Offenes Diskussionsforum mit Politikern und Patienten im St. Vincenz:
„Wir brauchen Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit, keine Planwirtschaft“
„Jeder Euro im Gesundheitssystem ist ein Euro, der Arbeit schafft!“
Den Krankenhäusern ist es ernst: Auch wenn die Bundesregierung in ihrem Referentenentwurf zur Gesundheitsreform gewisse Zugeständnisse gemacht hat – die Krankenhausmitarbeiter, ganz gleich welcher Berufsgruppe, wollen sich nicht mehr mit Halbherzigkeiten abspeisen lassen. Zu lange haben sich durch jahrelangen Sparzwang, Deckelung und Budgetierung Frust und Unzufriedenheit aufgebaut. Auch nach der in der Geschichte des Gesundheitswesens bespiellosen Protestdemonstration in Berlin pochen die Kliniken nach wie vor in regionalen Initiativaktionen darauf, dass die bereits versprochenen Hilfen auch im Gesetz verankert, bzw. noch erweitert und nachgebessert werden. Klaus-Werner Szesik, Geschäftsführer der Limburger Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH, hatte Politiker, Patienten und interessierte Bürger zum offenen Diskussionsforum in das St. Vincenz-Krankenhaus geladen, um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen: „Wir wollen unseren Versorgungsauftrag sachgerecht erfüllen. Dafür brauchen wir hochqualifizierte Kräfte in Medizin und Pflege und das kostet nun mal Geld.“
Protestaktion, damit die Krankenhausfinanzierung und damit auch medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht vollends ins „Stolpern“ gerät – hier im Bild der stellvertretende Ärztliche Direktor des St. Vincenz, Dr. Christoph Oberwittler, im Gespräch mit CDU-MdB Holger Haibach.
Vor dem designierten SPD-Landtagskandidaten Peter Rompf und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Holger Haibach fand Szesik unmissverständliche Worte: „Wir müssen uns seit Jahren mit Marktbedingungen herumschlagen, die zwischen Planwirtschaft und Bürokratie pendeln.“ Eine Problematik, die vom allgegenwärtigen Thema Finanzkrise zu Unrecht völlig überlagert werde: „Krankenhäuser wird es noch in 50 Jahren geben. Ob es dann die ein oder andere Bank noch geben wird, steht dahin…“, mahnte Szesik. Die Produktivität pro Vollkraft sei im deutschen Gesundheitswesen weltweit führend. Im Interesse der Patienten forderte er eine Politik der Nachhaltigkeit für das Gesundheitswesen: „Wir brauchen Verlässlichkeit und Angemessenheit in der Finanzierung unserer Krankenhäuser. Wir brauchen Planungssicherheit und Entscheidungsfreiheit!“ Es gehe nicht an, dass die politischen Beschlüsse nun langwierigen Verhandlungsprozessen mit den Krankenkassen überlassen würden: „Auch wenn die Schlagzeilen etwas Anderes vermitteln: Es gibt nicht nur die Automobilwirtschaft“.
Zur Zeit ein besonderer Experte für Diskussionen im Gesundheitswesen: Der designierte SPD-Landtagsabgeordnete Peter Rompf, derzeit Patient des St. Vincenz-Krankenhauses.
Der stellvertretende Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Christoph Oberwittler, zeigte aus Sicht der Mediziner auf, warum es in der Krankenhausfinanzierung nicht mehr so weitergehen kann wie bisher: „Die Alterspyramide hat auch den Landkreis Limburg-Weilburg erreicht.“ Mit anderen Worten: Die Patienten haben immer differenziertere und komplex zu behandelnde Krankheitsbilder. Dies erfordere zudem stetige Weiterentwicklung und Orientierung an den neuesten Standards der Medizin: „Mit dem derzeitigen verschärften Kostendruck lässt sich solches Niveau auf Dauer nicht finanzieren.“ Irgendwann lasse sich der medizinische Fortschritt mit Synergieeffekten allein nicht mehr auffangen. Die Möglichkeiten der Rationierung seien längst ausgeschöpft, konstatierte Oberwittler u.a. unter Hinweis auf die Beschleunigung der Abläufe und die Verkürzung der Liegezeiten der Patienten. Jetzt müssten ganz einfach mehr Ressourcen zur Absicherung qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung der Bevölkerung geschaffen werden.
„Wenn ein LKW einen Platten hat, sagt die Firma auch nicht, wir haben kein Geld für einen neuen Reifen, er soll jetzt mal stehen bleiben….“ – Freya Hertling, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft sorgte für plastische Beispiele.
Dies bestätigte auch Pflegedirektor Helmut Petri für den pflegerischen Bereich. Zur Zeit seien auf den Stationen des St. Vincenz noch 98 Prozent examinierte Pflegekräfte tätig: „Das ist ganz einfach unser Qualitätsanspruch. Und da wollen wir auch keine Minderung hinnehmen.“ Auf Dauer sei jedoch die Belastung für das Pflegepersonal so nicht mehr aufzuhalten. Dies bekräftigte auf besonders anschauliche Weise auch Freya Hertling, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft: „Wenn beispielsweise zwei Krankenschwestern und mit viel Glück noch eine Schülerin genau eine halbe Stunde Zeit haben, um 38 pflegebedürftigen, davon evt. noch 17 voll pflegebedürftigen Menschen das Essen auszuteilen und anzureichen, dann reicht das kleine Ein-Mal-Eins um festzustellen, dass dies einfach unmöglich ist!“ Wenn ein LKW einen Platten habe, dann könnten die Betreiber des Fuhrunternehmens auch nicht sagen: wir haben kein Geld für einen neuen Reifen, der Wagen bleibt halt stehen…
Arbeiten beim Protest zur Krankenhausfinanzierung Hand in Hand: Geschäftsführung und Betriebsrat der Krankenhausgesellschaft…
Beide im St. Vincenz vertretenen Politiker, Holger Haibach wie Peter Rompf, bestätigten, dass die Botschaft angekommen sei. Patentrezepte hatte keiner von beiden in der Tasche, doch wenn man wohnortnahe Qalitätsmedizin für die Bürger der Region wünsche, müsse man wohl oder übel über mehr Geld im System reden, räumte Holger Haibach ein. Der frisch designierte SPD-Landtagskandidat Peter Rompf konnte die Lage aus eigener Anschauung beurteilen: Selbst stationär im Krankenhaus machte er sich für eine „vernünftige Durchfinanzierung des Systems“ stark, wobei die Landespolitiker sich für die Finanzierung der Investitionen und die Bundespolitiker für die Abschaffung des Budgetdeckels stark zu machen hätten. Eine Sicherung der Krankenhausfinanzierung bedeute gleichzeitig auch Sicherung von Beschäftigung: „Jeder Euro im Gesundheitssystem ist gut angelegt, weil er Arbeit schafft!“
Nachdenkliche Mienen beim offenen Diskussionsforum der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH, zu dem Geschäftsführer Klaus-Werner Szesik Politiker aus Bund und Land sowie lokale Mandatsträger eingeladen hatte.
Krankenhausgeschäftsführer Szesik hatte eine interessante Rechnung in diesem Kontext parat: Wenn jeder Beitragszahler fünf Euro mehr zahlt, bewirkt dies 30- bis 40.000 neue Arbeitsplätze und das Gesundheitssystem könnte sich selbst tragen. „Wir sind wirtschaftlich Weltspitze, wir sind medizinisch Weltspitze – warum machen wir nicht auch aus unserem Gesundheitssystem eine Erfolgsgeschichte?“, fragte Szesik.
Das Resümee der Krankenhausvertreter war eindeutig:



