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Schlaganfallkomplexbehandlung: Kassen fordern Millionen von Kliniken zurück +++ Montag, 19. November 2018, 20.15 Uhr: St. Vincenz-Protest im HR-Fernsehen

Das landespolitische Magazin defacto des HR recherchierte auf der Vincenz-Stroke Unit zu AOK-Kürzungen in der Schlaganfallkomplexbehandlung. Sendetermine sind: Mo. 19.11., 20:15 Uhr, Di. 20.11., 11:25 Uhr und 25.11., 17:45 Uhr.

Hoffnung auf Korrektur der Definition des Bundessozialgerichtsurteils: Vincenz-Geschäftsführer Guido Wernert und Dr. Christoph Oberwittler, der auch Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallstiftung ist. HR-Redakteurin Diana Deutschle recherchierte mit ihren Kollegen von defacto zu den Millionenkürzungen der AOK in Hessen.

Die Auswirkungen des jüngsten Urteils des Bundessozialgerichts sind am kommenden Montag Thema des landespolitischen Magazins „de facto“ des Hessischen Rundfunks. Vielen hessischen Kliniken wurden aufgrund des Urteils mit einer neuen Interpretation der Transportzeiten von Schlaganfallpatienten seitens der AOK Hessen hohe Beträge zur Erstattung der Schlaganfallkomplexbehandlung gekürzt, auch das St. Vincenz ist betroffen: Die AOK fordert für die Jahre 2014 bis 2016 über eine Million Euro zurück, verrechnet dies mit anderen Zahlungen bzw. will  dies von der nächsten Vergütung abziehen. Hierzu recherchierte Redakteurin Diana Deutschle in mehreren hessischen Kliniken, auch im St. Vincenz. Geschäftsführer Guido Wernert und Neurologie-Chefarzt Dr. Christoph Oberwittler, der auch Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallstiftung ist, kritisierten das Vorgehen der AOK scharf. Kliniken bekämen so die sehr aufwändige Schlaganfallbehandlung nicht mehr erstattet. Geschäftsführer Guido Wernert: „Die AOK ist der größte Gesundheitspartner in Deutschland und nutzt in dem Fall eine offensichtlich nicht passfähige Auslegung eines Richters, um das Schlaganfallversorgungsnetz zu zerschlagen.“ Gleichzeitig äußerten beide aber die Hoffnung, dass dieses Vorgehen der Kassen umgehend korrigiert wird.
Das Gericht hatte die Transportzeiten von  Schlaganfallpatienten zur nächsten überregionalen Schlaganfalleinheit neu interpretiert: Es legt den Begriff der Transportentfernung nun so aus, dass der Transport mit der Anforderung des Transportmittels beginnt und mit der Übergabe des Patienten an die behandelnde Klinik endet und 30 Minuten dauern darf. Damit geht das Gericht weit über die Definition des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hinaus, denn bisher war die reine Transportzeit maßgeblich. Das DIMDI hat bereits klargestellt, dass mit der 30-Minuten-Frist die reine Fahrtzeit gemeint ist. Ungeachtet dessen führt die AOK Hessen das BGH-Urteil zur Begründung seines Vorgehens an.  Krankenhausgesellschaften, Klinikgeschäftsführer und Neurologen kritisieren dieses Vorgehen scharf und halten das Procedere für rechtswidrig.
Hintergrund der Kürzungen ist die Verabschiedung des neuen Pflegepersonalstärkungsgesetzes, mit welchem am 9. November 2018 eine verkürzte Verjährungsfrist für Zahlungen in Kraft trat. Mit ihrem rigiden Vorgehen wollten die Kassen eine Verjähhrung ihrer Forderungen aus den Jahren 2014 bis 2016 verhindern.