Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Allein in der Region Limburg-Weilburg sind Tausende betroffen. Im St. Vincenz Gesundheits-Verbund ist mit der Pulsed-Field Ablation (PFA) eine zusätzliche neue Behandlungsmethode im Einsatz. Die Pulsed-Field Ablation arbeitet mit elektrischen Impulsen und gilt im Vergleich zu anderen Methoden als besonders schonend.
Wer an Vorhofflimmern leidet, erlebt häufig Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder eine eingeschränkte Belastbarkeit im Alltag. Unbehandelt kann die Rhythmusstörung fortschreiten und das Risiko für Komplikationen wie Herzversagen oder Schlaganfall deutlich erhöhen.
„Beim Vorhofflimmern entstehen unkontrollierte elektrische Impulse in den Vorhöfen. Ziel der Behandlung ist es, das Herzgewebe, von dem die störenden Erregungen ausgehen, zu veröden,“ erklärt Dr. Andreas Klisch, Sektionsleitung der Elektrophysiologie. „Bisherige Verfahren wie die Radiofrequenz- oder Kryoablation arbeiten mit Hitze oder Kälte. Die Pulsed-Field Ablation setzt dagegen auf elektrische Felder, die sehr präzise wirken, das Gewebe kaum belasten und sehr effektiv sind.“
Um die Herzrhythmusstörung zu behandeln, führen die Ärzte im Herzkatheterlabor spezielle Katheter über die Blutgefäße von der Leiste bis zum Herzen vor. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder dreidimensionale Mapping-Systeme stellen währenddessen die Herzstrukturen millimetergenau dar und ermöglichen eine exakte Navigation. An der betroffenen Stelle werden anschließend sehr kurze, hochenergetische Impulse abgegeben, die die für das Vorhofflimmern verantwortlichen Areale veröden.
„Die Pulsed-Field Ablation ist eine sehr schonende Form der Ablation,“ zeigt Dr. Klisch die Vorzüge der Behandlungsmethode auf. „Mit dem Aufbau eines elektrischen Feldes werden ausschließlich Herzmuskelzellen angegriffen, während umliegende Strukturen, wie Speiseröhre, Nerven und Blutgefäße, weitgehend geschont werden.“ Auch die Dauer des Eingriffs fällt mit etwa einer Stunde in der Regel kürzer aus als bei den bisherigen Ablationsverfahren. Die Patienten bleiben im Anschluss maximal eine Nacht im Krankenhaus und können am Folgetag bereits leichte körperliche Tätigkeiten wieder aufnehmen.
Besonders geeignet ist das Verfahren für Menschen, bei denen erstmals eine Katheterablation wegen Vorhofflimmerns durchgeführt wird. „Je nach Art der zugrundeliegenden Herzerkrankung lassen sich heute Erfolgsraten von über 70 Prozent erreichen. Bei anderen Herzrhythmusstörungen wie beispielsweise typischem Vorhofflattern liegen die Erfolgsraten sogar meist bei 100 Prozent“ sagt Dr. Klisch, der seit über 25 Jahren in der Elektrophysiologie tätig ist. „Wenn man bedenkt, dass viele Rhythmusstörungen vor rund 20 Jahren kaum behandelt werden konnten, ist das ein großer Fortschritt.“
Wenn eine Ablation nicht das gewünschte Ergebnis bringt, stehen weitere Optionen zur Verfügung. „In diesen Fällen finden wir für die meisten Patienten dennoch eine gute Lösung. Wir nennen es dann eine Hybridtherapie, wenn etwa eine medikamentöse Behandlung mit z. B. der zusätzlichen Implantation eines Herzschrittmachers kombiniert wird,“ erklärt Prof. Dr. Stephan Steiner, Chefarzt der Kardiologie. „Wir schöpfen aus einem großen Repertoire an Möglichkeiten und entscheiden immer gemeinsam mit dem Patienten, welche Methode für ihn am geeignetsten ist und den jeweils größten Nutzen bringt. Manchmal braucht man einfach nur etwas mehr Geduld.“
Das Team der Kardiologie ist für die Behandlung von Rhythmusstörungen, strukturellen Herzerkrankungen und Durchblutungsstörungen breit aufgestellt und greift auf jahrelange Expertise sowie moderne Technik zurück. Rund 400 Ablationen sowie 400 Implantationen von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren werden derzeit jährlich im Limburger Herzkatheterlabor durchgeführt. Vor fünf Jahren wurde das Labor mit zwei volldigitalen Linksherzkatheter‑Messplätzen mit moderner Flachdetektor‑Technologie ausgestattet und bietet damit auch modernste technische Voraussetzungen für das gesamte Spektrum der interventionellen Kardiologie.