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Arthrose in Hüfte und Knie: Wann ist eine OP sinnvoll?

PD Dr. Joachim Hillmeier informierte bei „Focus Gesundheit“ über die neuesten Erkenntnisse und die Möglichkeiten der orthopädischen Chirurgie.

Anschaulich erklärte PD Dr. Joachim Hillmeier, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, bei der Vortragsreihe „Focus Gesundheit“ den zahlreich erschienenen Zuhörern, welche Therapieformen möglich und sinnvoll sind.

Zahlreiche Besucher waren zum Vortrag in die Adolf-Reichwein-Schule gekommen, um sich über die Möglichkeiten der Behandlung von Arthrose an Hüfte und Knie zu informieren.

Sich ungehindert bewegen zu können, bedeutet Lebensqualität. Gerade Hüft- und Kniegelenke sind komplizierte Gebilde, die im Laufe eines Lebens vielfältigen Beanspruchungen standhalten müssen. Dass sie all dies mitmachen, ist für die meisten selbstverständlich. Doch mit zunehmendem Alter stellen sich bei vielen Menschen Schmerzen in den Gelenken ein – anfangs nur gelegentlich, bis sie dann immer häufiger auftreten – oder sogar bleiben. Arthrose ist einer der häufigsten Anlässe für Arztbesuche in allgemeinmedizinischen Praxen. Und viele menschen fragen sich: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk? - „Arthrose in Hüft- oder Kniegelenk“ war diesmal Thema beim „Focus Gesundheit“. PD Dr. Joachim Hillmeier, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des St. Vincenz-Krankenhauses, griff die Frage im Rahmen seines Vortrags in der Adolf-Reichwein-Schule auf. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit sich zu informieren und mit dem Mediziner ins Gespräch zu kommen.
Etwa 13 Prozent der über 60-jährigen Europäer haben eine Arthrose im Knie-, rund zehn Prozent im Hüftgelenk. „Arthrose ist eine Verschleißerkrankung, die sich durch den allmählichen Verlust des Knorpelüberzugs langsam entwickelt“, erklärte Dr. Joachim Hillmeier. Betroffen seien klassischerweise vor allem ältere Menschen. Leitsymptom ist der Schmerz am betroffenen Gelenk. Heilbar sei Artrose nach wie vor nicht. „Sie entsteht infolge eines schleichenden Verlusts des Knorpelüberzugs, der zur Inkongruenz des betroffenen Gelenkes führt und dadurch zu deutlichem Knochen- und Knorpelabrieb“, erklärte der Orthopäde. Dies kann zu einer schmerzhaften Entzündung der Gelenkinnenhaut mit eihergehender Muskelverspannung und schließlich zu einer Kapselschrumpfung sowie Bewegungseinschränkungen führen. Insbesondere die muskulären Veränderungen und die Kapselschrumpfung seien schwer zu beheben, gerade wenn der Patient lange warte und sich erst in einem fortgeschritteneren Stadium an einen Arzt wende. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die Dr. Joachim Hillmeier im Rahmen seines Vortrags vorstellte. „Eine OP ist die letzte aller Möglichkeiten“, gab er zu bedenken.
„Im Anfangsstadium wird Arthrose auf jeden Fall konservativ behandelt“, erklärte der Mediziner, „insbesondere durch Bewegungsübungen, möglichst unter physiotherapeutischer Anleitung, mit Dehnungsgymnastik - und gegebenenfalls durch Gewichtsreduktion.“ Einen akuten Schub, der meistens gerade in der feuchten, kalten Jahreszeit auftrete, könne man mit schmerzstillenden, entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Bei Injektionen mit Kortison oder Hyaluronsäure ins Gelenk sei äußerste Vorsicht geboten; die Injektionen müssten unbedingt steril erfolgen, um bakterielle Infektionen zu vermeiden. In einem späteren Stadium versuche man insbesondere bei jungen Patienten mit Hilfe einer operativen Achskorrektur, der sogenannten Umstellungsosteotomie, die Schmerzsymptomatik zu verbessern und die Versorgung mit einer Prothese hinauszuzögern. Die operative Versteifung von arthrotischen Gelenken in Hüfte und Knie spiele in der modernen operativen Orthopädie indessen keine Rolle mehr. Erst, wenn alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und diese nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt haben, komme eine Versorgung mit einer Endoprothese, einem künstlichen Gelenk, in Betracht. In diesem Zusammenhang wies Hillmeier auf die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten hin, die ihre Patienten in aller Regel gut kennen. Gemeinsam berate man, ob unter Umständen eine wiederholte konservative Therapie einem operativen Eingriff vorgezogen werden sollte.
Zur Wahl der OP-Methode sagte Hillmeier: „Nicht jedes neue Verfahren erweist sich auf lange Sicht als erfolgreich. Man sollte nicht jedem Trend hinterherjagen. Wichtig ist vor allem, dass der Operateur umfangreiche Erfahrungen bei der Anwendung seiner Methode hat.“ Im Limburger St. Vincenz-Krankenhaus werden jährlich rund 400 Endoprothesen von erfahrenen Experten eingesetzt. Die Kunstgelenke könnten zementiert oder zementfrei implantiert werden, wobei man vor allem in der Hüft-Endoprothetik inzwischen vorwiegend zementfrei operiere. Ausführlich ging der Orthopäde auf verschiedene Formen von Endoprothesen ein, schilderte Vor- und Nachteile, erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Modelle wie Kurz- Mittel- und Langschaftprothesen sowie Oberflächenersatz mit Metall-Großkopf im Bereich des Hüftgelenks. Im St. Vincenz-Krankenhaus setze man auf bewährte Prothesenmodelle, bei denen langjährige Studien mit positiven Erfahrungen vorliegen. Anhand von zahlreichen Abbildungen schilderte er, wie bei einer solchen OP vorgegangen wird. Mit der minimalinvasiven Chirurgie gelinge es, bei einem kleinen Hautschnitt die Muskel- und Weichteile zu schonen und knochensparend zu operieren. Das Verfahren sei nicht nur aus kosmetischen Gründen vorteilhaft. Der Hautschnitt am Hüftgelenk sei nur etwa zehn Zentimeter lang. Postoperativ würden dadurch weniger Schmerzen auftreten, und der Patient sei schnell wieder auf den Beinen. Im Durchschnitt blieben die Patienten in Limburg nur sieben Tage nach der Operation im Krankenhaus.
Auch am Knie operiere man minimalinvasiv. „Das Knie ist allerdings ein wesentlich komplexeres Gelenk“, so Hillmeier. Deshalb sei dieser Eingriff auch komplizierter als am Hüftgelenk. Anschaulich erklärte er verschiedene Operationsverfahren und –techniken am Knie, darunter Oberflächenersatz und Schlittenprothese mit beweglichem Meniskus. Der minimalinvasive Schlitten sei jedoch nur für etwa zehn Prozent der Patienten geeignet. „Die minimalinvasive OP-Technik beim Einbau einer Knieprothese ist schwierig“, so der Mediziner, „aber der Einsatz rentiert sich.“
Im Rahmen seines Vortrags stellte Hillmeier Joint Care, ein hochinnovatives OP-Programm, vor, das er selbst am St. Vincenz etabliert hat. Limburg war damit das zweite Krankenhaus in Deutschland, das dieses Verfahren eingeführt hat. Es umfasst eine minimalinvasive OP-Technik, ein standardisiertes Schmerzmanagement und ein krankengymnastisches Gruppenprogramm, das bereits am OP-Tag startet. Dabei machen sich die Patienten zunächst in einem kleinen Einführungskurs mit dem Verfahren und den Räumlichkeiten vertraut. Zentrale Lokalität ist das so genannte Wohnzimmer, in dem vier bis sechs Patienten in der Gruppe unter Anleitung eines Krankengymnasten üben. „Das gemeinschaftliche Training in der Gruppe wirkt außerordentlich motivierend und trägt zu einer schnellen Mobilisierung bei“, versicherte Hillmeier. Ansonsten genießen diese Patienten den Komfort eines Zweibettzimmers, wohin sie sich jederzeit auch zurückziehen können. Nach nur sieben Tagen werden sie in die Reha entlassen. Insbesondere in den ersten drei Monaten nach der OP profitierten die Patienten, die an diesem Programm teilnehmen, da sie im Vergleich zur herkömmlichen Methode deutlich weniger Schmerzen haben und schneller mobil sind.
Mittwochs bietet PD Dr. Joachim Hillmeier ab 13 Uhr eine spezielle Endoprothesensprechstunde an. Vorherige Terminabsprache unter: 06431.292-44 21.