Willkommen beim St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Zum Seiteninhalt
Alternative Navigation (mit Tabulator und oder Zugriffstasten)

Die Seitennavigation:

 

Wahrhaftigkeit sichert das Bleiberecht für Hippokrates

Kein ethischer Fundamentalismus im Gesundheitswesen: Prof. Dr. habil. Josef Wieland appellierte in Limburg an das unternehmerische Gewissen.

Geht es nach Prof. Dr. habil. Josef Wieland, dann ist es die Unehrlichkeit, die dem Gesundheitswesen den Garaus macht. Unehrlichkeit als Bankrotterklärung einer Ethik des Heilens, die in guten Zeiten funktioniert hat, nun aber im Vorfeld des neuen Abrechnungssystems der DRG`s, spätestens aber mit dessen Einführung Anfang 2005 an ihre Grenzen stößt. So war es nur konsequent, daß sich die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH mit dem Direktor des Konstanz Instituts für Werte- Management und Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Fachhochschule Konstanz einen unbequemen Mahner ins Haus holte. Mit der Sachlichkeit des Wissenschaftlers und ohne falsches Pathos analysierte der Betriebswissenschaftler den moralischen Hintergrund der Krise des Gesundheits-wesens, welcher nunmehr letztlich zum Offenbarungseid geführt hat. Glasklar von daher seine Aufforderung an Krankenhausleitungen, insbesondere diejenigen eines Unternehmens auf der Basis christlicher Wertvorstellungen: „Schaffen Sie Strukturen, die das, was Sie versprechen, auch ermöglichen.“ Geschäftlicher Erfolg und Ethik im Gesundheitswesen - ein Widerspruch? So lautete die einleitende Fragestellung seines Vortrags. Die Antwort: Nein - jedenfalls dann nicht, wenn man Abschied nimmt von einer aufgrund ihrer Uneindeutigkeit ebenso unangreifbaren wie salbungsvollen Melange von Religion und Medizin - einer oftmals als Ethik des Heilens diffus überhöhten Leerformel, die letztlich in der Praxis nicht umzusetzen sei.

Vortrag

Sprach mit der Sachlichkeit des Wissenschaftlers und ohne falsches Pathos: Prof. Dr. habil. Josef Wieland, Direktor des Konstanz Instituts für WerteManagement.

Aufgrund diverser historischer Entwicklungen werde von caritativen Einrichtungen generell Uneigennützigkeit erwartet, existenzerhaltende Ökonomie lediglich als subalterne Randerscheinung zugelassen. Das Geschäft gelte als Tabubruch, insbesondere wenn es um die moralisch sensible Arztleistung gehe. Ein gesamtgesellschaftlicher „Common Sense“, der nach Ansicht des Referenten systematisch betrieben wird, um Optionen im politischen Raum zu ermöglichen. Die Diffamierung des Gesundheitswesens fungiere als bewährtes Instrument, von moralischen Erwartungen dem Gesetzgeber gegenüber abzulenken. Anstatt die Krise des Gesundheitswesens inhaltlich aufzuarbeiten, werde die Diskussion von Kürzungsvorschlägen diktiert: „Die Frage der Gerechtigkeit wird gar nicht wirklich aufgeworfen. Ebensowenig die Frage nach der Solidarität in unserer Gesellschaft“, kritisierte der Ökonom und Sozialethiker.

In einem vor sich hin dümpelnden Lamento seien die Menschen auf der Suche nach einer Beschäftigung ihrer moralischen Ressourcen, ohne daß die eigentlichen Fragen auch nur angesprochen würden. „Vagabundierenden Moralkapital“ im Korsett einer heuchlerischen Debatte, pointierte Wieland die Situation. Der Weg zu einer ernsthaften Gesundheitspolitik führt nach Ansicht des Ethikers von Berufs wegen allein über eine nüchterne Benennung von Wirklichkeit hin zu klar formulierten Strukturen. Wieland: „Natürlich gibt es moralische Grenzen für die Ökonomie der Medizin und sehr wohl gibt es medizinische, als auch gesellschaftliche Werte. Es gibt aber auch die Werte einer Organisation“. Die da lauteten: Effizienz, Kommunikation, Kosten. Solche Werte gelte es insbesondere seitens caritativer Institutionen expressis verbis zu formulieren. Dies sei keineswegs ein Abschied von ethischen Prinzipien, sondern letztlich ein Akt der Ehrlichkeit.

Ökonomie und Medizin müßten wechselseitig Restriktionen anerkennen - für Arztpraxen und Krankenhäuser bedeute dies eine eindeutige Positionierung, eine klare Definition des Verhältnisses von Berufsethos, klinischer Ethik und organisationalen Werten: „Der ethische Code oder das Leitbild eines Unternehmens sind nur dann das Papier wert auf dem sie stehen, wenn man ihm Relevanz im Geschäfts-alltag gibt.“ Eine Position, die der Referent ebenso leidenschaftslos wie vom kleinen, aber fachkundigen Publikum unwidersprochen vortrug. Dabei hob Wieland nachdrücklich die Verantwortung der jeweiligen Leistungs-träger hervor: „Es ist Aufgabe der Klinikleitung, klare Grundsätze zu formulieren. Ethik hat nur dann einen Sinn, wenn sie Ermöglichungsfunktion hat.“ Sein Plädoyer für eine Versachlichung der Moral geriet daher zum Appell an das unternehmerische Gewissen: „Ein Versprechen auch im Blick auf ethische Ansprüche ist nur dann wahrhaftig, wenn ein Prozeß implementiert wird, welcher es Mitarbeitern ermöglicht, einem solchen Ziel nachzustreben. Nur so ist das Versprechen richtig, nur so kann es funktionieren.“ So sei es in erster Linie das Alltagsgeschäft, in dem sich solche Leitlinien zu bewähren hätten: Ethik im Krankenhaus, das könne nicht nur Dilemma-Abwägung sein: „Struktur schaffen, Stellung beziehen, keine Grauzonen zulassen, dies alles glasklar formuliert und klar kommuniziert - so könne gerade in heutiger Zeit ökonomische Praxis ethische Maximen sichern. Die Beantwortung der rethorischen Frage, ob der Eid des Hippokrates nicht mehr realisierbar oder gar überholt sei, übernahm der Referent mit Überzeugung selbst: „Wir müssen die Moralfrage aufnehmen - nicht im Sinne einer Tugendethik, sondern im Sinne einer strukturierten Organisation. Dann hat die Gerechtigkeit ebenso eine Chance wie das, was wir einan-der schuldig sind in dieser Gesellschaft!“.