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Hand auf`s Herz und Leben retten

Herzenssache: Woche der Wiederbelebung: Bereits mehr als 1000 junge Lebensretter unterrichtet

Restart a heart – unter diesem Motto findet am 16. Oktober erstmals weltweit der Tag der Wiederbelebung statt. In Limburg wurden bereits im September im Rahmen der bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ mehr als 300 Schüler mit den Maßnahmen der Herzdruckmassage vertraut gemacht.

Das Logo zum ersten weltweiten Tag der Wiederbelebung „Restart a heart“.

Initiator der Schulung in Sachen Reanimation für Laien an den Limburger Schulen: Vincenz-Chefarzt PD Dr. Michael Fries. Große Unterstützung erhält der Anästhesist dabei von den jeweiligen Schulsanitätsdiensten und dem Deutschen Roten Kreuz.

Impressionen von der Reanimationsschulung an der Limburger Marienschule vom vergangenen Jahr.

Vor drei Jahren wurde diese Aktion mit der Unterstützung der jeweiligen Schulsanitätsdienste und des  Deutschen Roten Kreuzes initial durch den Chefarzt der Anästhesie und operativen Intensivmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus, PD Dr. Michael Fries, an der Marienschule etabliert, mittlerweile sind auch die Tilemanschule und die Theodor-Heuss-Schule im Boot. „Damit haben wir jetzt mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler in der Laienreanimation geschult“, berichtet der Mediziner stolz. „Ein toller Erfolg, der allerdings ohne den Einsatz der Schulen und vor allem das ehrenamtliche Engagement von Horst Weigel vom DRK Limburg nicht möglich wäre“, betont er gleichzeitig. Wir sprachen mit dem Anästhesie-Chefarzt über seine Beweggründe und die wichtigsten Fakten in Sachen Wiederbelebung: 

Herr Dr. Fries, warum ist Ihnen die Schulung von Laien in der Wiederbelebung bzw. Reanimation so wichtig. Gab es in diesem Kontext ein Schlüsselerlebnis?

Das kann man so sagen. Während meiner Zivildienstzeit in den 90er Jahren durfte ich nach einer Ausbildung zum Rettungssanitäter auch auf dem Notarztwagen mitfahren. In diesem Rahmen habe ich die damals oft desaströsen Ausgänge von Patienten mit einem Herzstillstand miterlebt. Damals war aber das Wissen um eine adäquate Versorgung dieser Patienten noch sehr rudimentär und vor allem die Integration von Laien war nahezu unbekannt.

Ihr Fokus bei den Schulungen zur Reanimation liegt auf den Schülern – sind Kinder und Jugendliche mit einer so existentiellen Hilfestellung nicht emotional überfordert?

Definitiv nicht. Ein Herzstillstand tritt sehr häufig im familiären Umfeld oder Freundeskreis auf. Fast jeder möchte in dieser Situation in der Lage sein zu helfen. Durch die in unseren Kursen vermittelten, simplen Maßnahmen sind fast alle in der Lage zu helfen bis professionelle Retter eintreffen. 

Viele glauben, für eine erfolgreiche Reanimation bedürfe es hochkomplexer Medizintechnik?

Ganz im Gegenteil. Man braucht nur zwei gesunde Hände. Die Technik der Herzdruckmassage, und nur um die geht es uns, ist sehr simpel zu lernen und mit dem Summen des BeeGees Hits „Stayin alive“ hat man auch gleich den richtigen Takt im Ohr. Das heißt man muß 100 mal pro Minute ca. 5-6 cm tief den Brustkorb eindrücken.

Die Laienreanimationsquoten der Länder sind in Europa sehr unterschiedlich – wie sieht es mit der bundesdeutschen Quote aus?

Die Laienreanimationsquoten der europäischen Länder sind extrem unterschiedlich. Nur in wenigen Ländern wie zum Beispiel Skandinavien werden zufriedenstellende  Laienreanimationsquoten von 60 bis 80 Prozent erreicht. Der europäische Durchschnitt liegt bei 47 Prozent, in manchen Ländern beginnen lediglich fünf Prozent der Menschen, die einen Kreislaufstillstand beobachten, mit Wiederbelebungsmaßnahmen. In Deutschland konnte die Quote durch die Etablierung der Woche der Wiederbelebung innerhalb von fünf Jahren von unter 20 auf 42 Prozent verdoppelt werden.

Wie kann ich als Ersthelfer erkennen, wann und ob ich es mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun habe, was sind die untrüglichsten Anzeichen?

Der Patient ist bewusstlos, das heißt er reagiert nicht auf laute Ansprache oder Schütteln der Schulter. Ausserdem atmet er nicht mehr oder nicht mehr regelmäßig. Um das zu prüfen lege ich meine Wange etwas über Mund und Nase des Patienten und schaue ca. 20 s in Richtung Füße. Höre ich kein Atemgeräusch, oder fühle keinen Atem oder sehe keine Bewegung des Brustkorbs oder Bauchs muss ich mit Herzdruckmassage beginnen.

Kann ich bei der Wiederbelebung einem Menschen gleichzeitig auch ernsthaft schaden? Früher wurde davor gewarnt, wenn man jemanden falsch bewegt, könne dieser querschnittsgelähmt werden?

Man muss sich immer vor Augen halten, dass der am Boden liegende Mensch klinisch tot ist. Ohne Maßnahmen wird er definitiv sterben. Es gibt aber die Möglichkeit innerhalb eines kurzen Zeitfensters durch Wiederbelebungsmaßnahmen den Patienten zu retten. Jeder Laie kann durch diese Maßnahme die Überlebenswahrscheinlichkeit verdoppeln bis verdreifachen.

Es gibt hier nichts was man falsch machen kann, außer nichts zu tun! 

Wenn jemand vorgeschädigt ist, beispielsweise Stents hat oder einen Herzschrittmacher, ist dann auch die Herzdruckmassage das Mittel der Wahl? Oder warte ich dann wirklich lieber, bis der Notarzt kommt?

Nein! Hier gilt genau dasselbe wie eben gesagt.

Soll ich eine Herzdruckmassage durchführen, wenn jemand röchelt?

Ja, auf jeden Fall!.

Kann ein Herzkreislaufstillstand auch bei jungen Menschen auftreten?

Das ist gar nicht so selten. Gerade bei unentdeckten Herzfehlern oder bei jungen Leistungssportlern gibt es ein erhöhtes Risiko. Ein Grund warum Profivereine inzwischen alle Sportler regelmäßig kardiologisch untersuchen lassen.

Kann das Kammerflimmern, das zu einem Herzkreislaufstillstand führt, nicht von selbst weggehen?

Nein, aber auch die andere Form des Herzkreislaufstillstand, die Asystolie ist ohne Herzdruckmassage nicht zu beheben.

Gibt es bei einem Herzkreislaufstillstand alarmierende Vorzeichen?

Häufig nein. Da aber die Mehrzahl der Herzstillstände durch einen Herzinfarkt ausgelöst werden, können die Patienten die hierfür typischen Symptome wie Luftnot, Brustenge oder Rhythmusstörungen schildern.

Was tue ich, wenn die Lage nicht ganz eindeutig ist, der Patient beispielsweise noch röchelt? Gibt es Fälle, bei denen man den Brustkorb nicht eindrücken und stattdessen eher nur die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung praktizieren sollte?

Das ist eine häufig gestellte Frage und sehr wichtig. Die Beatmung eines Menschen ist durch einen Laien nahezu unmöglich so durchzuführen, dass Sie effektiv ist. Darüberhinaus scheuen sich viele Menschen aufgrund eines Ekelgefühls diese Maßnahme durchzuführen. Der wichtigste Grund aber warum die Beatmung zu vernachlässigen ist liegt darin begründet, dass in dieser Zeit nicht die viel wichtigere Herzdruckmassage durchgeführt wird.

Darf man sich bei der Herzdruckmassage abwechseln?

Selbstverständlich. Mit zunehmender Dauer wird man selber erschöpft und ist nicht mehr so effektiv. Dann sollte man abwechseln.

Können auch Kinder Erste Hilfe leisten?

Definitiv. Es gibt bereits Kurse im Kindergartenalter.

Wo kann man sich bei Interesse schulen lassen?

Jeder kann auf den Seiten der bekannten Hilfsorganisationen wie dem DRK Kurse finden.

Herr Dr. Fries, herzlichen Dank für das Gespräch!