Profilierte Persönlichkeit nimmt Abschied von der Pathologie
Arzt im Hintergrund: Nach 25 Jahren verlässt Prof. Dr. Paulini das St. Vincenz - nahtloser Übergang in der Leitung des Instituts für Pathologie
Mit ihm geht auch ein Stück Krankenhausgeschichte: Am 30. September 2004 verlässt Professor Dr. med. Kurt Paulini, Pathologe am St. Vincenz-Krankenhaus, nach über 25jähriger Tätigkeit, das dortige Institut für Pathologie. Mit ihm verliert das Haus einen Partner mit profilierter Persönlichkeit, dessen Kompetenz weit über die Region hinaus geachtet wird - einen Mediziner, der sich stets dezent-distinguiert im Hintergrund hielt. Eine Eigenschaft, die allerdings auch in der Natur seines Fachs liegt: Denn Pathologen werden von den meisten Patienten nicht wahrgenommen, obwohl sie durch die histologische Sicherung und die Güte der pathologischen Gewebebeurteilung einen ganz entscheidenden Beitrag zur Qualitätssicherung einer Klinik leisten.
Prof. Paulini wurde am 1939 in München geboren. Das Studium der Humanmedizin absolvierte er an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main. Nach der Medizinalassistentenzeit begann er seine Ausbildung zum Pathologen im Oktober 1968 in Giessen. Später wechselte er nach Ulm und schloss dort als Oberarzt im Jahre 1974 seine Habilitation für das Fachgebiet allgemeine und spezielle Pathologie ab. Im Jahre 1975 ging er an die Universität Mainz und wurde dort in der Funktion des Vertreters des Institutsdirektors zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Am 15. Februar 1979 begann Prof. Paulini seine Tätigkeit als leitender Arzt des Pathologischen Institutes am St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg und blickt nun auf eine lange abwechslungsreiche Arbeit als Chefarzt - bzw. ab 1989 als niedergelassener Pathologe in freier Praxis - zurück. In dieser Zeit bekleidete er für einige Jahre die Funktion des Ärztlichen Direktors, in der er maßgeblich die Entwicklung des St. Vincenz-Krankenhaus mitgestalten konnte.
Über die Grenzen der Region hinaus war Prof. Paulini auch berufspolitisch sehr engagiert und vertrat die Interessen seiner Fachkollegen im Berufsverband der Deutschen Pathologen als Landesobmann für Hessen und als Vorsitzender der Gebührenordnungskommission im Bundesverband. Als Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender der Zytologiekommission der KV Hessen beschäftigte er sich viele Jahre mit der Qualitätskontrolle der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses.
Professor Dr. med. Kurt Paulini, Pathologe am St. Vincenz-Krankenhaus, verlässt nach 25-jähriger Dienstzeit St. Vincenz
Insbesondere vor dem Hintergrund seines berufspolitischen Interesses erkannte Paulini früh die Notwendigkeit der Kooperation mit anderen niedergelassenen Pathologen in Hessen. Dies führte 2002 zur Gründung des Netzwerkes Pathologie, das heißt einem Zusammenschluss von Pathologen aus Marburg, Giessen, Wetzlar, Wiesbaden und Frankfurt am Main. Dieser Zusammenschluss ermöglicht eine zeitnahe Weiterentwicklung des Fachwissens und die Spezialisierung einzelner Institute im diagnostischen sowie methodisch-wissenschaftlichen Bereich.
In dieser Form der Zusammenarbeit ist es besonders schnell und vor allem reibungslos möglich, eine kompetente Zweitmeinung einzuholen – ein Vorteil, der insbesondere bei der Diagnostik von Tumorerkrankungen immer wichtiger wird.. Über "Ringversuche" die nach gemeinsam festgelegten Regeln und entsprechend den Vorschlägen wissenschaftlicher Gesellschaften durchgeführt werden, leistet das Netzwerk ebenso einen Beitrag zur Qualitätssicherung wie durch das Mitwirken bei regelmäßigen, durch autorisierte Kollegen geleiteten Qualitiätszirkeln.
Das Institut für Pathologie wird ab 1. Oktober 2004 von Dr. med. Christian Gustmann und Dr. med. Manfred Karhoff, langjährigen Partnern Prof. Dr. Paulinis, fortgeführt. Durch diesen nahtlosen Übergang bleibt am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg eine hohe fachärztliche Kompetenz für die Zukunft erhalten. Auch wenn sich Prof. Paulini und seine Frau Marie-Luise im Ruhestand nun voll ihren Leidenschaften, dem Golfspiel und Fernreisen, widmen werden, bleibt der erfahrene Pathologe dem Limburger Institut weiterhin als Berater erhalten.
Pathologie, was ist das ?
Früher lag der Aufgabenschwerpunkt des Pathologen in der Durchführung von Obduktionen zur Klärung der Todesursache. Heute nimmt die chirurgische Pathologie, d.h. die Begutachtung des bei Operationen und anderen Verfahren entnommenen Materials, eine zentrale Stellung ein. Dabei arbeitet der Pathologe nicht nur am Lichtmikroskop, sondern setzt auch neue, meist in den letzten 10 Jahren entwickelte Methoden wie z.B. Immunhistologie und Genanalysen (Molekular-Pathologie) ein. Wird z.B. einer Patientin ein Brustknoten entfernt, kann der Pathologe, noch während die Patientin in der Narkose liegt, im sog. Schnellschnittverfahren (Untersuchung von eingefrorenem Gewebe) begutachten, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Knoten handelt. Der Chirurg kann auf dieser Grundlage das weitere chirurgische Verfahren bestimmen. Am nächsten Tag bestimmt der Pathologe durch verschiedene Untersuchungen und Sondermethoden die Eigenart des Tumors, so dass der behandelnde Arzt eine optimale Therapie einsetzen kann.



