Ein Projekt mit vielen Pluspunkten
Ein Jahr Interdisziplinäres Brustzentrum am St. Vincenz-Krankenhaus
Ein Jahr Interdisziplinäres Brustzentrum am St. Vincenz-Krankenhaus – so lautete das Thema einer Informationsveranstaltung, die jetzt auf Einladung von Chefarzt Prof. Dr. Matthias Volk in den Konferenzräumen der Klinik durchgeführt wurde. Oberarzt Dr. med. Winfried Obermeier , der auch die Federführung für das zukunftsweisende Projekt innehat, stellte die Bemühungen der Klinik erstmals öffentlich vor. Zwar ist die Institution noch nicht offiziell zertifiziert, jedoch sind die Aktivitäten des Brustzentrums streng an den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Senologie ausgerichtet. „Eine einmalige Chance, die Qualität des Leistungsangebots zum Wohle der Patienten nochmals zu steigern“ – so wertete der stellvertretende Ärztliche Direktor des St. Vincenz-Krankenhauses, Dr. Klaus-Peter Schalk, die Einrichtung. Der Onkologe zollte den Bemühungen der Verantwortlichen unter Chefarzt Prof. Dr. Matthias Volk besonderen Respekt, trotz des ohnehin hohen Niveaus ihr Angebot für die Patientinnen weiter optimiert zu haben.Schwerpunkt des Interdisziplinären Brustzentrums am St. Vincenz-Krankenhaus ist die enge Abstimmung mit allen an der Behandlung beteiligten Disziplinen mit dem Ziel einer weiteren Optimierung von Diagnose und Therapie. Alle 14 Tage treffen sich Vertreter der Frauenklinik, des Instituts für Strahlentherapie und Radioonkologie, der Pathologischen Gemeinschaftspraxis Dr. Paulini & Partner, der Radiologischen Klinik, der Abteilung für Hämatologie und Onkologie sowie der Diplompsychologe Peter Behrla zur Fallvorstellung und Diskussion aktueller diagnostischer und therapeutischer Fragestellungen. Eine Abstimmung, die alle beteiligten Ärzte als besonderen Pluspunkt des Projekts herausstellten.
In überregionalen Zusammenhängen könne eine solche Einrichtung nicht gelebt werden – die Stärke des Limburger Zentrums liege vor allem in der zeitnahen interdisziplinären Zusammenarbeit und dem kontinuierlichen Kontakt in etablierten Besprechungsrunden, so der einhellige Tenor der Veranstaltung. Zudem sei dies eine zentrale Aktivität im Sinne heimatnaher Versorgung.
Die Kernleistungen des Brustzentrums brachte Dr. med. Winfried Obermeier in einer Bilanz der Aktivitäten auf den Punkt: Das umfassende operative Leistungsspektrum, die bildgebenden und diagnostischen Verfahren, die histologischen Untersuchen und die Möglichkeiten in Bestrahlung und Chemotherapie. Besonders stellte er die räumliche Nähe und hohe Qualifikation der Pathologen heraus, die – basierend auf einem Netzwerk mit Zweitmeinung - innerhalb von 15 Minuten die Befunde von Schnellschnitten liefern. Mit dem Ziel, die Treffsicherheit der präoperativen Diagnose weiter zu erhöhen, habe man den Einsatz der Mammasonographie deutlich erweitert. Mittels sonographisch gesteuerter Hochgeschwindigkeits-Stanzbiopsie gelinge es meist, bereits vor der Operation eine histologische Diagnose zu stellen und die Voraussetzungen für eine optimale Therapieplanung zu schaffen. Bei der operativen Therapie von Mammatumoren gelte das Hauptaugenmerk der weiteren Erhöhung des Anteils brusterhaltender Operationsverfahren. Darüber hinaus ist die Einführung des operativen Konzepts des Wächterlymphknotens in der Achselhöhle vorgesehen, mit der eine weitere Reduzierung der Beschwerden nach Operationen zu erwarten ist. Besonders erwähnt wurde u.a. auch die von Oberarzt Dr. Sebastian Eichinger, Radiologische Klinik, eingeführte Implantation von Miniports, die für Tumorpatienten zur Chemo- oder Ernährungstherapie genutzt werden können. Durch ihre Placierung am Unter- oder Oberarm werden sie von den Patientinnen oft besser akzeptiert als die Ports im Bereich des Brustkorbs. Mit der Umstrukturierung der Radiologischen Abteilung unter dem neuen Chefarzt Dr. Thomas Heß ist auch die Anschaffung eines Stereotaktie-Tisches geplant, mit dessen Hilfe nicht tastbare und im Ultraschall nicht darstellbare Befunde in der Brust sicher lokalisiert und in lokaler Betäubung entfernt werden können.
Durch die Aufrüstung des Linearbeschleunigers und die excellente, wegweisende Bestrahlungsplanung der Radioonkologie unter Prof. Dr. Ion-Christian Chiricuta sei die Bestrahlung der Brust jederzeit wohnortnah gewährleistet. Die Durchführung der Chemotherapie erfolge in enger Kooperation mit der Onkologischen Abteilung unter Mitwirkung des Ernährungsteams.Sämtliche Aktivitäten des Brustzentrums am St. Vincenz-Krankenhaus sind nach Angaben Dr. med. Obermeier s zudem in vier Studien eingebunden. Zudem setzen die Verantwortlichen auf einen weiteren Ausbau der konstruktiven Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen, deren aktive Beteiligung an den regelmäßigen Konferenzen ausdrücklich erwünscht ist.Kritisiert wurden Aktivitäten der Kostenträger, Brustzentren nur bei entsprechenden Patientenzahlen zu zertifizieren. So warnte der Onkologe Dr. Klaus-Peter Schalk davor, Quantität mit Qualität gleichzusetzen: „Fallzahlen allein nützen nichts, wenn nicht die zeit- und ortsnahe Zusammenarbeit gewährleistet ist“.



