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Darmkrebs ist heilbar: Vorsorge lohnt sich! Ein Experten-Interview zum Darmkrebs-Monat März

Der Darmkrebsmonat März geht bald zuende, Möglichkeiten zu ggf. lebensrettender Früherkennung gibt es das ganze Jahr über: in den St. Vincenz-Kliniken Diez und Limburg sowie in den internistischen MVZ-Praxen in Diez und Hadamar. Eine rechtzeitige Diagnose kann Leben retten: Im Kampf gegen Darmkrebs haben Patienten eine echte Chance: Bei keiner anderen Krebserkrankung bietet die Früherkennung derart gute therapeutische Möglichkeiten. Doch immer noch gehen deutlich zu wenig Menschen zur Vorsorge: 60.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Darmkrebs, rund 25.000 sterben an den Folgen. Neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge gibt es immer mehr jüngere Patient:innen bereits unter 30 Jahren mit immer aggressiveren Tumoren. Eine besorgniserregende Entwicklung, die wohl u.a. auch im Zusammenhang mit den für Industrienationen typischen schlechten Ernährungsgewohnheiten steht. Auch deshalb werben Mediziner immer wieder eindringlich für mehr Früherkennung...

Gleich zwei Abteilungen arbeiten eng zusammen, wenn es um den Darmkrebs geht: die Gastroenterologie unter Chefärztin PD Dr. Katrin Neubauer-Saile und die Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Chefarzt PD Dr. Udo A. Heuschen. Konkret bedeutet diese Kooperation: dem Patienten stehen gleich zwei hochspezialisierte medizinische Spezialisten zur Seite.

Chefärztin PD Dr. Katrin Neubauer-Saile und die Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Chefarzt PD Dr. Udo A. Heuschen.

„Mit unserem Darm beschäftigen wir uns ungern. Und mit Krebs erst Recht nicht. Das sollten wir aber. Denn die wichtigste Waffe gegen den Darmkrebs ist die frühe Diagnose. Rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs harmlos!“ Diese Botschaft richten zwei Chefärzte des St. Vincenz-Krankenhauses Limburg, PD Dr. Katrin Neubauer-Saile und PD Dr. Udo Heuschen anlässlich des Darmkrebsmonats März an die Menschen der Region. Warum Darmkrebs eigentlich vermeidbar und im Falle eines Falles sehr gut therapierbar ist, lesen Sie im folgenden Interview:

In vielen Bereichen der Medizin hat Covid-19 zu einem deutlichen Einbruch der Vorsorgeuntersuchungen geführt. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Wir beobachten mit Sorge, dass die Menschen immer noch aus Furcht vor einer Infektion mit dem Virus Vorsorgeuntersuchungen absagen oder das Angebot gar nicht erst wahrnehmen. Das kann mittelfristig besonders für etwaigen Darmkrebs schwerwiegende Folgen haben. Dabei ist eines ganz sicher: Gerade in unseren Kliniken sind Hygiene- und Schutzstandards sehr hoch. Wir appellieren daher an die Bürgerinnen und Bürger: Nutzen Sie Ihre Chance, Darmkrebs rechtzeitig bekämpfen zu können.

Schon immer gab es ja Vorbehalte gerade gegenüber dieser Untersuchung - welche Rolle spielt die persönliche Hemmschwelle? Wie lässt sie sich abbauen?

Wir wünschen uns sehr, dass die Menschen ihre Skepsis überwinden und freuen uns über Jeden und Jede, der/die  den Schritt zur vorbeugenden Untersuchung wagt. Es ist völlig unverständlich, dass immer noch so viele Berechtigte das Vorsorgeangebot der Kassen zur koloskopischen Darmkrebsvorsorge ignorieren – es wurde lange darum gekämpft, diese Chance zur Früherkennung zu ermöglichen. Denn entweder man hat einen unauffälligen Befund und damit die Beruhigung, für die nächsten Jahre vor Darmkrebs gefeit zu sein. Oder aber man entdeckt etwas, kann rechtzeitig eingreifen und gewinnt damit die Chance, den Krebs zu besiegen!

Wer zählt zur Risikogruppe, wer hat ein erhöhtes Risiko? Gibt es ein familiäres Risiko? Welche Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sind risikobehaftet?

Grundsätzlich gilt: Jeder kann in jedem Alter Darmkrebs bekommen. Bestimmte Personengruppen aber haben ein besonders hohes Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Der Lebensstil spielt eine erhebliche Rolle, viele Risikofaktoren kann man sogar selbst beeinflussen: Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel oder hoher Alkoholkonsum sind Risikofaktoren. Demgegenüber haben fett- und fleischarme Ernährung, gemüse- und salatreiche Kost, Nikotinverzicht und regelmäßige körperliche Aktivität eine große Schutzwirkung.

Darüber hinaus haben Menschen, die an Diabetes oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden oder Darmpolypen hatten ein höheres Erkrankungsrisiko. Wer Verwandte ersten Grades hat, die mit 50 Jahren und drunter an Darmkrebs erkrankt sind, hat ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Bei dieser familiären Disposition sollte die erste Vorsorge-Darmspiegelung zehn Jahre vor dem Alter liegen, in dem beim Familienmitglied Darmkrebs oder auch Darmpolypen festgestellt wurde. Generell steigt das Erkrankungsrisiko ab dem 50. Lebensjahr.

Wie lässt sich Darmkrebs möglichst frühzeitig entdecken? Welche Symptome sind relativ sichere Anzeichen für Darmkrebs?

Darmkrebs ist eine stille Krankheit. Wenn man die typischen Symptome wie Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Blut oder Schleim im Stuhl, bemerkt, kann sich der Krebs bereits im fortgeschrittenen Stadium befinden. Fast immer entwickelt sich der Krebs aus zunächst gutartigen Wucherungen, den Polypen oder Adenomen, die bei sehr vielen Menschen vorkommen und über eine Zeitspanne von vier bis zehn Jahren zum bösartigen Karzinom entarten. Sie  können auch okkult, das heißt unmerklich, bluten. Zwar können Beschwerden in Form von unregelmäßigem Stuhlgang, Bauch­schmerzen, Gewichtsabnahme oder Blutauflagerungen im Stuhl bestehen, häufig verläuft der Dickdarmkrebs jedoch auch völlig ohne Symptome! Gerade deshalb ist die Früherkennung so extrem wichtig.

Reicht ein Stuhltest aus zur Früherkennung?

Der Stuhltest bietet keine Sicherheit, dass sich in Ihrem Darm nicht eventuell doch ein Karzinom oder Polypen gebildet haben. In dem Test finden sich nur dann Blutspuren, wenn vorhandene Tumore und Polypen gerade bluten, was diese aber nicht immer tun. Die sicherste Abklärung bietet allein eine Darmspiegelung. Sie ist die effektivste Vorsorgemethode, da sich mit ihr bereits die gutartigen Vorstufen von Darmkrebs (Polypen) erkennen lassen. Durch Entfernung der Vorstufen wird verhindert, dass die Polypen später zu Krebs entarten.

Bei welchen Beschwerden muss unverzüglich koloskopiert werden?

Bei allen Änderungen der Stuhlgewohnheiten, Schmerzen und/oder Blut im Stuhl sollte eine zügige Rücksprache mit dem Hausarzt erfolgen, der berät und weitere Maßnahmen festlegt.

Wie genau verhindert die Darmspiegelung den Darmkrebs? Was passiert bei einer Koloskopie?

Im Gegensatz zu anderen Krebsarten entwickelt sich Darmkrebs aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen oder Adenomen. Durchschnittlich bei jeder dritten Untersuchung werden solche Krebsvorstufen, diagnostiziert. Mit der Koloskopie können wir diese nicht nur frühzeitig entdecken, sondern gleichzeitig sogar entfernen – und zwar schon bevor sie zu Krebs werden. Auch wenn bei der Vorsorgeuntersuchung tatsächlich Darmkrebs diagnostiziert werden sollte, stehen die Chancen meist gut: Denn er kann umso besser geheilt werden, desto früher er erkannt wird.

Ist die Darmspiegelung schmerzhaft?

Dank unserer modernen Untersuchungsstandards werden sie kaum etwas spüren. Zudem bieten wir unseren Patient:innen eine Sedierung an – so können die meisten die Untersuchung im wahrsten Sinn des Wortes verschlafen. Auch ohne „Dämmerspritze“ spüren die Patienten dank hochflexibler, biegsamer Untersuchungsinstrumente und modernster Medizintechnik von der Untersuchung an sich kaum noch etwas. Die gesamte Untersuchung dauert nicht länger als circa 20 Minuten.

Kann der Darm bei der Untersuchung verletzt werden?

In der Hand eines erfahrenen Arztes ist die Darmspiegelung eine sehr sichere und schonende Untersuchungsmethode. Komplikationen können aber in Ausnahmefällen auftreten.

Wie ist das therapeutische Vorgehen bei etwaigem Befund im Rahmen der Koloskopie?

Wird bei der Untersuchung ein größerer Befund entdeckt, ist der Patient auch in diesem Fall in der Limburger Klinik  in besten Händen. In enger Abstimmung zwischen den Fachbereichen wird eine rasche, zielgerichtete Krebsbehandlung geplant. Um insbesondere für Tumorpatienten das jeweils richtige, individuelle Therapiekonzept festzulegen, arbeiten am St. Vincenz alle beteiligten Fachabteilungen eng zusammen. So treffen sich Onkologen und Strahlentherapeuten, Chirurgen und Gastroenterologen, Gynäkologen, Urologen sowie Radiologen und Pathologen wöchentlich in einer fachübergreifenden, zertifizierten Tumorkonferenz. Alle Tumorpatienten werden dort vorgestellt und diskutiert, anschließend werden weitere Diagnoseschritte sowie vor allem die Therapieplanung jedes einzelnen Patienten diskutiert und festgelegt.

Welche Möglichkeiten gibt es bei einer etwaigen Operation, muss ich mit großen Schnitten rechnen? Oder gar mit einem künstlichen Darmausgang?

Nahezu alle Operationen werden am Limburger Krankenhaus minivalinvasiv, d.h. in Schlüssellochtechnik ohne Bauchschnitt behandelt. Wird der Darmkrebs früh erkannt, ist kein künstlicher Darmausgang nötig.

Warum ist es so wichtig, dass Betroffene in einem größeren Zentrum behandelt werden? Welche Sicherheit bietet das St. Vincenz?

100prozentige Sicherheit wird es nie geben. Der Darmkrebs ist zwar eine sehr häufige Erkrankung, erfordert aber eine spezielle Therapie, an der viele Fachabteilungen interdisziplinär beteiligt sein sollten.  

Wie oft sollte ich zur Darmspiegelung gehen? Wer bezahlt die Darmspiegelung?
Im Normalfall reichen die Empfehlungen der gesetzlichen Krankenkassen aus: erste Vorsorgedarmspiegelung für Männer mit 50 für Frauen mit 55 Jahren, bei befundloser Darmspiegelung eine Wiederholung nach zehn Jahren. Anders ist es im Fall eines erhöhten Risikos. Hier gelten individuelle Empfehlungen, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen sollten. Da die Vorsorgedarmspiegelung eine gesetzliche Leistung ist, entstehen Ihnen keine Kosten.

+++++++++ Risiko-Check Darmkrebs ++++++++

In nur 2 Minuten wissen Sie Bescheid: Der neue Schnell-Check Darmkrebs sagt Ihnen, ob und wann Sie zur Vorsorge gehen sollten. Der Risiko-Check wurde zwar von der Felix Burda Stiftung gemeinsam mit Humangenetikern und Magen-Darm-Ärzten entwickelt, ersetzt allerdings nicht das Arztgespräch: https://www.felix-burda-stiftung.de/service-tools/schnell-check-darmkrebs

++++++++ Darmkrebs-Vorsorge +++++++

Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Früherkennungsprogramm für Darmkrebs beginnt mit dem 50. Lebensjahr. Es besteht aus einem jährlichen Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkult-Bluttest) in Verbindung mit einer Tastuntersuchung des Enddarms. Ab dem 55. Lebensjahr übernehmen die Kassen alternativ dazu eine Darmspiegelung (Koloskopie) als Vorsorgeuntersuchung (bei Männern ab dem 50.en Lebensjahr). Bislang nutzen jedoch nur rd. zwei Prozent dieser Altersgruppe diese Möglichkeit: Eine Vorsorgekoloskopie wird nur bei 2,4 Prozent der Frauen und bei 2,0 Prozent bei den Männern durchgeführt. Dabei ist die Untersuchung eine lebensrettende Vorsorgemaßnahme: Wird Darmkrebs rechtzeitig erkannt, liegen die Heilungschancen mit über 90 Prozent so hoch wie bei keiner anderen Krebsart.

+++ Darmkrebs-Experten am St. Vincenz ++++

Um die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle nachhaltig zu verringern, engagiert sich die Viszeralmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus intensiv für eine verbesserte Darmkrebsvorsorge. Viszeralmedizin, dahinter stehen gleich zwei Abteilungen: die Gastroenterologie unter Chefärztin PD Dr. Katrin Neubauer-Saile und die Allgemein- und Viszeralchirurgie unter Chefarzt PD Dr. Udo A. Heuschen. Konkret bedeutet diese Kooperation: dem Patienten stehen gleich zwei hochspezialisierte medizinische Spezialisten zur Seite.

Diese enge Abstimmung der beiden Fachbereiche bedeutet deutlich mehr Sicherheit bei der raschen, zielgerichteten  Krebsbehandlung. Ein weiterer Pluspunkt ist die interdisziplinäre Fachkonferenz „Tumorboard“. Hier werden alle neu diagnostizierten Tumorpatienten vorgestellt, die Einzelfälle diskutiert und anschließend weitere Diagnoseschritte bzw. die weitere Therapieplanung individuell diskutiert und festgelegt.

+++++++++ Darmkrebs allgemein +++++++++

Darmkrebs stellt laut Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland mit jährlich etwa 61.000 Neuerkrankungen bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung dar. 90 von 100 Darmkrebserkrankungen werden nach dem 50. Lebensjahr diagnostiziert. Die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, verdoppelt sich bei Menschen im Alter über 40 Jahren alle zehn Jahre.

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