"Ohne Kurskorrektur der Politik bleibt die Zuwendung auf der Strecke"
Geschäftsführer charakterisiert die Krankenhausgesellschaft in schwieriger Reform-Landschaft: Konzentriert, kraftvoll und sehr konstruktiv
Der Verteilungskampf um die immer knapper werdenden Ressourcen des bundesdeutschen Gesundheitswesens ist in vollem Gange, Experten rechnen im Zuge der Tarifvereinbarungen für 2008 mit einer weiteren gravierenden Verschärfung. Vor diesem Hintergrund hat der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH, Klaus-Werner Szesik, an alle Landtags- und Bundestagsabgeordneten des Landkreises Limburg-Weilburg appelliert, die durch DRG`s und Gesundheitsreform festgeschriebenen Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen. Szesik: "Während öffentliche Haushalte durch höhere Steuereinnahmen von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren, leiden Krankenhäuser und ihre Beschäftigten ebenso wie die niedergelassene Ärzteschaft nach wie vor unter dem Diktat der Beitragsstabilität," moniert Szesik. Eine verlässliche und leistungsgerechte Finanzierung der stationären Versorgung zu fordern liege vor allem im Interesse der Patienten, betonte der Krankenhausgeschäftsführer. Bei einem Pressegespräch aus diesem Anlass wandte sich Szesik ausdrücklich gegen ein Auseinanderfallen des Tarifgefüges für die Berufsgruppen im Gesundheitswesen: "Diese Entwicklung trägt keineswegs zu einer Befriedung bei - weder gesellschafts-, noch gesundheitspolitisch." Wenn in diesem Bereich Partikularinteressen zufriedengestellt werden, geht dies u. U. zu Lasten anderer Berufsgruppen.
Vor dem Hintergrund des besonderen Charakters des "Dienstleisters Krankenhaus" bricht Szesik vor allem auch eine Lanze für seine Angestellten: "Wer sich kranker Menschen annimmt, hat einen hohen ethischen Anspruch an seine Arbeit," stellt Klaus-Werner Szesik fest. Gerade die Krankenhäuser seien personalintensive Dienstleistungsunternehmen mit einem hohen sozialen Auftrag. Neben dem Handwerk und der Technik spiele gerade die menschliche Zuwendung eine entscheidende Rolle für die Zufriedenheit sowohl der Patienten, ihrer Angehörigen, als auch der Beschäftigten selbst, die sich als Arzt, Krankenschwester, Physiotherapeut oder MTA um die Patienten kümmerten. "Diese Zuwendung aber wird immer mehr auf der Strecke bleiben müssen, wenn finanzielle Zwänge zu immer stärkeren personellen Einschränkungen zwingen", lautet die Prognose des Geschäftsführers. Deshalb sei es notwendig, dass der Gesetzgeber eine grundlegende Kurskorrektur vornehme: "Die gesundheitspolitische Gesetzgebung verursacht bislang eine indirekte Streichung von Stellen", kritisiert Szesik. "Die in den Tarifverträgen ausgehandelten Ergebnisse müssen verkraftbar werden."
Konkret fordert der Krankenhausgeschäftsführer die Politiker zu drei Schritten auf:
- Abschaffung des völlig unverständlichen und nicht zu rechtfertigenden Sanierungsbeitrags zugunsten der Krankenkassen und zu Lasten der Krankenhäuser,
- Verlängerung der Gültigkeit der versicherungsbezogenen Grundlohnrate im Jahre 2008,
- Bedingungsfreier Ausgleich der durch die Umsetzung der Tarifverträge bedingten Mehrkosten im Personalkostenbereich.
So erhalte die Krankenhausgesellschaft bei einem Jahresbudget von rund 51 Millionen Euro für das Jahr 2007 eine Budgeterhöhung von 0,28 Prozent (ca. 143.000 Euro) zur Finanzierung der allgemeinen Kostensteigerung. Gleichzeitig müsse seit April 2007 jede Rechnung an eine gesetzliche Krankenkasse um 0,5 Prozent gekürzt werden. Dies seien jedoch insgesamt rund 256.000 Euro, so dass faktisch für das Jahr 2007 eine Budgetkürzung vorliege. Zudem müssten noch wesentliche Kostensteigerungen bewältigt werden, wie beispielsweise die Nachwirkung der Tariferhöhung der Ärzte. Außerdem schlügen die Tariferhöhung für alle nicht ärztlichen Beschäftigten, die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die steigenden Energiekosten sowie weitere unabwendbare Kostenerhöhungen zu Buche.
Konzentriert, kraftvoll und konstruktiv
Damit das Krankenhaus nicht selbst zum Patienten werde, habe die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH vorgesorgt. Unter Szesiks nun ein Jahr währender Ägide als Krankenhausgeschäftsführer sei zunächst hausintern ein präzises SWOT-Profil (Stärken / Schwächen / Chancen / Risiken) erstellt worden; diese "Bordmittel-Analyse" werde nunmehr durch die Expertise eines externen Fachunternehmens auf eine objektive Basis gestellt. Die Ergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet, ausgewertet und ggf. auf dem Neujahrsempfang der Krankenhausgesellschaft vorgestellt werden.
Generell lasse sich ohne falsche Bescheidenheit konstatieren, dass die strategische Ausrichtung der Gesellschaft im letzten Jahr sehr konzentriert, sehr kraftvoll und sehr konstruktiv auf eine erfolgreiche Zukunft hin ausgerichtet worden sei. Dies beziehe die Entwicklung in Hadamar ausdrücklich mit ein: "Der Ausbau von St. Anna zu einem ambulanten Gesundheitszentrum im ländlichen Raum ist eine ausgesprochen positive unternehmerische Entscheidung. Die Pfeiler dieses medizinischen Dienstleistungszentrums stehen, der weitere Ausbau ist sogar vertraglich gesichert." Auch die Zusammenarbeit mit den Praxen im Ärztehaus werde derzeit im Blick auf eine weitere Intensivierung strategisch weiterentwickelt.
An der Limburger Betriebsstätte St. Vincenz-Krankenhaus seien gleichfalls richtungweisende Entscheidungen im Blick auf eine zukunftsträchtige Strategie zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang nannte der Geschäftsführer gleich mehrere Bereiche:
- Mit dem Gesundheitszentrum Schafsberg sei die Einbindung privaten Kapitals erfolgreich gelungen. Eine strategische Partnerschaft, die karge Ressourcen ausgleiche und Kompetenzen ergänze: "Eine optimale Abstimmung der Leistungsprofile im Rahmen regionaler Gesundheitsversorgung mit einem deutlich erweiterten Spektrum präventiver und rehabilitativer Angebote in direkter Vernetzung mit dem stationären Bereich."
- Mit dem neuen Chefarzt der Onkologie, PD Dr. Neuhaus, habe man nicht nur einen ausgewiesenen internistisch-onkologischen Fachmann gewonnen, auch die mit seinem Antritt verbundenen Veränderungen in der Abteilung stellten eine deutliche Verbesserung für die Patienten und das Leistungsspektrum der Klinik dar. So ist eine Erweiterung der onkologischen Ambulanz mit wesentlich mehr Therapieplätzen als bisher vorgesehen (von 8 auf 14 !); gleichzeitig sollen die Wartezeiten verkürzt und das Ambiente für dieses schwer kranke Patientenklientel sowohl auf Station, als auch in der Ambulanz freundlicher und sensibler gestaltet werden - "eine längst überfällige Maßnahme", wie Szesik betont. Auch die stationäre Palliativmedizin werde in 2008 unter Neuhaus` Ägide endlich Eingang im St. Vincenz finden. Gleichzeitig sei in Hadamar durch die Arbeiterwohlfahrt die sog. "Palliativ-Care", ein pflegerisches Programm zur Palliativmedizin für die Bewohner der Altenpflegeeinrichtung, vor dem Start.
- Mit der Berufung von Katja Streckbein zur Prokuristin sei die Führungsriege der Krankenhausgesellschaft deutlich gestärkt worden. Gleichzeitig habe man hierdurch dazu beigetragen, dass das Thema Frauen in Führungspositionen auch weiterhin auf dem Weg in die Normalität sei.
- Der Ausbau und die Konsolidierung des Qualitätsmanagements in Verbindung mit der Erarbeitung einheitlicher Standards in der Patientenversorgung sei ein elementarer Meilenstein des Klinikmanagements. Konkretes Beispiel dafür sei beispielsweise die Etablierung sog. "OP-Koordinatoren", die verbindliche Regularien für die OP-Planung erarbeitet hätten. Auch für Notfälle seien nun Zeitfenster im Zentral-OP vorgesehen, der OP wesentlich besser ausgelastet. Dies bedeute nicht nur mehr Wirtschaftlichkeit, sondern durch geringere Wartezeiten auch größere Patientenzufriedenheit.
- Auch die engere Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten, insbesondere den Netzwerken "Piano" und "Oberlahn" wirke einer potentiellen Abwanderung der Patienten in die Großstadtzentren des Rhein-Main Gebiets entgegen. Zudem könne man auch gegenüber den Kostenträgern gemeinsam auftreten, um integrierte Versorgungskonzepte für die Patienten einzufordern: "Wir müssen miteinander, nicht gegeneinander auftreten. Dies wird auf Dauer auch zu einer unbürokratischeren Patientenversorgung führen."
Last but not least nannte der Krankenhausmanager auch einige Projekte im Rahmen der innerbetrieblichen Unternehmenskultur: "Hier ist noch nicht alles so, wie es sein soll, aber auch hier sind wir auf gutem Weg!"



