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Leistungsspektrum erweitert: Kinderorthopädie neu am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg etabliert

Mit der Umstrukturierung der Hauptabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie zum Zentrum für Orthopädie und Traumatologie (ZOT) erweitert das St. Vincenz-Krankenhaus Limburg nicht nur sein Leistungsspektrum in diesen Bereichen, sondern gewinnt zudem die Expertise des erfahrenen Orthopäden Dr. Jürgen Fey. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie war zuvor am Marienhaus Klinikum tätig, wo er u.a. die Kinderorthopädie aufgebaut und etabliert hat. Dieser Aufgabe stellt er sich jetzt in Limburg erneut. Im Interview erzählt er, was die Kinderorthopädie von der für Erwachsene unterscheidet und welche Projekte er in den kommenden Monaten im St. Vincenz bewegen möchte.

Dr. Jürgen Fey verstärkt als leitender Oberarzt und Chefarztvertreter der Orthopädie seit Anfang des Monats das ZOT-Team. Der erfahrene Orthopäde baute an seiner alten Wirkungsstätte die Kinderorthopädie auf und leitete diesen Bereich seit Januar 2020. Fey verfügt zudem über das Zertifikat „Kinderorthopädie“ der Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO). Ein weiterer seiner medizinischen Schwerpunkte liegt auf der Behandlung des Kniegelenks. Der von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zugelassene Fachexperte „Endocert“ war seit 2013 als Senior-Hauptoperateur und Koordinator des Endoprothetik-Zentrums der Maximalversorgung am Marienhaus Klinikum tätig und auf die endoprothetische Versorgung des Knie- und Hüftgelenkes, sowie deren Wechseloperationen spezialisiert.

Was unterscheidet die Kinderorthopädie von der Orthopädie für Erwachsene?

Der wesentliche Unterschied zwischen der Orthopädie bei Kindern und Erwachsenen besteht darin, dass die Kinderorthopädie immer Behandlungen, sei es mit oder ohne Operation, am wachsenden Skelett beinhaltet. Damit verbunden ist eine große Dynamik der Veränderungen, sowohl im positiven Sinne, aber leider oft auch in Form einer weiteren Verschlechterung der Situation. Daher spielt auch der Zeitpunkt des Eingreifens eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite sollte gerade bei operativen Maßnahmen nicht zu früh gehandelt werden andererseits darf der richtige Zeitpunkt, in dem noch eine möglichst vollständige Wiederherstellung erreicht werden kann, auch nicht verpasst werden.

Da das Spektrum kinderorthopädischer Operationen sehr weit ist, sollte der in diesem Bereich tätige Arzt über eine große Erfahrung im operativen Bereich verfügen und auch die unterschiedlichen Operationstechniken sicher beherrschen.

Herr Dr. Fey, gibt es Fälle, in denen Sie als Orthopäde einfach mal nichts tun sollten?

Nichts zu tun fällt einem Arzt natürlich erst einmal schwer. Die Eltern erwarten ja auch in gewisser Weise, dass etwas passiert. Nichtsdestotrotz ist Zuwarten immer wieder eine gute Option. Das bedeutet aber auch, den weiteren Verlauf immer wieder zu beobachten.
Untersuchungen zufolge steht in 70% der Fälle einer kinderorthopädischen Sprechstunde die Beratung und Beruhigung der Kinder und Eltern im Vordergrund. Aber auch das ist ja ein Stück weit eine Therapie.

Was sind die häufigsten orthopädischen Krankheitsbilder bei Kindern?
Hier muss man zwischen angeborenen und erworbenen Erkrankungen unterscheiden. Bei den angeborenen Veränderungen sind sicher die Fehlanlage des Hüftgelenkes (Hüftdysplasie und -luxation) und die Fußfehlstellungen, insbesondere der Klumpfuß, zu nennen. Wenn diese Krankheitsbilder früh erkannt und richtig behandelt werden, sind die Aussichten auf Ausheilung sehr gut. Selten und schwieriger zu behandeln sind so genannte syndromale Erkrankungen, die häufig auch Veränderungen am Bewegungsapparat zeigen.

Häufige erworbene Erkrankungen sind die kindliche Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (Morbus Perthes) oder aber bei etwas älteren Kindern der Hüftkopfabrutsch. Auch Fehlstellungen der Beine in Form eines X- oder O-Beines sowie Beinlängendifferenzen sind häufig Grund zur Vorstellung bei einem Kinderorthopäden. Hinzu kommen Fußfehlstellungen, insbesondere der Knick-Platt-Fuß. An der Wirbelsäule ist die Verkrümmung (Skoliose oder Kyphose) nicht selten. Hier ist neben einer kontinuierlichen Kontrolle auch eine jeweils dem Ausmaß der Veränderung entsprechende Behandlung erforderlich.

Eine Sonderrolle nehmen die Kinder mit einer Behinderung, insbesondere mit infantiler Cerebralparese2) ein, die mir sehr am Herzen liegen. Hier ist häufig eine Begleitung vom Säuglingsalter bis zum Wachstumsabschluss erforderlich, da sich viele Probleme im Laufe der Zeit entwickeln.

Wie können Eltern Fehlhaltungen oder Beschwerden bei ihren Kindern erkennen und was raten Sie ihnen?

Eltern sollten ihre Kinder im Blick haben. Dies betrifft alle Lebensbereiche, aber eben auch Wachstum und Entwicklung. Bei Auffälligkeiten sollte zunächst der Kinderarzt/ die Kinderärztin konsultiert werden. Diese:r kennt das Kind am besten.
Wenn dann Unsicherheiten bestehen, ist die Vorstellung beim Kinderorthopäden sinnvoll. Häufig sind auch Auffälligkeiten im Rahmen der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen Grund für den Besuch der kinderorthopädischen Sprechstunde.
In jedem Fall ist es wichtig kinderorthopädische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für die jungen Patient:innen?

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Wie bereits oben beschrieben, ist in vielen Fällen eine regelmäßige Kontrolluntersuchung ausreichend. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind gezielte Krankengymnastik, orthopädietechnische Versorgung, z.B. mit Einlagen, Schienen oder Korsett oder, wenn erforderlich, ein operativer Eingriff.

Stichwort Wachstum: Ist es eine große Herausforderung in einen Prozess einzugreifen, der noch nicht abgeschlossen ist?

Bei kinderorthopädischen Eingriffen muss man sich immer bewusst sein, dass das Tun Auswirkungen für das ganze weitere Leben haben wird. Insofern ist jeder operative Eingriff, aber auch der Verzicht darauf, gut zu überlegen. Auch spielt das richtige Timing bei Operationen eine große Rolle. Daneben müssen die anatomischen Besonderheiten bei Kindern beachtet werden. Erfahrungen aus der Erwachsenenorthopädie können nicht einfach übertragen werden. Letztlich ist eine große Erfahrung in diesem Bereich beste Grundlage für einen erfolgreichen Eingriff.

Beobachten Sie eine bestimmte Entwicklung hinsichtlich der Erkrankungen bei Kindern?

Die Häufigkeit der einzelnen kinderorthopädischen Krankheitsbilder hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht wesentlich verändert. Allgemeine Probleme, wie das auch bei Kindern häufige Übergewicht, führen in der Regel erst im Erwachsenenalter zu Schäden am Bewegungsapparat. Leider hat sich auch die Häufigkeit der infantilen Cerebralparese nicht verringert, trotz viel besserer Versorgung der Frühgeborenen. Hier ist die Häufigkeit des Auftretens sehr vom Geburtsgewicht abhängig.

Was ist Ihre Philosophie im Umgang mit den jungen Patient:innen?

Wichtig ist es, einen Zugang zu den Kindern aber auch den Eltern zu finden. Dazu gehört eine angstfreie Atmosphäre in der Sprechstunde, in der auch durchaus gelacht werden darf. Auch sollte auf die Gestaltung der Räumlichkeiten geachtet werden. Ganz wichtig ist es auch, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und zu beobachten. Die Untersuchung sollte entspannt und ohne Zwang erfolgen. Dies ist allerdings je nach Vorerfahrungen des Kindes nicht immer einfach.

Dass dies durchaus gelingen kann, zeigt die Tatsache, dass die meisten meiner Patient:innen, teilweise auch aus der Eifel und dem Hunsrück, mit mir vom Rheintal nach Limburg wechseln werden.

Was ist Ihnen für Ihre Arbeit am St. Vincenz Limburg besonders wichtig? Gibt es etwas, auf das Sie hinarbeiten?

Ziel ist es, im Einzugsbereich des St. Vincenz-Krankenhauses eine hochwertige kinderorthopädische Versorgung zu etablieren und den Kindern und Eltern in Zukunft weite Wege zu ersparen. Auch möchte ich für Kinderärzt:innen und Orthopäd:innen in diesem Fachgebiet Ansprechpartner sein.
Durch die Erfahrung der Kolleg:innen der Kinderklinik und der Anästhesieabteilung können wir eine gute und insbesondere sichere Versorgung am Standort gewährleisten.

Auch setze ich auf eine interdisziplinäre Betreuung zusammen mit Krankengymnastik und Orthopädietechnik und die Unterstützung der Mitarbeiter:innen, die mich aus dem Marienhaus-Klinikum nach Limburg begleiten.
 
Kinderorthopädie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg
Haben Sie eine kinderorthopädische Frage, oder möchten einen Termin vereinbaren? Melden Sie sich gerne unter +49 6431 292 4421 oder zot(at)st-vincenz(dot)de

Weitere Informationen zum Zentrum für Orthopädie und Traumatologie finden Sie hier.