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Von Schlüssellochchirurgie bis Gelenkersatz: Die Schulter im Focus

Erstes Patientenforum im neuen Konferenzraum Katharina Kasper: Dr. Alexander Bode klärte auf in Sachen Schulterschmerz.

Erstes Patientenforum im neuen Konferenzraum Katharina Kasper: Dr. Alexander Bode klärte auf in Sachen Schulterschmerz.

Schulterschmerzen kommen mit zunehmendem Lebensalter häufig vor und können die Bewegungsfreiheit und die Lebensqualität stark einschränken. Doch wann sollte man einen Arzt aufsuchen und wann ist eine Operation der Schulter sinnvoll? Die neuesten therapeutischen Optionen dieser Erkrankung stellte der Leitende Oberarzt der Orthopädie des St. Vincenz, Dr. Alexander Bode, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Focus Gesundheit - Orthopädie aktuell“ vor. Es war das erste Patientenforum im neuen Konferenzzentrum des Talbaus der Klinik – rund 120 Besucher hatten sich eingefunden, um sich aus erster Hand über Chancen und Risiken der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Wichtig: Ursachen abklären

Zunächst müsse abgeklärt werden, ob die Ursache für die Beschwerden auch tatsächlich in der Schulter liege. Die Schulter sei äußerst beweglich, aber auch relativ anfällig für Verschleiß und Verletzungen. Manchmal sei auch ein anderes Organ für die Schulterschmerzen verantwortlich. Dabei kämen insbesondere Erkrankungen an der Wirbelsäule, aber auch am Herzen, Rheuma und Gallenblasenleiden in Frage. Weit verbreitet sei das „Impingement“, das so genannte Engpass-Syndrom. Dabei komme es zwischen Schulterdach und Oberarmkopf zu einer Ansammlung von Verschleißpartikeln, so dass ein Engpass entsteht. „Das führt dazu, dass jede Bewegung reibt. Wird nichts unternommen, kann diese Stelle wund werden und eine Schleimbeutelentzündung entstehen“, sagte der Orthopäde. Betroffene litten unter Schmerzen und Bewegungsstörungen.

Bei der so genannten Kalkschulter bilde sich Kalk als Reaktion auf einen Reiz, erklärte Bode das Phänomen, von dem viele Patienten mit Schulterschmerzen betroffen sind. „Das kann sehr weh tun.“ Die Bewegungseinschränkung bestehe insbesondere nach vorn und zur Seite. Alle Patienten berichteten von Schmerzen vor allem am Abend und in der Nacht. „Das sind ganz typische Anzeichen für eine Kalkschulter und hängt damit zusammen, dass der Arm im Liegen etwas gestaucht ist und der Kalk drückt.“ Ein weiteres auffälliges Symptom sei der „schmerzhafte Bogen“: Wenn der Patient den Arm hebt, hat er ab einer bestimmten Höhe Schmerzen, die ab einer höheren Lage jedoch wieder nachlassen. Das liege daran, dass durch die Kalkablagerung am Oberarmkopf an bestimmten Stellen Druck aufgebaut wird.

Im Fall einer Schulterluxation warnte Bode eindringlich davor, selbst Hand anzulegen und appellierte. „Eine ausgekugelte Schulter nie selbst einrenken oder von einem anderen Laien einrenken lassen! Wenn jemand berichtet, er hätte sich selbst oder der Nachbar die Schulter eingerenkt – das ist Unsinn; die Schmerzen halten Sie gar nicht aus.“ Dies müsse von einem Fachkundigen gemacht werden – unter Betäubung. Anschließend müsse das Gelenk mit einer Schlinge ruhiggestellt und mittels Ultraschall und MRT Begleitverletzungen ausgeschlossen werden.

Wann ist welche Therapie sinnvoll?

Therapiert werde zunächst konservativ. Das heißt, bei einer Schleimbeutelentzündung könne drei bis vier Mal im Jahr ein Medikament direkt in den Schleimbeutel injiziert werden. Allerdings berge dies die Gefahr, dass durch die Injektion Erreger, die auf der Haut des Patienten sind, in den Entzündungsherd gelangen. Deshalb sollte man auf diese Option nicht zu oft zurückgreifen. Stattdessen könne man Tabletten, die sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend wirken, einnehmen. Außerdem sei Krankengymnastik zu empfehlen. Daneben könnten auch Stoßwellen- und Elektrotherapie eingesetzt werden. Auf die Frage aus dem Publikum, ob Akupunktur hilfreich sei, antwortete Bode: „Wenn Sie dadurch eine Linderung der Schmerzen erfahren… - wer heilt, hat recht.“

OP: ja oder nein?

„Es gibt Schulterleiden, die operiert werden müssen“, so der Mediziner. Das Engpass-Syndrom gehöre nicht zwingend dazu. Bei einer ausgekugelten Schulter müsse man Chancen und Risiken abwägen. „Einer 90-jährigen alten Dame, die eine Schulterluxation typischerweise nach einem Sturz erleidet, werde man einen stabilisierenden Eingriff eher nicht empfehlen, weil die OP für sie recht belastend wäre.“ Für einen 20-jährigen Sportler allerdings sei der Eingriff risikoarm und der Benefit groß, so dass man diesem in der Regel zu dem stabilisierenden Eingriff raten müsse. Bei einem 50-Jährigen müsse man überlegen, welches Vorgehen sinnvoll ist.

Ist eine Operation angezeigt, werde heutzutage überwiegend minimalinvasiv mittels Arthroskopie, also durch ein „Schlüsselloch“, operiert. Dies habe nicht nur kosmetische Gründe. Vielmehr seien auf diese Weise fast alle Gelenke operierbar, die Methode berge kaum Risiken, der Patient erhole sich wesentlich schneller und der Operateur könne jederzeit auf eine offene OP umsteigen. Um das Schultergelenk von allen Seiten gut zu erreichen, werde der Patient auf einem so genannten „Strand-Stuhl“ gelagert. Anhand mehrerer Bilder erklärte Alexander Bode, wie die OP vorbereitet und durchgeführt wird. Nur wenige Eingriffe könnten nicht durchs Schlüsselloch vorgenommen werden, darunter die Oberarmfraktur und Gelenkersatz bei schwerster Schulterarthrose.

Ferner betonte der Mediziner, dass eine Schulter-OP keinen Sinn mache, wenn der Patient sich nicht motivieren könne, eine längere Nachbehandlung zu bewältigen. Die sich an den Eingriff anschließende Nachbehandlung umfasse auch Physiotherapie, die langwierig und anstrengend sei. „Man braucht viel Geduld“, ließ Bode die Besucher wissen. Die Physiotherapie sei für den Eintritt des erhofften Erfolgs mindestens ebenso wichtig wie die operative Versorgung. Dabei sprach er auch ein Problem an: Zu empfehlen sei Physiotherapie zweimal pro Woche ein halbes Jahr lang. Als Kassenpatient werde man aber unter Umständen nicht durchgehend mit einem entsprechenden Rezept versorgt und müsse die Krankengymnastik aus der eigenen Tasche bezahlen.