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Folgenschwere Sparpolitik:
"Die medizinische Versorgung der Diabetiker wird zusammenbrechen"

Experten appellieren an die Politik: Geplante Änderung der Vergütungsstruktur muss korrigiert werden

Medizinische Experten befürchten den Zusammenbruch der fachgerechten Versorgung für die sechs bis acht Millionen Diabetiker in Deutschland. Massive Kritik üben die Hessische Fachvereinigung für Diabetes (HFD), der Berufsverband der Diabetologen Deutschlands (BDD) sowie weitere Fachverbände an der geplanten Änderung der Vergütung für niedergelassene Diabetologische Schwerpunktpraxen: "Die spezialisierte diabetologische Betreuung in Deutschland wird geopfert, die Versorgung der Menschen mit Diabetes in Deutschland wird sich gravierend verschlechtern", heißt es in einem heute, 14. Dezember 2007, veröffentlichten offenen Brief des Berufsverbandes an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die Kassenärztliche Vereinigung sowie die Spitzenverbände der Krankenkassen. Im Vorfeld der finalen Vertragsverhandlungen am kommenden Dienstag protestieren auch die in bundesdeutschen Kliniken tätigen Diabetologen protestieren gegen die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geplante Änderung der Vergütungsstruktur, den sog. EBM 2008.

Privatdozent Dr. Erhard G. Siegel, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Limburger St. Vincenz-Krankenhauses, Mitglied im Bundesvorstand sowie der Hessischen Fachvereinigung Diabetes wertet die geplante Änderung als Missachtung erfolgreicher Zusammenarbeit im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes: "Der neue finanzielle Bewertungsmaßstab ist eine folgenschwere Fehlbewertung, die dringend der Korrektur bedarf". Ab Januar sieht die neue Vergütungsstruktur für die Leistungen der diabetologischen Schwerpunktpraxen nur noch die Hälfte der hausärztlichen Basivergütung vor. Experten befürchten daher, dass diese Fachpraxen verstärkt Insolvenz beantragen oder qualifizierte Fachkräfte entlassen müssten und damit die Arbeit für die diabetischen Patienten einstellten.

Chefarzt PD Dr. Siegel: "Die Versorgung der deutschen Diabetiker muß weiter gewährleistet bleiben." In den letzten Jahren habe sich die medizinische Betreuung der Diabetiker über die Disease Management Programme (DMP`s) durchaus verbessert. Jetzt drohten diese gut organisierten Strukturen zusammenzubrechen. PD Dr. Siegel befürchtet, dass diabetologische Schwerpunktpraxen zunehmend Insolvenz beantragen müssen: "Mit dieser finanziellen Ausstattung können diese Praxen nicht mehr arbeiten." Dabei seien auch die Kliniker in der Versorgung dieses sich fast epidemisch ausbreitenden Krankheitsbildes existentiell auf die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Diabetikern angewiesen: "Unsere Kliniken mit ihren spezialisierten diabetologischen Abteilungen werden die Arbeit der Schwerpunktpraxen auch nicht annähernd auffangen können." Der Limburger Chefarzt befürchtet einen Versorgungsengpass, der sich definitiv nicht auffangen lasse. Demgegenüber sei bekannt, dass die Zahl der Diabetiker nach wie vor weiter steigen wird: Allein in Deutschland schätzen Experten zwei Millionen lediglich noch nicht entdeckte Diabeteskranke. In Hessen gibt es derzeit 500.000 Diabeteskranke, im Landkreis Limburg-Weilburg sind es 15.000.

Chefarzt PD Dr. Siegel: "Wir fordern alle beteiligten Gremien auf, zeitnah den Anträgen des Bundesverbandes der niedergelassenen Diabetologen Deutschlands zu folgen, um die Versorgung der deutschen Diabetiker weiter zu gewährleisten." Diabetologische Schwerpunktpraxen übernähmen mit viel aufwendig qualifiziertem Personal (Diabetesassistenten, Diabetesberaterinnen, Trainingsleitern) eine qualitätsgesicherte differenzierte Therapie, Schulung und Betreuung der Diabetiker. Ziel dieser Arbeit sei es, Patienten eigenverantwortlich mit ihrer Erkrankung umgehen zu lassen und den Diabetes optimal zu behandeln, um die schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen und Blindheit zu vermeiden. Ein Engagement, das nach Ansicht Siegels durchaus im Interesse der Kassen liegen müsse. Diese gut organisierten Strukturen für die Patienten, die vom Hausarzt in die diabetologische Schwerpunktpraxis und von dort - weitaus seltener als früher - in die spezialisierten diabetologischen Kliniken überwiesen wurden, hätten sich für alle Beteiligten bewährt.