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Ein Appell an die Courage: Mutig sein, handeln! Jeder kann Leben retten – Plötzlicher Herztod und Reanimation für Laien im Fokus der Limburger Herzwochen

„Mutig sein, handeln!“ Das war die zentrale Botschaft Herzwochen 2019 in der Limburger Stadthalle. Der Kampf gegen den plötzlichen Herztod war in diesem Jahr zentrales Thema der zahlreichen bundesweiten Veranstaltungen der Deutschen Herzstiftung, so auch in Limburg. Die auch für Laien leicht erlernbaren Schritte zur Wiederbelebung Betroffener mit plötzlichem Herzstillstand standen neben zahlreichen Hintergründen über Symptome, Diagnose und Sekundärprävention im Focus des Expertenpodiums in der voll besetzten Limburger Stadthalle, welches von der Vincenz-Kardiologie unter Chefarzt Prof. Dr. Stephan Steiner in Kooperation mit der kardiologisch-internistischen Praxis Dr. Winfried Thiel organisiert worden war.

„Man kann nichts falsch machen, außer nichts zu tun“, so Dr. Peter Flies, Oberarzt der Kardiologie des St. Vincenz (und ab Januar Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses Dierdorf-Selters). Dass Laien Reanimationsmaßnahmen ergreifen, sei bei einem Herzkreislaufstillstand das entscheidende Bindeglied bis zum Eintreffen der professionellen Rettungskette. Um dies besonders anschaulich zu machen und Menschen im Falle eines Falles auch zu beherztem Eingreifen zu ermutigen, demonstrierten Oberarzt Mehdi Afscharian und Mitglieder seines Teams der Inneren Intensivstation die wichtigsten Schritte der Reanimation. Interessierte Besucher wurden mit Hilfe lebensechter Puppen-Torsi praktisch angeleitet, das Vorgehen bei einer Wiederbelebung auszuprobieren.

Jedes Jahr fallen dem plötzlichen Herztod in Deutschland ca. 65.000 Menschen zum Opfer. Selten ist dies jedoch ein schicksalhaftes Ereignis. Überwiegend sind Menschen im mittleren und höheren Alter betroffen. Als besonders gefährdet gelten Personen mit einer bereits vorhandenen Herzerkrankung, insbesondere der koronaren Herzkrankheit, der Herzschwäche oder nach Herzinfarkt. Von daher standen Informationen zum Erkennen der Symptome sowie zum Schutz vor den Ursachen im Mittelpunkt der Vorträge. Bei unter 35-jährigen Menschen seien oft eine Herzmuskelentzündung oder eine nicht erkannte, angeborene Herzerkrankung Ursache für den plötzlichen Herztod. Wichtig sei es, so Professor Stephan Steiner, die Ursachen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen: „Im Falle von Rhythmusstörungen können wir sehr wohl gut behandeln und den plötzlichen Herztod dadurch auch verhindern.“ Leider sei eine fehlende Symptomatik nicht unbedingt damit gleichzusetzen, dass das Herz gesund sei. Oft treffe der plötzliche Herztod auch aktive, bislang in Blick auf Herzkreislauf-Erkrankungen völlig unauffällige Menschen. Generell sollten Betroffene bei folgenden Warnzeichen zum Hausarzt oder Kardiologen:

  • Brustschmerzen (Angina pectoris) und/oder Luftnot
  • Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit 
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Kurze Bewusstlosigkeiten
  • Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten.

Sofort über die 112 den Notarzt alarmieren sollten Betroffene bei den typischen Herzinfarkt-Symptomen: Plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern, häufig verbunden mit kaltem Schweiß, Blässe, Übelkeit, Atemnot, Unruhe und Angst. Die Schmerzen seien überwiegend im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein, bisweilen insbesondere auch bei Frauen nur im Rücken, zwischen den Schulterblättern oder im Oberbauch. Die Schmerzen könnten in den Arm, den Hals oder den Kiefer ausstrahlen (mehr Infos unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html ).

Jeder Kollaps (Umfallen/Bewusstlosigkeit), alarmierte auch Dr. Winfried Thiel die Zuhörer, bedürfe der sofortigen medizinischen Abklärung. Eindringlich warnte der Kardiologe davor, in Verbindung mit Herzmedikamenten sowie mit Antidepressiva oder Schlaftabletten den Verzehr von Grapefruit oder die Einnahme von Johanniskraut: Diese Kombination könne schwerwiegende, bedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen, warnte Thiel. Darüber hinaus sprach er sich für ein Verbot von Energy Drinks aus: „Diese Drinks beinhalten eine hochgefährliche hohe Konzentration von Koffein und Zucker. So etwas gehört für mich nicht in den freien Handel.“

Tritt ein plötzlicher Herzstillstand ein, haben die Patienten letztlich nur eine Chance zu überleben: Wenn Menschen vor Ort sind, die das Geschehen richtig einschätzen und nach Alarmierung der Notrufnummer 112 sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Untersuchungen der Herzstiftung zufolge beginnt nicht einmal die Hälfte der Zeugen nach Absetzen des Notrufs mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Mehrheit bleibt untätig – vielfach aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei könne man gar nichts falsch machen. Der einzige Fehler sei, nichts zu tun. Kennzeichen eines Herzkreislauf-Stillstands sind 

  • Bewusstlosigkeit
  • keine normale Atmung 
  • fehlende Lebenszeichen - das Herz pumpt kein Blut mehr, das Gehirn wird dadurch nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.

„Jetzt heißt es handeln“, alarmierten die Kardiologen übereinstimmend. Denn ab diesem Zeitpunkt laufe unerbittlich die Uhr. Denn der Faktor Zeit entscheidet über Leben und Tod, aber auch über die Qualität des Überlebens: Mit jeder Minute, in der keine Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgten, sinke die Überlebenschance um zehn Prozent. Durch sofortige Herzdruckmassage könne wieder Blut zum Gehirn gelangen. Der Sauerstoff, der im Körperblut vorhanden sei, reiche in der Regel aus, um das Gehirn bis zum Eintreffen des Notarztes ausreichend zu versorgen. Damit es aber dorthin kommt, muss kontinuierlich kräftig gedrückt werden, möglichst 100 Mal pro Minute. Die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung sei manchem Vorurteil zum Trotz definitiv nicht entscheidend: „Das wichtigste ist die Thoraxkompression, die Herzdruckmassage. Sie stellt die Blutzirkulation und den Sauerstofftransport zum Gehirn sicher – das ist entscheidend, auch für die Qualität des Überlebens“, so die Experten. Daher könne nicht oft genug wiederholt werden: „Mutig sein, handeln! Wiederbelebung ist ganz einfach!“