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Hüftendoprothesen – wann ist der richtige Zeitpunkt für eine OP? Über Chancen und Risiken sprach Dr. Stanislaus Konzal

Seit zwei Monaten verstärkt er das Team der Orthopädie und Unfallchirurgie um Dr. Joachim Hillmeier am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg: Dr. Stanislaus Konzal. In der Region bekannt ist der Facharzt für Orthopädie bisher durch seine Praxis in Diez und seine langjährige belegärztliche Tätigkeit am früher dort ansässigen DRK-Krankenhaus. Sein operatives Behandlungsspektrum umfasste die großen Gelenke, insbesondere die Implantation von Knie-, Hüft- und Schulterendoprothesen. Diagnostik und Aufklärung seiner Patienten führt der Mediziner in der orthopädischen Praxis in Diez durch, die OP erfolgt im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg. Im Rahmen der Vortragsreihe „Visite im Vincenz“ sprach der Orthopäde über seine Erfahrungen und OP-Methoden in seinem Vortrag unter dem Titel „Moderne Hüftendoprothetik - zwischen Anspruch und Realität“.

Über moderne Hüftendoprothetik sprach Dr. Stanislaus Konzal, Facharzt für Orthopädie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, im Konferenzraum Katharina Kasper.

Am Rande der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Möglichkeit, mit dem Mediziner ins Gespräch zu kommen.

Zahlreiche Besucher waren zum Vortrag gekommen, um sich bei der „Visite im Vincenz“ über Chancen und Grenzen der modernen Hüftendoprothetik zu informieren.

Mit zunehmendem Alter leiden immer mehr Menschen unter Arthrose. Weltweit gehöre sie zu den häufigsten Gelenkerkrankungen als Folge von Verschleiß, die auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden könne. Unter anderem kämen dabei eine Überbelastung der Gelenke infolge von erhöhtem Körpergewicht, angeborene oder durch Unfälle erworbene Fehlstellungen der Gelenke und Knochen sowie andere Erkrankungen wie Gelenkentzündungen in Frage, erklärte der Mediziner. Die Hüftgelenke gehören zu den am häufigsten betroffenen Gelenken. Wenn der Schmerz unerträglich und das Laufen zur Qual werde, leide auch zunehmend die Lebensqualität der Betroffenen. Was kann man tun? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Abwarten oder operieren lassen? Lang- oder Kurzschaftprothese?

Erst wenn konservative Behandlungsmethoden, darunter Gewichtsreduktion und Bewegungsübungen, nicht zum Erfolg führten, werde aus medizinischer Sicht ein operativer Eingriff in Betracht gezogen. Schmerzen infolge des Gelenkverschleißes versuche man im Anfangsstadium medikamentös zu therapieren. Viele Patienten, die in der Praxis vorstellig werden, kämen jedoch mit recht hohen Erwartungen, so der Orthopäde. „Aber eine Hüft-Endoprothese macht sie nicht jünger“, offenbarte der Mediziner. Deshalb sei es wichtig, die Patienten darüber aufzuklären, welche realistischen Möglichkeiten ein operativer Eingriff biete, aber auch, welche Risiken er berge. Dadurch könne man durchaus erreichen, dass der Patient nach der OP weniger oder sogar gar nicht mehr unter Schmerzen leide und dadurch beweglicher sei. Dies wiederum könne sich in vielfältiger Weise positiv auswirken, auch auf die Therapiemöglichkeiten anderer Erkrankungen sowie insgesamt auf die Lebensqualität und somit am Ende unter Umständen auch lebensverlängernd.

Wenn Betroffene sich für eine Operation entscheiden, sei es wichtig, sich einem Operateur anzuvertrauen, der bei der von ihm angewandten Methode erfahren und erfolgreich sei. Dabei warnte er ausdrücklich davor, sich in die Hände von Medizinern zu begeben, die mit den allerneuesten Methoden und modernster Technik werben sowie Prothesen, für die noch keine langjährigen klinischen Ergebnisse vorliegen.
Nicht alles, was der Markt anbiete, sei auf lange Sicht auch erfolgreich, manches sogar verboten, darunter robotergestützte Implantationen und Oberflächenersatz für Hüftgelenke. Aber nicht nur der Operateur, auch der Patient selbst trage Verantwortung für ein Gelingen, so Dr. Konzal. Denn mit seinem Verhalten könne auch der Betroffene durchaus zum Erfolg der OP beitragen, indem er gegebenenfalls Übergewicht abbaue, aktiv sei und sich sportlich betätige. Denn auch davon hinge es ab, wie lange eine Prothese hielte.
Anschaulich schilderte er, wie eine Operation abliefe und gab anhand von Bildern und Videosequenzen einen kleinen Einblick in das OP-Geschehen. In seinen OPs verwende er sowohl Lang- als auch Kurzschaftprothesen mit Titan-Beschichtung. Überwiegend setze er zementfreie Implantate ein. Wie lange eine Prothese hielte, lasse sich pauschal nicht sagen, da die hypothetische Annahme, dass ein Implantat 30 Jahre hielte, auf Tests unter Laborbedingungen beruhe. Darüber hinaus sei dies auch abhängig vom Lebensstil des Patienten.

Schließlich ging Konzal auch auf die Endprothetik von Kurzschaftprothesen ein, die seit etwa zehn Jahren implantiert werden – mit zunehmender Tendenz. Geeignet seien sie insbesondere für etwas jüngere Patienten mit guter Knochenqualität im Oberschenkel. „Sie fügen sich gut ein in die Anatomie des Oberschenkelknochens und sorgen dadurch für eine bessere Kraftübertragung“, so Konzal. Die Kraft des Körpergewichts werde dabei auf natürlichere, sprich: physiologische, Weise übertragen – im Gegensatz zu konventionellen Prothesen, die im Oberschenkelschaft verankert sind. Da der Schenkelhals teilweise erhalten werden müsse, werde hierbei eine andere Implantationstechnik benötigt als bei zementfreien Standardprothesen.

Die Ergebnisse zwischen Lang- und Kurzschaftprothesen seien nach zehn Jahren vergleichbar, so Konzal. Kurzschaft-Patienten berichteten über weniger Oberschenkelschmerzen, die bei zementfreien Standardprothesen durch das verzögerte Einwachsen im Oberschenkelknochen verursacht würden. Der Vorteil der Kurzschaftprothesen bestehe darin, dass der Schenkelhals teilweise erhalten bleibe und die OP weniger Knochenverlust bedeute. „Aber man muss abwarten, wie sich die Kurzschaftprothesen langfristig bewähren“, so der Orthopäde. Ein realistisches Fazit könne man erst in 20 bis 30 Jahren geben.

Weitere Informationen und Kontakt: MVZ Westerwald, Zweigpraxis Diez, Dr. Stanislaus Konzal, Facharzt für Orthopädie, Bahnhofsweg 3 bis 5, 65582 Diez, Telefon (0 64 32) 92 70-0, Fax (0 64 32) 92 70-50, E-Mail info(at)dr-konzal(dot)de, www.dr-konzal.de.