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Lebensretter für die Kleinsten: International anerkannte Wiederbelebungskurse für Neugeborene am St. Vincenz

Notfälle in der Geburtshilfe gehören glücklicherweise nicht zur Tagesordnung, doch je seltener eine solche Situation eintritt, desto intensiver muss sie trainiert sein: jeder Handgriff muss dann sitzen, jedes Teammitglied sofort wissen, was zu tun ist. Am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg frischten jetzt rund 50 Mitarbeitende aus Medizin und Pflege in Kooperation mit dem Bildungszentrum der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth e. V. (AGNF) ihr Wissen zur Neugeborenen-Reanimation auf und bildeten sich anhand aktuellster internationaler Leitlinien fort.

50 Mitarbeitende aus Medizin und Pflege am St. Vincenz-Krankenhaus bildeten sich anhand aktuellster internationaler Leitlinien zu Reanimationssituationen bei Früh- und Neugeborenen fort.

Die Fortbildungen der AGNF zeichnen sich vor allem durch einen hohen Praxisanteil aus: Beim realitätsnahen Situationstraining wurden verschiedene Notfallsituationen im interdisziplinären Team einstudiert, um die Zusammenarbeit bei echten Notfällen verbessern.

„Reanimationssituationen bei Früh- und Neugeborenen sind für jeden Beteiligten eine besondere Herausforderung“, erläutert Dr./SZTE József Korcsik, Chefarzt der Kinderklinik am St. Vincenz. „Ziel dieser standardisierten Kurse unter dem Dach des Deutschen Rates für Wiederbelebung ist es, das Wissen der Teilnehmenden auf den neuesten Stand zu bringen und ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Vorbereitung zu geben. Denn vor allem in solchen Stresssituationen, in denen alle unter besonderem Druck stehen, muss jeder Handgriff mit routinierter Gelassenheit durchgeführt werden. Dafür ist es essenziell wichtig, dass jedes Teammitglied nach einem einheitlichen Konzept arbeitet und in den gängigen Leitlinien ausgebildet ist.“

Inhaltlich standen während der sog. Newborn-Life-Support Kurse vor allem die Besonderheiten der ersten Lebenswochen im Fokus sowie Kenntnisse in der Neugeborenen-Reanimation, wie beispielsweise ein spezielles Atemwegsmanagement oder das Legen von intraossären* Zugängen und Nabelvenenkathetern. Neben der Vermittlung von Theoriewissen zeichnen sich die international zertifizierten Fortbildungen der AGNF vor allem durch einen hohen Praxisanteil aus. Beim realitätsnahen Situationstraining werden verschiedene Notfallsituationen einstudiert: Ärzt:innen, Pflegekräfte, Hebammen und Rettungsdienstpersonal arbeiten dabei interdisziplinär zusammen. „Ziel der Kurse ist, neben der Vermittlung von Fachwissen, vor allem die Arbeit im multiprofessionellen Team einzustudieren“, erklärt Dr./SZTE Korcsik. „Während der Rettungsmaßnahmen hat jede und jeder im Team eine feste Rolle: es gibt beispielsweise eine:n Teamleiter:in und jemanden, die oder der ausschließlich für die Beatmung des Neugeborenen zuständig ist. Andere wiederum sind verantwortlich für das Legen von Zugängen und die Gabe von Medikamenten. In jedem Fall spielt die Kommunikation und das Funktionieren als Team eine entscheidende Rolle.“ Die Übungssituationen spiegeln den Alltag aller Berufsgruppen wider und sollen so die Zusammenarbeit in echten Notfallsituationen verbessern.

Die Newborn-Life-Support-Kurse im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg entsprechen den internationalen Anforderungen des European Resuscitation Councils (ERC). Ziel dieser Leitlinien ist es, europaweit einheitliche Standards für die Reanimation von Neu- und Frühgeborenen zu etablieren. Nach dem erfolgreichen Auftakt der Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth e. V. (AGNF) sollen die Neugeborenen-Reanimations-Kurse von nun an jährlich in der Limburger Klinik stattfinden. „Wir sind der Klinikleitung sehr dankbar, dass sie in die Vertiefung dieser Expertise investiert und uns diese wichtige Fortbildung ermöglicht“, so der Chefarzt der Kinderklinik. Alle drei Jahren gibt es Neuerungen in den Leitlinien zur Neugeborenen-Reanimation. Deshalb ist diese kontinuierliche Weiterbildung nach Überzeugung von Dr./SZTE Korcsik so essenziell wichtig für Medizin und Pflege: „Wir möchten garantieren, dass bei uns immer nach den jeweils aktuellsten Leitlinien agiert wird.“ Neben den Kursen für Neu- und Frühgeborene sollen ab der zweiten Jahreshälfte auch Kurse zu Reanimationssituationen bei Kindern in Kooperation mit der AGNF durchgeführt werden (sog. EPALS-Kurse = European Paediatric Advanced Life Support).

Neugeborenen-Notfälle am St. Vincenz-Krankenhaus

Seitdem die St. Vincenz-Frauenklinik als perinataler Schwerpunkt arbeitet, werden hier u.a. Risikoschwangerschaften betreut und auch Frauen ab der 32+0 SSW können i.d.R. heimatnah, ohne das Risiko einer kindlichen Verlegung, am St. Vincenz entbinden. Denn das Team der Kinderklinik mit integrierter Neonatologie ist in der Lage, plötzlich auftretende, unerwartete neonatologische Notfälle adäquat zu versorgen. Die notfallmäßige pädiatrische Erstversorgung ist rund um die Uhr in jeder Schwangerschaftswoche möglich, auch wenn im Verlauf eine Verlegung in ein höhergradiges Perinatalzentrum (Level II oder I) notwendig sein sollte.

*Als intraossären Zugang bezeichnet man eine Punktion des Knochenmarks mit einer Spezialkanüle am medialen Rand der Tibia (Schienbein). Er ist eine Alternative zum intravenösen Zugang bei kleinen Kindern, Säuglingen und Neugeborenen (v.a. in Notfall-Situationen). (Quelle: Flexikon DocCheck)