: Wurden dort 2020 noch rund 400 Patientinnen und Patienten im Jahr in 17 geriatrischen Betten behandelt, sind es 2026 erstmals mehr als 1.000 in 60 geriatrischen Betten. Mit dem demografischen Wandel wird der Bedarf weiter steigen. Folgerichtig beginnen die Bauarbeiten in der Geriatrie, wo zunächst großzügige, helle Patientenzimmer entstehen.

„Viele unserer Patientinnen und Patienten sind mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs und brauchen Platz, um sich sicher zu bewegen“, sagt Dr. Lippold. „Die sanierten Zimmer geben ihnen diesen Raum und erleichtern unserem Team die Pflege.“

Bauen im laufenden Betrieb

Damit Patientinnen und Patienten während der Bauzeit weiterhin reibungslos versorgt werden, setzt das Haus auf eine pragmatische Lösung: Jedes Stockwerk wird zur Hälfte durch feste Trockenbauwände abgetrennt. Auf der einen Seite wird gebaut, auf der anderen läuft der Klinikalltag weiter. Handwerker und Material gelangen ausschließlich von außen über die Gerüste ins Gebäude. „Die Baustellen sind in sich geschlossene Einheiten, die wir vom Tagesgeschäft trennen“, erläutert Geschäftsführer Guido Wernert.

Susanne Wenzel vom Architekturbüro Hamm und Partner skizziert den Ablauf: „Ab dem 19. Oktober werden die Gerüste aufgebaut und die Stationen ziehen intern um, Ende Oktober beginnen Rückbau und Entkernung. Der erste Bauabschnitt umfasst das dritte und vierte Obergeschoss.“ Begonnen wird auf der Rückseite des Hauses in Richtung Parkplatz, anschließend wechseln die Arbeiten auf die Vorderseite. Parallel wird das Röntgen im Erdgeschoss zu einer Einheit zusammengeführt und ein Aufzug so erneuert, dass er künftig auch Betten transportieren kann. Bis Ende Juni 2027 soll der erste Bauabschnitt vollständig fertiggestellt sein.

Am Ende wird das gesamte Gebäude nicht nur saniert, sondern neu geordnet. Alle Stationen erhalten Ein- und Zweibettzimmer mit eigenen Sanitärbereichen. Wege werden kürzer: Das Röntgen rückt in die Nähe von Notaufnahme und MVZ-Praxen, Kapelle und Aufenthaltsbereich werden zusammengelegt. Zusätzlich wird das IT-Netzwerk des Hauses ausgebaut.

Ein Ort für Ruhe und Begegnung

Auch die Kapelle bekommt mehr Platz: Sie zieht von ihrem bisherigen Standort in größere, freundliche Räumlichkeiten neben dem künftigen Aufenthaltsbereich und wird dabei neugestaltet. Sie ist überkonfessionell und steht Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden rund um die Uhr als Ort der Stille, des Gebets und der seelsorgerischen Begleitung offen. „Ein Krankenhaus ist mehr als ein Ort der medizinischen Versorgung“, sagt Geschäftsführer Guido Wernert. „Hier erleben Menschen Sorge, Hoffnung, Abschied und Genesung. Dafür braucht es einen Raum, in dem man zur Ruhe kommen und Halt finden kann.“

Durchdacht und aus eigener Kraft

Hinter dem Baustart liegt eine Planung, die fast zehn Jahre zurückreicht und an der viele Hände mitgewirkt haben. In rund 170 Abstimmungsrunden haben Geschäftsführung, Planungsbüro, Architekten, Technik und Bereichsleitungen jeden Schritt durchgespielt: Welche Station zieht wann um, wie bleibt der Betrieb auf jeder Etage gesichert, und was brauchen Patientinnen und Patienten? Wo Fördermittel nicht ausreichen, hat das Team gemeinsam eigene Wege gefunden: Die Deckenlifter für die Geriatrie etwa unterstützt eine Spende der Max Stillger Stiftung über 25.000 Euro.

„Als freigemeinnütziger Träger können wir Defizite nicht über öffentliche Haushalte ausgleichen. Jede Investition müssen wir aus eigener Kraft stemmen“, sagt Stephan Felix, Vorsitzender des Verwaltungsrates des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes. „Dass wir trotzdem rund zwei Millionen Euro Eigenmittel in Diez investieren, ist eine bewusste Entscheidung für den Standort und die Menschen in der Region. Wir warten nicht darauf, dass sich die Rahmenbedingungen verbessern, wir gestalten sie mit.“

Ein Projekt, das vom Team getragen wird

Bevor die ersten Gerüste stehen, haben Geschäftsführung und Architekturbüro die Mitarbeitenden in Diez zu einem Auftakttreffen eingeladen, um den Ablauf nochmals vorzustellen, Fragen zu beantworten und letzte Anregungen aufzunehmen. Denn sie sind es, die das Haus in den kommenden drei Jahren durch die Bauphase tragen. Schon jetzt haben viele von sich aus angeboten, für die Umzüge der Stationen am Wochenende ins Haus zu kommen.

„Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich“, betont Guido Wernert. „Dass unser Team diesen Weg so entschlossen mitgeht, ist ein starkes Zeichen.“

Ausblick: Gut aufgestellt für die Zukunft

Auch über die Bauzeit hinaus sind die Weichen gestellt. Mit der Krankenhausreform plant das Land die Versorgung künftig über sogenannte Leistungsgruppen: Jedes Krankenhaus erhält nur noch die Behandlungsbereiche zugewiesen, für die es die Voraussetzungen erfüllt und die in der Region gebraucht werden. Dass Diez alle acht beantragten Leistungsgruppen ab 2027 erhält, bestätigt den eingeschlagenen Kurs: eine verlässliche Grundversorgung, der Ausbau integrierter Versorgungsmodelle und die Geriatrie als wachsender Schwerpunkt.

Stark im Netzwerk

Dass Diez so gut aufgestellt ist, liegt auch an seinen Partnern. Das Haus ist Teil eines Verbundes, in dem sich die Standorte gegenseitig ergänzen: Spezialuntersuchungen und Eingriffe, die in Diez nicht vorgehalten werden, etwa in der Gefäßchirurgie, erfolgen auf kurzem Weg im Krankenhaus Limburg. Patientinnen und Patienten profitieren so von wohnortnaher Versorgung und dem Know-how eines großen Schwerpunktkrankenhauses zugleich. Darüber hinaus arbeitet der Verbund in vielen Bereichen mit den Standorten Dierdorf, Selters und Hachenburg des Evangelischen Klinikums Westerwald zusammen und nutzt gemeinsame Synergien.

Ergänzt wird das Angebot durch 40 Sprechstunden in 13 Praxiszentren, die an die fünf Krankenhausstandorte in der Region und im Westerwald angebunden sind. So gibt es auch außerhalb der Kliniken wohnortnahe Anlaufstellen.

„Die Reform verlangt von kleineren Häusern ein klares Profil und starke Partner. Beides hat Diez“, fasst Wernert zusammen. „Mit der Sanierung schaffen wir jetzt auch die Räume, die zu diesem Anspruch passen.“