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Ab 50 steigt die Gefahr im Bauch

Es tut nicht weh und man kann es nicht sehen. Doch wenn sich die im Normalfall nur daumendicke Hauptschlagader im Bauch zu einem Sack erweitert – der Fachmann spricht hier von einem Bauchaortenaneurysma – kann es schnell ernst werden. Ab einem Durchmesser von 5 Zentimeter steigt das Risiko, dass dieses Aneurysma plötzlich reißt. Ein Notfall, den 8 von 10 Patienten nicht überleben.

Dr. Patricia Schaub ist Chefärztin der Gefäßchirurgie am Limburger St. Vincenz-Krankenhaus

Kaum ein Stuhl blieb leer beim Vortrag über das Bauchaortenaneurysma im Weilburger Hotel Lahnschleife.

Unter dem ständigen Einfluss des Blutdrucks beginnt sich ab einem Lebensalter von 50 Jahren vor allem bei Männern die Bauchaorta zu weiten. Frauen sind seltener betroffen. Neben Alter und Geschlecht sind das Rauchen und sogar das Ex-Rauchen ein hoher Risikofaktor, ebenso eine Herzerkrankung oder zu hohe Blutfettwerte. „Auch die familiäre Belastung spielt eine immense Rolle“, erklärte Dr. Patricia Schaub bei ihrem Vortrag in Weilburg.

Bei der Bauchschlagader spricht man ab einem Durchmesser von 3 Zentimeter von einem Aneurysma. Ab 5 Zentimeter kommt eine Operation infrage, bei der der erkrankte Gefäßabschnitt durch eine Prothese ersetzt wird „Das macht man, sobald das Operationsrisiko kleiner ist, als der natürliche Verlauf dieser Aussackung“, so die Expertin. Neben der konventionellen offenen Bauch-OP, die oftmals über mehr als vier Stunden geht und mit einem hohen Anästhesierisiko sowie großer Belastung für das Herz verbunden ist, gibt es auch die endovasculäre Vorgehensweise. Dabei wird die Gefäßprothese durch die Leistenarterie eingeführt. „Dieser schonende Eingriff belastet den Kreislauf deutlich weniger und lässt sich auch bei sonst inoperablen Patienten durchführen“, betont Dr. Patricia Schaub, die Chefärztin der Gefäßchirurgie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg.

Anhand eines kleinen Films zeigte sie, wie dieses Verfahren funktioniert: Über einen miminalen Schnitt in der Leiste wird ein Katheter in die Oberschenkelarterie eingeführt und bis zu dem Aneurysma vorgeschoben, um dort die Prothese zu platzieren. Die Stent-Prothese besteht aus einem ummantelten Drahtgeflecht, das sich in der Aorta entfaltet und sich über- und unterhalb der Aussackung in der Gefäßwand festsetzt. Wie durch einen Tunnel fließt das Blut anschließend durch diese Prothese.

„Die eigentliche Arbeit wird vor der OP geleistet“, erklärt die Chefärztin. Viele Parameter müssten exakt ausgemessen werden, um die genau passende Prothese auszuwählen und zu bestellen. Doch inklusive der Vorbereitung kann der Patient bereits nach 5 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.

Allerdings ist dann eine regelmäßige Nachkontrolle nötig, üblicherweise per CT, wobei die Strahlenbelastung nicht zu unterschätzen sei. Eine neue Untersuchungsmethode mit  kontrastverstärktem Ultraschall berge da weniger Gefahren.

Seit kurzem übernehmen Krankenkassen bei der Risikogruppe das Screening, um Veränderungen der Hauptschlagader früh zu erkennen. „Einem von 350 untersuchten Männern im Alter zwischen 65 und 80 Jahren rettet die vorsorgliche Ultraschall-Untersuchung das Leben“, weiß Dr. Schaub.

Wie verhalte ich mich denn, wenn bei mir ein Aneurysma festgestellt wurde, wollte eine Zuhörerin nach dem Vortrag wissen. „Halten Sie die Risikofaktoren im Blick“, riet die Fachärztin. „Nehmen Sie regelmäßig Cholesterinsenker und vermeiden Sie körperliche Belastung, die den Blutdruck in die Höhe treibt.“. Allerdings sei es falsch, ganz auf Sport zu verzichten.

Statine hätten nicht nur Auswirkung auf das Cholesterin, sondern stabilisieren auch die Gefäßwände, erklärte sie auf die Frage, warum diese Medikamente auch vorsorglich genommen werden sollten.

„Kann es schädlich sein, wenn ich als Training dreimal wöchentlich mehrfach die Treppen auf und ab laufe?“, wollte ein Herr wissen, bei dem bereits ein Aneurysma diagnostiziert wurde. Eine solch moderate Belastung sei durchaus ok, befand die Ärztin, schließlich könne man sich ja nicht ganz zurücknehmen, ohne sehr schnell körperlich komplett abzubauen.

Ob sich die Stent-OP auch bei Patienten mit vorgeschädigten Nieren eigne, war eine weitere Publikumsfrage. Hier sei das Kostrastmittel problematisch, erklärte die Ärztin. Allerdings könne man statt der traditionell verwendeten Kontrastmittel auch CO2 einsetzten.

Woran ein Notfall zu erkennen sei, wurde ebenfalls gefragt. Der Patient bekomme ganz plötzlich enorme Bauch- und Rückenschmerzen. Ein Notarzt würde die Symptome in der Regel richtig deuten.

„Das war sehr aufschlussreich und hochinteressant“, urteilte ein Ehepaar aus Weilmünster. Bei beiden ist bereits ein Aneurysma festgestellt worden und sie interessierten sich vor allem für die Operationsmethoden.  Für eine 66-jährige Hirschbacherin ging es darum, bei der anstehenden Vorsorgeuntersuchung die richtigen Fragen stellen zu können. Eine betroffene 77-jährige aus Weilburg fand es beruhigend, nun zu wissen, wo sie für eine OP hingehen könne, falls ihre beiden Aneurysmen eine kritische Größe erreichen.