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Wichtige Botschaft zum Weltschlaganfalltag: Warnsignale erkennen, schnell und richtig handeln - Flüchtige Symptome ernstnehmen

„Symptome verschwinden – die Ursachen nicht“ – unter diesem Motto steht am Freitag, 29. Oktober 2021, der Welt-Schlaganfalltag. Eine ernste Botschaft, die doch leicht überhört wird: Gerade in Zeiten der Pandemie wurden und werden insbesondere die flüchtigen Vorboten eines Schlaganfalls nicht so ernst genommen wie sonst – aus Furcht vor einer Covid-Ansteckung mieden viele Menschen den Weg in die Klinik. Doch neurologische Ausfälle sind immer ein Warnsignal – auch leichte Symptome, die wieder abklingen.

Auch bei nur leichten, schlaganfallähnlichen Symptomen ist schnellstmögliche medizinische Abklärung angesagt – idealerweise in einer Klinik mit Stroke Unit (Schlaganfallstation). Hier im Bild Chefarzt Dr. Christoph Oberwittler bei der Visite auf der Stroke Unit des St. Vincenz.

Zentrale Untersuchung, um einen Schlaganfall sicher zu diagnostizieren: Aufnahmen aus dem Computertomographen (CT).

Dieses Notfallwissen rund um den Schlaganfall zu vermitteln, ist dem Regionalbeauftragten der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe, Dr. Christoph Oberwittler, sehr wichtig: „Es kann gravierende Folgen haben, auch nur leichte Alarmzeichen zu ignorieren. Denn oft folgt darauf ein zweiter, deutlich schwererer Schlaganfall.“ Daher informiert  der Chefarzt der Neurologie des St. Vincenz-Krankenhauses am Donnerstag, 28.Oktober 2021, um 18:00 Uhr, im Livestream auf dem Youtube-Kanal des St. Vincenz-Krankenhauses über die gefährlich-flüchtigen Symptome, ihre Folgen und das korrekte Verhalten im Ernstfall (hier gelangen Sie zum Livestream, gern können über die Chatfunktion auch direkt Fragen an den Referenten gerichtet werden). Lesen Sie hierzu auch das folgende Interview:

Herr Dr. Oberwittler, viele Patientinnen und Patienten haben sich in den vergangenen Monaten in ernsthafte Gefahr begeben, ohne es zu wissen. Warum?

Aus Angst vor einer Corona-Infektion haben viele Patient:innen leichte Symptome ignoriert, kamen zu spät oder gar nicht in die Klinik. Eine fatale Kette von Ursache und Wirkung, denn damit keine dauerhaften  Behinderungen entstehen, ist gerade beim Schlaganfall schnelles Handeln sehr wichtig.

Haben auch Sie und Ihr Team der Stroke Unit die Erfahrung gemacht, dass Menschen deutlich zu spät die Klinik aufgesucht haben?

Ja, gerade Patienten mit flüchtigen Schlaganfallsymptomen oder nur geringen Ausfallserscheinungen kamen in der Pandemiezeit seltener in die Klinik, als noch im Jahr 2019. In den ersten acht Monaten waren es im Jahr  2021 exakt 36 Prozent  weniger als 2019, während schwere Schlaganfälle z.B. durch Hirnblutungen kaum zurückgegangen sind. Bundesweit sind die Zahlen in den Schlaganfallstationen insgesamt noch deutlicher zurückgegangen.

Kann man den Rückgang der Akutpatienten und die Zunahme schwererer Folgeschäden mit Zahlen in Relation setzen?

Das ist aufgrund der uns vorliegenden Zahlen nicht genau zu bestimmen, aber es ist anzunehmen, dass aufgrund der Zurückhaltung viele Patienten vermeidbare Schlaganfälle erlitten haben.

Beängstigend. Aber eigentlich war man in der Therapie des Schlaganfalls nicht zuletzt durch das Engagement der Stiftung und zahlreicher Aufklärungskampagnen, auch am St. Vincenz, auf einem guten Weg, oder?

Durchaus. Zwar erleiden immer noch rund 270.000 Menschen pro Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Aber fast doppelt so viele Menschen als noch vor 25 Jahren überleben heute einen Schlaganfall. Leider sind  immer noch rund 60 Prozent der Betroffenen danach  langfristig auf Hilfsmittel, Therapien oder Pflege angewiesen. Eine Zahl die noch steigen wird, wenn die Menschen die flüchtigen Symptome, die sog. TIA ignorieren. Denn viele Patienten bekommen vor dem „großen“ erst einen oder mehrere „kleinere“ Schlaganfälle. Eine rasche Diagnostik und vorbeugende Therapie könnte schwere Folgen verhindern.

Was bedeutet TIA?

Mit TIA ist eine transitorisch-ischämische Attacke gemeint. Man nennt sie auch den sog. „kleinen“ Schlaganfall. Aber diese verniedlichende Bezeichnung täuscht und verharmlost die Gefahr. Denn zwar bilden sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden komplett zurück und dauern meist auch nur wenige Minuten bis zu einer Stunde an. Gefährlich sind sie aber trotzdem. Denn ihnen kann ein deutlich schwererer Schlaganfall auf dem Fuße, dessen Folgen oft sehr viel gravierender sind.

Bei welchen Symptomen müssen die Menschen hellhörig werden?

Die Symptome ähneln denen eines schweren Schlaganfalls: Sprach- und Sehstörungen, Lähmungen,  Koordinationsstörungen oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite sind Zeichen eines Schlaganfalls. Ganz wichtig in solchen Fällen: Lassen Sie solche Symptome schnellstmöglich  in einer Klinik mit einer Schlaganfallstation, einer sog. Stroke Unit, abklären, damit ein „großer“ Schlaganfall verhindert werden kann!

Viele Menschen halten sich aufgrund der kurzzeitigen Symptome eben nicht für einen medizinischen Notfall - gibt es irgendwelche Hilfestellungen für Laien, die Gefahr zu erkennen und besser einzuschätzen?

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Im Verdachtsfall bei obigen Symptomen unbedingt sofort in einer Klinik mit Stroke Unit ärztlich untersuchen lassen. Zusätzlich hilft der sog. FAST-Test medizinischen Laien, einen Schlaganfall-Verdacht zu prüfen. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat den Test auch als App herausgebracht. Die FAST-Test-App ist kostenlos erhältlich in den Stores von Google Play und Apple.

Warum ist bei einem Schlaganfall Eile so wichtig?

Weil es Therapiemöglichkeiten beim Hirninfarkt gibt, die aber nur in den ersten Stunden nach dem Schlaganfall eingesetzt werden können. So kann beispielsweise der Blutpfropf (Thrombus), der den Hirninfarkt verursacht hat, durch Medikamente aufgelöst werden (Lysetherapie). Dadurch lassen sich bleibende Behinderungen vermeiden oder verringern.

Sollte man trotzdem noch aktiv werden, auch wenn die Symptome schon vor längerer Zeit aufgetreten sind?

Ja, weil in diesen Fällen die Ursache für weitere Ereignisse noch nicht erkannt und behandelt worden ist. Dadurch kann man aber zukünftige Schlaganfälle verhindern.

Wie können die Menschen ganz allgemein ihr Schlaganfallrisiko verringern? 

Hierzu haben wir in unseren Aufklärungsbroschüren vor allem folgende Punkte identifiziert:

•    Nicht rauchen
•   regelmäßig Blutdruck messen (Ziel: <140/90 mmHg).
•    Blutzuckerspiegel regelmäßig prüfen lassen
•    Ausreichend bewegen (3x30 Min. pro Woche)  
•    Alkoholkonsum einschränken
•    Verordnete Medikamente einnehmen
•    Blutfette im Normalbereich halten
•    Viel trinken

Wie lautet Ihr Appell an die Menschen der Region, was ist Ihre wichtigste Botschaft?

Da kann ich nur das Motto des Weltschlaganfall-Tags wiederholen: Symptome verschwinden, Ursachen nicht! Bei Anzeichen einer TIA, also leichten schlaganfall-ähnlichen Symptomen, bitte sofort handeln und zur Abklärung in die nächstmögliche Klinik mit Stroke Unit.