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Ärztliche Leitung
Dr. Gundi Heuschen
Telefon: 06431.292.7403
Telefax: 06431.292.7722
E-Mail: g.heuschen(at)st-vincenz(dot)de
E-Mail: hygiene(at)st-vincenz(dot)de

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Hygiene im Krankenhaus

Die Krankenhaushygiene ist zentraler Bestandteil des Qualitätskonzepts am St. Vincenz-Krankenhaus. Den Kampf gegen multiresistente Erreger im Krankenhaus sieht das Haus als besondere Herausforderung an - ihr begegnet die Klinik schon lange proaktiv mit einem konsequenten und strukturierten Hygienemanagement und einer personell stark aufgestellten Stabsstelle für Krankenhaushygiene.

Team

Die Stabsstelle Krankenhaushygiene steht unter der Leitung von Frau Dr. Gundi Heuschen. Seit Jahren besteht bereits eine enge Kooperation mit dem Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg, welches mit einer Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin vor Ort in Limburg vertreten ist. Der Abteilung für Krankenhaushygiene gehören zusätzlich drei ausgebildete Hygienefachkräfte an.

Dieses eigens für die Hygiene zuständige Expertenteam wird in seiner tagtäglichen Arbeit durch mindestens einen geschulten, hygienebeauftragten Arzt pro medizinischer Fachabteilung und durch weitere 45 geschulte Mitarbeiter in der Pflege und in den verschiedenen Funktionsabteilungen, die sich um alle hygiene-relevanten Fragen und Aspekte kümmern. Diese Mitarbeiter sind verpflichtet, jährlich im regelmäßigen Abstand von drei Monaten Hygienefortbildungen vorzuweisen, werden konsequent regelmäßig geschult und über aktuelle Hygiene-Risiken informiert. Sie fungieren wiederum als Multiplikatoren für ihre jeweiligen Bereiche und Abteilungen. Neben den Pflichtfortbildungen zum Thema Hygiene werden den Mitarbeitern noch zusätzliche Fortbildungen angeboten.

Allgemeine Informationen zur Krankenhaushygiene - konkrete Maßnahmen

Vor dem Hintergrund weltweit steigender Infektionsraten bei gleichzeitiger Zunahme der Resistenzen gegen Antibiotika und fehlender Entwicklung von neuen Antibiotika ist es besonders wichtig, unsere Patienten und unsere Mitarbeiter effektiv vor einer Infektion zu schützen und das Risiko einer Infektion zu minimieren.

Die Krankenhaus-Hygiene hat zum Ziel, Patienten mit einer Besiedelung frühzeitig zu detektieren, um sie im Umfeld der Klinik unter strengen Hygienemaßnahmen zu isolieren und nach Möglichkeit auch zu sanieren. Hierdurch kann effektiv eine Übertragung auf andere Mitpatienten und das Personal vermieden werden.

Um dies zu erreichen führt die Krankenhaushygiene eine Reihe von Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Krankenversorgung durch. So werden beispielsweise krankenhaushygienische Begehungen und Beratungen auf der Grundlage der KRINKO (Kommission für Krankenhaus-Hygiene und Infektionsprävention, angesiedelt beim Robert Koch-Institut in Berlin) durchgeführt. Diese Maßnahmen ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung der Einhaltung der Hygienestandards in allen Abteilungen des gesamten Krankenhauses. Im Falle von Abweichungen werden geeignete Maßnahmen ergriffen, um mögliche Defizite zeitnah auszugleichen. Hierzu erfolgen Berufsgruppen übergreifende, zielgerichtete Schulungen und Besprechungen mit den Mitarbeitern.

Darüber hinaus umfasst das Hygienemanagement am St. Vincenz ein weites Aufgabenspektrum. Das Hygiene-Team hält interne und externe Hygiene-Schulungen, führt Aufklärungen von Mitarbeitern und Patienten durch, entwickelt Präventionsstrategien, steuert fortlaufende Überwachungsuntersuchungen, kontrolliert den Einsatz von Antibiotika, analysiert, dokumentiert und kontrolliert auftretende Resistenzen von Bakterien gegen bestimmte Antibiotika und entwickelt Strategien zur Vermeidung einer Resistenzentwicklung. Darüber hinaus ist eine Eingangsscreening auf MRE etabliert (s.eigenes Kapitel). Regelmäßig finden Hygieneaudits (Begehungen intern und extern) in allen Bereichen des Krankenhauses statt. Auch Bau- und Umbaumaßnahmen werden vom Hygieneteam begleitet.

Seit Jahren erfolgt eine systematische Erfassung, Analyse und Bewertung von Keimen, nosokomialen Kolonisationen und Infektionen entsprechend dem Infektionsschutzgesetz. Auf Kreisbasis findet eine enge Kooperation mit dem örtlichen Gesundheitsamt statt. Die Daten werden in anonymisierter Form an das Nationale Referenzzentrum (NRZ) in Berlin gemeldet und fließen in ein bundesweites Benchmarking ein. Hierdurch sind ein kontinuierlicher Vergleich der erfolgreich durchgeführten eigenen Hygienemaßnahmen und deren Ergebnisse mit anderen Krankenhäusern mit ähnlichem Patientenaufkommen und Erkrankungen sowie eine Positionsbestimmung der Klinik möglich.

Regelmäßig werden am St. Vincenz-Krankenhaus die Ergebnisse hinsichtlich der Rate an Wundinfektionen bei häufig durchgeführten Standardoperationen erfasst. Diese Daten werden an das Nationale Referenzzentrum in Berlin gemeldet und fließen in einen bundesweiten Vergleich ein. In der Abteilung für Unfallchirurgie und der Abteilung für Viszeralchirurgie konnten für das Jahr 2014 hervorragende Ergebnisse gemeldet werden: es waren keine Wundinfekte bei den Indikator-Operationen zu verzeichnen.Das Aufkommen von multiresistenten Erregern in einem Krankenhaus hängt stark von dem Erkrankungsspektrum der Patienten ab. Als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung werden in Limburg alle Patienten medizinisch versorgt, ungeachtet der aufwendigeren Versorgung und der hierdurch verursachten erhöhten Kosten in der Patientenversorgung. Insbesondere Patienten mit Antibiotikabehandlungen im vorangegangenen Monat, Patienten, welche mit Aufenthalten in südlichen und asiatischen Ländern, Patienten mit einem Krankenhaus-Aufenthalt im letzten Jahr, mit chronischen Wunden oder mit Kontakt zur Viehzucht besitzen ein deutlich erhöhtes Risiko, mit einem multiresistenten Keim besiedelt zu sein oder sogar an ihm zu erkranken.

Auch durch Sauberkeit von Wasser und Luft werden multiresistente Krankenhauskeime frühzeitig bekämpft. Sämtliche Einrichtungen, in denen sich Patienten aufhalten, werden nach einem festen Schema überprüft. Ein Herzstück der Hygiene ist die Zentralsterilisation. Hier werden alle Instrumente durch eine desinfizierende Wäsche bei 134 Grad Celsius sterilisiert. Das Qualitätsmanagement überwacht die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften regelmäßig und sorgt für die regelmäßige Kontrolle der Klimaanlagen in den OPs wie aller  wasserführenden Teile. Dies schafft hygienisch einwandfreie Bedingungen für Diagnostik und Therapie.

Systematisches Eingangs-Screening

Ziel der Krankenhaushygiene ist es, eine Keimbesiedelung mit problematischen, multiresistenten Keimen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu detektieren. Nur so können sofortige gezielte Schutzvorkehrungen im Krankenhaus getroffen werden und eine unbemerkte Weitergabe des problematischen Erregers vermieden werden.

Patienten, welche zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme Risikofaktoren für eine mögliche (unbemerkte) Besiedelung mit problematischen Erregern aufweisen, werden einem systematischen Eingangs-Screening bei der Aufnahmeuntersuchung unterzogen. Als Risikopatienten gelten:

  • Patienten mit bekanntem MRSA und deren Kontaktpersonen (Angehörige)
  • Aufnahmen aus Regionen bzw. Einrichtungen mit bekannter MRSA-Prävalenz
  • Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, Kathetern, Dialysepflicht, chronischen Wunden, Hautulcera und Brandverletzungen
  • Mitarbeiter aus landwirtschaftlichen Mastbetrieben und Veterinärmediziner.

Ziel dieser Untersuchungen ist es, klinisch unauffällige Patienten mit multiresistenten Erregern frühzeitig erkennen und isolieren zu können, um eine Verbreitung und Übertragung der Erreger innerhalb des Krankenhauses sicher zu vermeiden. Im St. Vincenz-Krankenhaus ist ein PCR-Schnelltest jederzeit möglich, so dass innerhalb einer Stunde das Ergebnis vorliegt.

Bei einem Anfangsverdacht kann der Patient, noch bevor er im Krankenhaus aufgenommen wird, isoliert untergebracht werden, in diesem Fall werden strenge Hygienemaßnahmen werden ergriffen. Das Ergebnis eines zweiten Tests zur Befundbestätigung liegt nach zwei bis drei Tagen vor. Wird der Anfangsverdacht nicht bestätigt, kann die Isolierungsmaßnahme aufgehoben werden. Im Falle einer Bestätigung des Anfangsverdachtes wird versucht, den problematischen Keim nach Möglichkeit zu behandeln.

Hygiene-Anweisungen + Händesdesinfektion

Jeder Mitarbeiter wird nachhaltig für die Einhaltung der Hygienestandards und Vorgaben zur Arbeitssicherheit sensibilisiert. Die Anweisungen zur Hygiene basieren auf klaren Vorgaben durch das Infektionsschutzgesetz und durch die Richtlinien für Krankenhaushygiene des Robert-Koch-Instituts. Besonders wichtig ist uns die regelmäßige Schulung der Mitarbeiter sowie die kontinuierliche Kontrolle und Überwachung der Hygienemaßnahmen. Elementare Arbeitsanweisungen zur Hygiene sind u.a.:

  • Vorgaben zur persönlichen Schutzausrüstung
  • die Verwendung von Sicherheitskanülen
  • das Verbot von Fingerschmuck und Uhren
  • die dringende  Empfehlung zur Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt
  • Händedesinfektion nach dem Ausziehen von Schutzhandschuhen (denn selbst Schutzhandschuhe sind kein 100-prozentiger Schutz gegen alle Arten von Mikroorganismen).

Händehygiene ist die einfachste und effektivste Maßnahme, um Infektionen vorzubeugen. Deshalb zählt die Beteiligung an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“ am St. Vincenz schon lange zum Pflichtprogramm. Der Hände-Desinfektionsmittelverbrauch dient als guter Marker für das hygienische Bewusstsein und den Hygienestandard. Anhand des Verbrauchs lässt sich klar ermessen, wie konsequent die Händedesinfektion praktiziert wird: 29 ml Händedesinfektionsmittel pro Patient und pro Tag werden auf den Stationen verbraucht, auf den Intensivstationen sind es sogar 114 ml pro Patient und Tag. Diese Werte liegen deutlich über dem  Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass der Verbrauch und damit auch die Akzeptanz der Vorschrift jährlich steigen.

Antibiotika-Management

Bereits seit Jahren wird ein striktes Antibiotika-Management praktiziert, welches sowohl das eingesetzte Arznei-Spektrum, als auch die Einsatzdauer der Medikamente kontinuierlich reduzieren soll. Antibiotika, bei denen eine zunehmende Resistenz erwartet wird, werden bei bestimmten Erregern gar nicht erst eingesetzt.

Hintergrund: Multiresistente Keime und Gram-Negative Erreger

Die Besiedelung mit multiresist0enten Erregern erfolgt in der Regel außerhalb des Krankenhauses. Schon die Zubereitung von Geflügel aus Massentierhaltung in der heimischen Küche stellt eine signifikante Gefahr dar, mit multiresistenten Erregern in direkten Kontakt zu kommen. Die Aufgabe der Krankenhaus-Hygiene ist es, durch geeignete Screening-Maßnahmen eine Besiedelung oder auch Infektion mit multiresistenten Erregern zu detektieren und sie dann gezielt isolieren zu können. Auf diese Weise lässt sich die Gefahr einer Übertragung problematischer Keime effektiv minimieren.

MRSA:

Die Absolutzahlen eines MRSA-Nachweises sagen nichts aus über die Infektionsgefahr in einem Krankenhaus. Sie sind vielmehr ein Zeichen für die Vigilanz des hygienisch-versierten Personals, welches das Ziel verfolgt möglichst viele (bis dahin nicht bekannte) Keimträger zu identifizieren, um konsekutiv andere Mitpatienten und das Personal vor einer Übertragung zu schützten. So gesehen ist es ein gutes Zeichen, wenn zum Aufnahmezeitpunkt möglichst viele Keimträger identifiziert werden oder auch schon bekannt sind. Genauso wie im Limburger St. Vincenz-Krankenhaus ist auch deutschlandweit ein langfristiger Abfall der MRSA Fälle zu verzeichnen (den aktuellen Datenstand finden Sie in der Datei im Download).  

MRGN (Multi-Resistente, Gram-Negative Stäbchen):

Andere Bakterien, die seit wenigen Jahren nach ihrer Eigenschaft der erworbenen Resistenzen gegen eine oder mehrere der vier wichtigsten Antibiotikagruppen eingruppiert werden, verursachen weltweit zunehmend Probleme. Physiologisch leben diese Bakterien überwiegend im Darmtrakt und haben in den letzten Jahren weltweit, v. a. wegen eines unkritischen Antibiotika-Einsatzes verschiedene Resistenzeigenschaften entwickelt.

Gramnegative Stäbchen gehören zur normalen Darmflora. Probleme bereiten die Bakterien insbesondere, wenn sie gegen drei oder sogar vier der klinischerseits verwendeten Antibiotikaklassen resistent sind. Im Falle einer Infektion kann dann die Antibiotikatherapie schwierig werden.

Insbesondere Patienten mit einer Darmerkrankung werden gezielt auf das Vorliegen einer 3 oder 4 MRGN Besiedelung untersucht. Ein positiver Nachweis von 3 oder 4 MRGN darf aber nicht gleichgesetzt werden mit einer manifesten Infektion. Krankenhaus oder Rehaklinik mit einem anderen Behandlungsschwerpunkt werden unter Umständen nicht gezielt auf MRGN screenen, sondern erst bei Infektionen eine bakteriologische Untersuchung veranlassen, die dann möglicherweise auch den Nachweis eines MRGN-Erregers erbringt.

Die Limburger Zahlen verzeichnen, vergleichbar zu den bundesweiten Daten, einen langsamen, kontinuierlichen Anstieg der Nachweise von 3 MRGN, jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der 4 MRGN um 25 Prozent (s. Download).