Willkommen beim St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Zum Seiteninhalt
Alternative Navigation (mit Tabulator und oder Zugriffstasten)

Die Seitennavigation:

 

Pathologie - wichtiger Baustein der Krebsfrüherkennung

Fortbildungsveranstaltung des pathologischen Instituts am St. Vincenz

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 7000 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs. Rechtzeitig erkannt liegen die Heilungschancen bei fast hundert Prozent. Auf einer

Fortbildungsveranstaltung der Überregiona-len Gemeinschaftspraxis für Pathologie und Zytologie am St. Vincenz-Krankenhaus wurden jetzt rund 50 für Zytologieassistentinnen und Ärzten Methoden der Früherkennung vorgestellt.

Abbildung Dr. Gustman

Die Früherkennung des Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) erfolgt durch einen Zellabstrich, bei dem der Frauenarzt Zellen vom Muttermund und vom Gebärmutterhalskanal entnimmt und diese im Labor auf krankhafte Veränderungen untersucht. Mit diesem so genannten Pap-Test können Krebs-Vorstufen entdeckt und in einem Frühstadium behandelt werden. Dieser Test wird für Frauen ab 20 Jahren einmal jährlich im Rahmen der kostenlosen Früherkennung angeboten. Durch das gesetzliche Krebs-Früherkennungsprogramm sanken in den vergangenen Jahren sowohl die Anzahl der auftretenden Krebsfälle als auch die Sterblichkeitsrate. Trotzdem geht weniger als die Hälfte der Frauen regelmäßig zur Krebs-Früherkennung. Infolgedessen liegen die deutschen Neuerkrankungsraten im europäischen Vergleich an zweiter Position.

"Fast alle Gebärmutterhals-Tumoren werden durch humane Papillomaviren (HPV) verursacht", erklärt Dr. Ulrich Stahl, Pathologe und Humanbiologe der Überregionalen Gemeinschaftspraxis für Pathologie und Zytologie. Infektionen mit HP-Viren können im Laufe des Lebens immer wieder auftreten. Die allermeisten Infektionen verschwinden jedoch spontan wieder. Über 30 verschiedene HPV-Typen sind bekannt, etwa dreizehn von ihnen gelten als Hochrisiko-Typen. Eine lange fortdauernde Infektion mit diesen Viren-Typen ist die Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs. Entsprechende molekularpathologische Untersuchungen helfen dabei, das individuelle Risiko jeder Patientin genauer abzuschätzen.

Dr. Christian Gustmann, ebenfalls Pathologe, wies jedoch im Rahmen der Fortbildung ausdrücklich darauf hin, dass eine Infektion mit Hochrisiko-HPV nicht bedeute, bereits an einer Krebserkrankung zu leiden oder später an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Aufgabe der Zytologen und Pathologen werde aber in Zukunft sein, die wenigen Patientinnen herauszufinden, bei denen das Virus vom Immunsystem nicht erfolgreich bekämpft wurde und bereits behandlungsbedürftige Veränderungen in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses ausgelöst hat. Erfolgversprechende Tests liegen bereits vor. Gustmann, Spezialist auf dem Gebiet der Zelldiagnostik, mahnt jedoch vor zuviel Euphorie. Der Nutzen vieler Methoden (z.B. cytoactiv; über die unlängst in der NNP berichtet wurde) werde überbewertet, oftmals sei es sogar so, dass sich beunruhigende Testergebnisse später als unbegründet herausstellten, die Patientin aber erst einmal in Sorge versetzten.

Der Chefarzt der Frauenklinik Wetzlar, PD Dr. Winkler beschrieb abschließend die notwendige enge Zusammenarbeit zwischen Pathologen und Klinikern. Bei jeder Frau mit nachgewiesener HPV-Infektion und einem auffälligen zytologischen Abstrich sollte eine weitere Untersuchung des Muttermundes mit einem Mikroskop (Kolposkop) durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung wird die Schleimhaut des Gebärmutterhalses mit Essigsäure und dann mit Jodlösung betupft. Normalerweise breitet sich das Jod in den Schleimhautzellen aus und färbt diese braun. Bei krankhaft veränderten Schleimhautzellen, wie z.B. bei einer bösartigen Veränderung oder einer Vorstufe des Gebärmutterhalskrebses, bleibt die Braunfärbung aus. Diesen Bereich bezeichnet man als jodnegativen Bezirk. Erst in der Zusammenschau zytologischer und klinischer Befunde könne abschließend die notwendige Therapie ermittelt werden.

Die ca. 50 Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung der Überregionalen Gemeinschaftspraxis für Pathologie und Zytologie Limburg-Wetzlar-Giessen die in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher zytologisch tätiger Assistentinnen (VDCA) in Wetzlar ausgerichtet wird, konnten in einem abschließenden Workshop zahlreiche schwierige zytologische Präparate mikroskopieren und mit den Experten diskutieren.