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Höher, schneller, weiter… verletzt: Ein Interview mit Sportmediziner Dominik Wilkens über Verletzungen im Wintersport

Sie ist DER Höhepunkt für einen jeden Leistungssportler: die Teilnahme an der Olympiade. In den kommenden zwei Wochen werden zahlreiche Athletinnen und Athleten bei den olympischen Winterspielen in Beijing ihre sportlichen Kräfte messen. „Höher, schneller, weiter“, heißt es dann wieder und häufig eben auch „verletzt“. Einer Studie der Norwegian School of Sport Science zufolge verletzten sich bei den Winterspielen in Vancouver knapp 300 Athletinnen und Athleten, also rund jeder zehnte Teilnehmer. Welche Wintersportarten warum ein besonders hohes Verletzungsrisiko bergen und wie man diesen Verletzungen vorbeugen kann, das ist nicht nur für die Spitzensportler interessant. Zu Beginn der Olympiade sprachen wir darüber mit Dominik Wilkens, Sportmediziner, Kniechirurg und leitender Oberarzt am Zentrum für Orthopädie und Traumatologie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg:

Schon immer stand für ihn der sportliche Aspekt der Medizin im Vordergrund: Dominik Wilkens verfügt unter anderem über die Zusatzbezeichnung Sportmedizin und das Zertifikat „Kniechirurg“ der Deutschen Kniegesellschaft.

Gerade bei Sportlerinnen und Sportlern sollte ein verletztes Kreuzband schnellstmöglich operiert werden. Im Falle eines Falles steht das Team des Zentrums für Orthopädie und Traumatologie am St. Vincenz-Krankenhaus bereit.

Forschende haben dokumentiert, dass Bob, Short Track, Eishockey, Snowboard Cross und Alpiner Freestyle zu den olympischen Disziplinen mit dem höchsten Verletzungsrisiko zählen. Was sind typische Verletzungen in diesen Sportarten?

In diesen Sportarten kommt es häufig zu Verletzungen an Wirbelsäule und Kopf sowie insbesondere an den Knien. Hier stehen Kreuzband-, Meniskus- und Knorpelverletzungen hoch im Kurs. Es kann aber auch zu Kniegelenkscheibenbrüchen oder anderen knöchernen Verletzungen kommen.

Gibt es eine Gemeinsamkeit, die diese Sportarten für Knieverletzungen prädestiniert?

Alle genannten Sportarten sind natürlich ziemlich rasant und gehen mit vielen schnellen Bewegungswechseln in den Beinen einher. Oftmals entsteht ein sogenannter valgischer Kollaps, das heißt: das Bein ist in einer X-Beinstellung, in der Beugung und in der Rotationsbewegung. Der Körperschwerpunkt hängt dann oftmals hinter dem Körper - vor allen Dingen beim Ski fahren oder beim Eishockey. Da ist dann das Risiko hoch, dass die Beinachse einbricht, der Oberschenkel nach innen rotiert und dabei eine Verletzung des Kniegelenks entsteht.

Wie kann man solchen Verletzungen im und am Knie vorbeugen?

Training! Es gibt sehr gute Präventionsprogramme, die sich auch in diversen Studien bewährt haben. So kann man mit entsprechend regelmäßigem Training, zum Beispiel im Rahmen des Aufwärmens, Knieverletzungen um gut 50 Prozent verringern – das ist eine enorme Quote.

Es gibt verschiedene Programme zur Verletzungsprophylaxe, z.B. das FIFA 11+ Programm, was bei Fußballspielern sehr beliebt ist. Als Mitglied der Deutschen Kniegesellschaft favorisiere ich das sogenannte Stopp X Programm, was von ebendieser etabliert worden ist und eine Mischung aus Sprung- und Kräftigungsübungen, neuromuskulären Training und Aufklärungsarbeit beinhaltet (downloadbar unter: www.stop-x.de). Diese Übungen kann man sehr gut ins Training integrieren, was ich auch dringend empfehle. Denn wie gesagt: diese 50 Prozent Reduktion der Kreuzband- oder Kniegelenkverletzungen sind  schon ein Wort. Zumal ein 20 prozentiges Risiko besteht, nach einer Kreuzbandverletzung auf der anderen Seite ebenfalls eine solche Verletzung zu erlangen. Auch dieses Risiko kann durch diese Übungen entsprechend reduziert werden.

Was tun, wenn man sich einen Kreuzbandriss oder eine Verletzung am Meniskus zugezogen hat?

Zügig zum Arzt! Das Bein wird dann erst einmal temporär ruhiggestellt, bevor zunächst eine klinische Untersuchung erfolgt und zeitnah danach eine MRT Untersuchung. Wenn dann das Kreuzband verletzt ist, sollte man dies,  gerade als sportlicher Mensch, operativ versorgen lassen. Zu 90 Prozent wird dann eine sog. vordere Kreuzbandersatzplastik durchgeführt. Dabei wird eine körpereigene Sehne entnommen und als Kreuzbandersatz eingebracht. In seltenen Fällen kann man auch versuchen, das Kreuzband mit einem Faden, der es augmentiert (also von innen stabilisiert).

Meniskusrisse sollte man, wenn der Riss dies erlaubt, zeitnah nähen, damit der Puffer zwischen dem Knorpel, der ggf. am oberen Unterschenkel erhalten bleibt, und es keine vorzeitige Arthrose gibt. Und das ganze halt zeitnah und so minimal invasiv wie es geht.

Vielen Dank für das Gespräch!