Rezertifiziert nach internationalen Standards: ACLS Trainingsstätte bestätigt hohe Qualität

Wenn ein Patient plötzlich instabil wird, zählt oft weniger die einzelne Maßnahme als das Zusammenspiel des Teams. Advanced Cardiovascular Life Support (ACLS) setzt dort an: Es vermittelt ein international anerkanntes, standardisiertes Vorgehen, das medizinisches Personal befähigt, Prioritäten richtig zu setzen und lebensrettende Maßnahmen ohne Verzögerung einzuleiten.

Im St. Vincenz Gesundheits-Verbund ist dieses Konzept längst Teil des klinischen Alltags. Seit der Erstzertifizierung als International Training Site (ITS) vor vier Jahren haben knapp 400 Fachkräfte aus dem Verbund sowie aus kooperierenden Einrichtungen an den Kursen teilgenommen.

Nun wurde die Trainingsstätte erneut nach Vorgaben der American Heart Association rezertifiziert. Das Audit durch das übergeordnete Trainingscenter Skillqube bestätigt, dass die Ausbildung weiterhin auf einem international anerkannten Niveau stattfindet.

Geleitet wurde der Auditierungskurs von Dr. Daniel Bock, dem ärztlichen Leiter der Trainingsstätte, und Marc Hartmann, Koordinator der ITS Limburg. Beide begleiten die Reanimationskurse seit Jahren und erleben aus nächster Nähe, wie sich Teams durch die Trainings verändern. Im Interview erzählen sie über typische Herausforderungen, die Bedeutung strukturierter Abläufe und die Weiterentwicklung des Kursprogramms.

Welche typischen Fehler oder Unsicherheiten treten im Ernstfall am häufigsten auf und wie helfen ACLS Kurse dabei, diese zu vermeiden?

Dr. Bock: Im Ernstfall passieren vor allem drei Dinge: Die Reanimation beginnt zu spät, die Herzdruckmassage ist zu langsam oder zu flach und die Defibrillation erfolgt verzögert.

Der ACLS-Kurs setzt dort an: Er trainiert das rasche Erkennen eines Herzstillstands und die korrekte Ausführung der Reanimationsmaßnahmen. Ergänzt wird dies um erweiterte Maßnahmen wie frühzeitige Defibrillation und das Atemwegsmanagement mit möglichst geringen Unterbrechungszeiten der mechanischen Wiederbelebung.

Warum haben Sie die ACLS-Kurse vor einigen Jahren eingeführt und sich zertifizieren lassen? Was war der ursprüngliche Antrieb?

Hartmann: Der ursprüngliche Antrieb war ganz klar: Wir wollten die Reanimationsversorgung im Gesundheitsverbund nachhaltig verbessern. Strukturierte Reanimation hatte bei uns schon früh eine große Bedeutung; bereits 2008 gab es Mega‑Code‑Trainings für Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen. Das Thema war also nicht neu.

Die Vorbereitung auf die Zertifizierung als Cardiac Arrest Center (CAC) hat uns jedoch darin bestärkt, unsere vorhandene Expertise weiter auszubauen und stärker zu strukturieren. Für ein zertifiziertes Zentrum sind ACLS‑Schulungen verpflichtend, aber für uns war vor allem entscheidend, dass interdisziplinäre Teams im Notfall wirklich als Einheit funktionieren.

Wie stellen Sie sicher, dass die Trainings immer auf dem neuesten Stand bleiben?

Hartmann: Wir verfolgen ein strukturiertes, leitlinienbasiertes und technologiegestütztes Ausbildungskonzept. Die theoretischen Inhalte werden videobasiert nach den Standards der American Heart Association vermittelt, damit sie international einheitlich und immer auf dem neuesten Stand sind. Durch Selbststudium und einen Pre‑Test können wir die Theorie auf das Wesentliche konzentrieren und mehr Zeit für praktisches Training gewinnen.

In Kleingruppen üben wir realitätsnahe Fall‑Szenarien mit moderner Simulationstechnik. So können wir gezielt auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse der Berufsgruppen eingehen. Zusätzlich fließen neue Leitlinien und evidenzbasierte Empfehlungen systematisch ein, unter anderem durch regelmäßige AHA‑Updates und vierteljährliche Koordinatorentreffen.

Wie schaffen Sie es, Stresssituationen so realistisch zu simulieren, dass Teilnehmende tatsächlich unter Druck handeln müssen?

Hartmann: Wir simulieren Stress, indem wir typische Notfallsituationen so realitätsnah wie möglich nachstellen. In den Fall‑Szenarien müssen Teams unter Zeitdruck schnell, strukturiert und teamorientiert handeln.

Durch die Arbeit in kleinen Gruppen von maximal sechs Personen kann der Instruktor die Szenarien individuell an die Lernbedürfnisse und das Erfahrungslevel der verschiedenen Berufsgruppen anpassen und den Schwierigkeitsgrad schrittweise steigern.

Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und bringen verschiedene Perspektiven mit. Wie stellen Sie sicher, dass sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Pflegefachpersonen gleichermaßen abgeholt werden und am Ende als ein Team funktionieren?

Dr. Bock: Dass ärztliches Personal und Pflegefachpersonen gemeinsam trainieren, ist ausdrücklich gewollt. Jede Berufsgruppe bringt eigene Perspektiven und Kompetenzen mit. Diese Vielfalt macht ein funktionierendes Reanimationsteam aus. Die Aufgabenverteilung erfolgt nach Kompetenzen mit dem Ziel, die Teamressourcen optimal zu nutzen.

Am Ende soll ein High‑Performance‑Team entstehen. Das bedeutet klare Rollen, eine eindeutige Kommunikation und standardisierte Abläufe entsprechend den gültigen Reanimationsleitlinien. Während eine Person drückt, bereitet eine andere die Defibrillation vor, jemand sichert den Atemweg und die Teamleitung trifft Entscheidungen. Dieses Zusammenspiel üben wir Schritt für Schritt, bis es selbstverständlich wird.

Gibt es eine Geschichte eines Teilnehmers oder einer Teilnehmerin, die Sie persönlich bewegt hat und Ihnen zeigt, warum diese Kurse wichtig sind?

Hartmann: Eine spezielle Einzelgeschichte kann ich nicht erzählen. Besonders positiv sind jedoch die Rückmeldungen der Teilnehmenden, die erneut zu einem Provider‑ oder Refresher‑Kurs kommen, und berichten, wie gut sich die erlernten Abläufe im klinischen Alltag anwenden lassen.

Im gesamten Haus hat sich die Versorgung bereits spürbar verbessert – genau das war es, was wir mit der Einführung dieses Kurssystems erreichen wollten. Ich hoffe, dass sich diese Erfolgsgeschichte weiterhin fortsetzt.

Inzwischen haben wir unser Kursportfolio weiter ausgebaut: Mit HeartCode‑BLS gibt es einen niedrigschwelligen Einstieg in die Grundlagen der Notfallversorgung, darauf bauen die ACLS‑Kurse auf. Für den pädiatrischen Bereich haben wir zusätzlich den PALS‑Kurs eingeführt.

Wiederbelebungskurse in Limburg

Die ACLS (Provider und Refresher) Kurse, Kurse zur Basisreanimation in zu Wiederbelebungsmaßnahmen bei Säuglingen und Klieinkindern finden regelmäßig in Limburg statt. Sie stehen sowohl Mitarbeitenden des Verbundes als auch Kolleginnen und Kollegen anderer Einrichtungen offen.