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Garant für Kompetenz und Know-How

30 Jahre Weiterbildungsstätte für Anästhesie- und Intensivpflege am St. Vincenz-Krankenhaus

Sie führt ein unspektakuläres Schattendasein und ist dennoch Garant für kompetentes Personal in hochsensiblen Bereichen des Krankenhauswesens: Die Weiterbildungsstätte für Anästhesie und Intensivpflege am St. Vincenz-Krankenhaus, die in diesem Jahr ihr 30jähriges Bestehen feiert. Als eine der ältesten Schulen Hessens in diesem Bereich bürgt die Einrichtung für differenzierte Qualifizierung in hochkomplizierten Berufsfeldern. Die Einsatzbereiche der Absolventen der berufsbegleitenden Weiterbildungsmaßnahme am St. Vincenz sind die Intensivpflegestationen, die Anästhesieabteilung mit Eigenblutspende sowie die Dialyse und Endoskopieabteilung.

Die im Jahr 1973 vom Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin, Dr. Wolfgang Meister, ins Leben gerufene Weiterbildungsstätte etablierte sich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Wiederbelebung (DGAW, heute DGAI) innerhalb kurzer Zeit zum Kompetenzzentrum – seit 1990 auch für Interessenten aus anderen Kliniken. Parallel zur Entwicklung im Anästhesiebereich etablierte sich die fachbezogene Weiterbildung im Bereich der Inneren Medizin und Intensivpflege, für die heute Oberarzt Dr. Klaus Nitsche verantwortlich zeichnet. Nach weit über fünfzehnjähriger Pionierarbeit des Leitenden Anästhesiepflegers Heribert Hohl ist seit 1986 Hartmut Hautzel als Pflegerischer Leiter für die Konzeption und Organisation der berufsbegleitenden Weiterbildung zuständig – ein Interview anlässlich des Jubiläums:

Weiterbildungsstätte für Anästhesie und Intensivpflege – was bedeutet dies konkret, was kann man sich darunter vorstellen?

Hartmut Hautzel :Gegenstand der Weiterbildung ist vor allem die Vermittlung tiefergehender Erkenntnisse und theoretischer Grundlagen für die intensive Pflege und Betreuung der Patienten auf den Intensivstationen und der Anästhesie. Absolventen unserer Weiterbildung müssen in der Lage sein, komplizierte Zusammenhänge zu erkennen, Pflegemaßnahmen und –techniken dieser schwerstkranken und verletzten Patienten eigenständig zu planen, durchzuführen, zu dokumentieren und zu bewerten. Darüber hinaus werden ihnen Schlüsselqualifikationen vermittelt, um bei Maßnahmen der Diagnostik und Therapie bis hin zu Wiederbelegungsmaßnahmen und Beatmungstherapien professionell im therapeutischen Team mitwirken zu können.

Warum die Focussierung auf Anästhesie und Intensivpflege?

Heribert Hohl: In den 60er Jahren war die Entwicklung und Spezialisierung der Krankenpflege sehr eng mit dem rasanten Fortschritt der Medizin im Anästhesie- und Intensivbereich verbunden. In Konsequenz daraus erfolgten Überlegungen, die Schwerkranken in speziellen organisatorischen Einrichtungen zusammenzuführen. Diese zunächst als Wachstationen, später als Intensivstationen benannten Pflegeeinheiten wurden zunehmend mit hochkomplizierten medizintechnischen Geräten ausgestattet, die spezialisiertes Wissen erforderten. Gleichzeitig entwickelte sich die Anästhesiologie damals zu einem eigenständigen medizinischen Bereich, bei gleichzeitig enormen Mangel an Anästhesiefachärzten. Vor diesem Hintergrund forderten Mediziner, Funktionen aus dem ärztlichen Aufgabenbereich auf weitergebildetes und damit qualifiziertes Pflegepersonal zu übertragen.

Geht es hier nur noch um Technik und deren Funktionen oder auch um den Menschen?

Hartmut Hautzel: Die Anästhesie- und Intensivpflege ist zwar ein hochtechnisierter, aber auch hochsensibler Bereich. Hier sind ganz entscheidend auch soziale Kompetenzen gefragt: Kommunikations- und Teamfähigkeit, vernetztes Denken, Konflikt-, aber auch Entscheidungsfähigkeit. Das entsprechende Fachwissen ermöglicht angemessenes Handeln im Erfassen des Pflegebedarfs, der Beurteilung, Planung und Durchführung der Pflege. Nicht zuletzt werden psycho-soziale Fähigkeiten geschult, beispielsweise im Umgang mit den existentiellen Erfahrungen des Lebens, denen man gerade in diesen Bereichen hautnah ausgesetzt ist. Dies alles sind Kompetenzen, die ohne eine zentrale Orientierung am Menschen gar nicht denkbar sind.

Die Ressourcen im Gesundheitswesen heute sind knapp – hat dies Auswirkungen auf Ihre Schule?

Harmut Hautzel: Solide Weiterbildung ist unerläßlich – dies haben nicht nur die Erfahrungswerte der vergangenen 30 Jahre gezeigt, sondern auch die permanent wachsenden Qualitätsansprüche im Gesundheitswesen erfordern dies. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben sich die Bundesländer für länderspezifisch gesetzliche Regelungen dieser Ausbildung entschieden. In diesem Kontext sind wir eben seit 1973 als eine der ersten Weiterbildungsstätten in Hessen Garant dafür, daß das Fachkrankenpflegepersonal der Region in den sich schnell entwickelnden Spezialbereichen der Anästhesie und der operativen wie konservativen Intensivmedizin jeweils nach dem neuesten Stand des medizinischen und pflegerischen Wissens weitergebildet wird. Die konstant hohe Nachfrage und die Teilnehmerzahl der sieben kooperierenden Kliniken bestätigt die hohe Akzeptanz der „Limburger Schule“.

Die staatlich anerkannte Weiterbildung zur/zum „Fachkrankenschwester / -pfleger in der Intensivpflege“ findet in berufsbegleitender Form statt und dauert zwei Jahre. Sie umfaßt 800 Stunden fachtheoretischen und fachpraktischen Unterrichts in den Bereichen Intensivmedizin, Anästhesiologie, Intensiv- und Anästhesiepflege, Medizintechnik, sowie die soziologischen, pädagogischen und psychologischen als auch die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Intensivmedizin. Die praktische Weiterbildung erfolgt in den Fachabteilungen Anästhesie und Eigenblutspende und den Intensivbehandlungsstationen. Fakultative Einsatzgebiete sind in der Endoskopie, der Dialyse und im Notarzt-Rettungsdienst möglich.

Im Jahr 1990 konnte mit den Dill Kliniken Dillenburg als erster externer Klinik ein Weiterbildungsvertrag abgeschlossen werden, fünf weitere benachbarte Kliniken folgten. Bis heute wurden an der Limburger Weiterbildungsstätte über 180 Fachkrankenschwestern und Fachkrankenpfleger weitergebildet. Zur Zeit stehen 18 Weiterbildungsplätze zur Verfügung. Nähere Informationen unter folgender Adresse:Weiterbildungsstätte für Anästhesie und Intensivpflege, Auf dem Schafsberg, 65549 Limburg,

E-Mail: h.hautzel@st-vincenz.deTel.:06431 / 2924201, Fax: 06431 / 292 4206