Fachkräftemangel in der Pflege ist eine grundsätzliche Herausforderung. Ganz gleich, ob Krankenhaus, stationäre Langzeitpflege oder ambulanter Pflegedienst: Die Probleme der einzelnen Einrichtungen ähnlich sich. Warum also nicht gemeinsame Lösungsansätze entwickeln? Der St. Vincenz Gesundheits‑Verbund hat in der vergangenen Woche Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Gesundheits‑ sowie Pflegeeinrichtungen aus dem Rhein-Lahn Kreis zu einem Austausch‑ und Vernetzungstreffen eingeladen. Insgesamt 32 Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter sowie Einrichtungsleitungen aus 16 verschiedenen Einrichtungen folgten dieser Einladung – ein deutliches Zeichen für das große Interesse an einer engeren regionalen Zusammenarbeit. Ziel des Treffens war es, im Rahmen der Pflegeausbildung die Kooperation zwischen Krankenpflegeschule und Praxiseinsatzstellen zu stärken, Transparenz über anstehende Veränderungen in der Pflegeausbildung zu schaffen und Perspektiven für eine gemeinsame Fachkräfteallianz zu entwickeln.
Ein Schwerpunkt des Treffens war die Vorbereitung auf die geplante bundesweite Einführung der generalistischen Pflegefachassistenz (PFA) ab 2027. Die bisherige Krankenpflegehilfe-Ausbildung wird damit grundlegend reformiert: Die neue Ausbildung dauert länger, ist inhaltlich breiter angelegt und wird besser vergütet sein. Sie soll erweiterte Kompetenzen vermitteln und Absolventinnen und Absolventen bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
„Die Pflegefachassistenz wird ein wichtiger Baustein in der regionalen Versorgung“, betonte Sibylle Schnurr, Leiterin der Akademie für Gesundheitsfachberufe des St. Vincenz Gesundheits‑Verbundes. „Um den Anforderungen des neuen Ausbildungsganges gerecht zu werden, brauchen wir ein starkes Netzwerk aus stationären, ambulanten und klinischen Einrichtungen. Nur gemeinsam können wir ein vollständiges und qualitativ hochwertiges Lernangebot sicherstellen.“
Die Reform stellt die Region vor neue Herausforderungen: mehr Plätze für praktische Einsätze, ein Zuwachs an Koordination, intensivere Abstimmung zwischen den Lernorten. Gleichzeitig bietet sie die Chance, die Pflegeausbildung zukunftsfest auszurichten und junge Menschen nachhaltig für den Beruf zu gewinnen.
Die Versorgungssituation im Landkreis Limburg‑Weilburg und Diez ist angespannt: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während gleichzeitig nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Teilnehmenden des Treffens waren sich einig, dass eine enge Lernortkooperation entscheidend ist, um diesen Entwicklungen zu begegnen.
„Wir müssen unsere Stärken bündeln“, so Stina Buchenthal, stellvertretende Schulleitung der Akademie für Gesundheitsfachberufe. „Generalistische Ausbildung funktioniert nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen mit klaren Strukturen, abgestimmten Lernprozessen und verlässlicher Kommunikation.“
Besonders hervorgehoben wurde der Nutzen gemeinsamer Praxisanleitung, digital unterstützter Lernprozesse und einheitlicher Qualitätsstandards. Diese Maßnahmen erleichtern nicht nur die Organisation, sondern erhöhen auch die Attraktivität der Region für Auszubildende. Wer vielfältige Einsatzorte, klare Lernwege und ein unterstützendes Netzwerk erlebt, entscheidet sich eher für eine langfristige Tätigkeit vor Ort.
Ein weiterer Aspekt des Treffens war der Impulsvortrag von Pflegedirektorin Antje Gade, zur Entwicklung einer regionalen Fachkräfteallianz zur Gewinnung und Integration internationaler Pflegefachkräfte.
Viele Einrichtungen stoßen bei der internationalen Rekrutierung an organisatorische und finanzielle Grenzen – Anerkennungsverfahren, Visa, Sprachqualifizierung und Integration sind komplex und ressourcenintensiv.
„Fachkräftesicherung ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, so Gade. „Wenn wir unsere Expertise bündeln, können wir Prozesse vereinfachen, Kosten reduzieren und internationale Bewerberinnen und Bewerber gezielter ansprechen. Kooperation bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Konkurrenz, sondern Verantwortung für die Versorgung der Bevölkerung.“
Wie erfolgreiche Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt die bestehende Kooperation zwischen der Akademie für Gesundheitsfachberufe des St. Vincenz Gesundheits‑Verbunds und dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Hachenburg. Beide Einrichtungen entwickeln gemeinsam innovative Ausbildungskonzepte, stimmen Qualitätsstandards ab und arbeiten eng bei Anerkennungsverfahren für Pflegefachpersonen aus Drittstaaten zusammen.
Die Grundlage bildet ein kontinuierlicher, vertrauensvoller Austausch auf fachlicher, pädagogischer und strategischer Ebene. Die Kooperation wurde von den Teilnehmenden als Modell für weitere regionale Partnerschaften hervorgehoben.
Zum Abschluss des Treffens sprachen sich die Teilnehmenden dafür aus, das Format künftig im zweijährigen Rhythmus fortzuführen. Damit soll der Austausch verstetigt und die gemeinsame Weiterentwicklung der regionalen Pflege‑ und Bildungslandschaft langfristig begleitet werden.
„Wir stehen vor großen Veränderungen – aber wir stehen nicht allein“, fasste Sibylle Schnurr zusammen. „Wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir die Pflege in der Region nachhaltig stärken und jungen Menschen attraktive Perspektiven bieten.“
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