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Ein geschützter Ort für die Trauer um totgeborenes Leben Überregional und überkonfessionell: Arbeitskreis stellt Projekt „Kindergrabmal“ vor - dringend Sponsoren gesucht!

Wenn ein Mensch stirbt, bleibt dennoch vieles von ihm. Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes, sichtbare und unsichtbare Spuren, denen Angehörige und Freunde in ihrer Trauer immer wieder nachgehen können. Was jedoch, wenn dieser Mensch nicht mehr als 500 Gramm gewogen hat? Bislang gab es dann eigentlich nichts: außer dem Schmerz der Eltern, denen - 500 Gramm hin oder her - eine ganz eigene Welt zusammenbrach.

Totgeborene Kinder, die weniger als ein Pfund wogen, unterliegen nach gesetzlichen Verordnungen nicht der Bestattungspflicht und wurden oft als sogenannter „Klinikmüll“ entsorgt. Eine Verdrängung nach DIN-Norm sozusagen. Für die betroffenen Angehörigen ein unhaltbarer Zustand, dessen „Entsorgung“ sich zunächst unabhängig voneinander verschiedene Organisationen auf die Fahnen geschrieben hatten: Der Sachausschuß „Ehe und Familie“ des Bezirkssynodalrates unter der Führung der Leiterin des Katholischen Familienbildungsstätte im Bezirk Limburg, Heike Margraf, die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH unter Federführung von Verwaltungsdirektor Frank Mellein und Pflegedirektor Helmut Petri, die Vertreterinnen des DRK-Krankenhauses Diez, Marcina Balbuena und Nadine Kneipel, Marließ Heß vom Förderverein der Hessenklinik Weilburg, die Leiterin der Gruppe “ Trauernder Eltern in der Kath. Familienbildungsstätte Bezirk Limburg “ Cordula Weyand, Ruth Schlösser als Bezirkssynodalmitglied Sachausschuß “ Ehe und Familie “sowie die Klinikseelsorger in den Krankenhäusern Limburg, und Diez. Sie alle haben nach eineinhalb Jahren Arbeit im „Arbeitskreis Kindergrabmal“ erreicht, daß es nun eine Begräbnis- und Gedenkstätte für diese totgeborenen Kinder auf dem Limburger Zentralfriedhof geben wird.

Das Projekt, welches für Betroffene aus allen Krankenhäusern der Region bereitstehen soll, wurde am Freitag, 10. Oktober 2003, von Mitgliedern des konfessionsübergreifenden Arbeitskreises der Öffentlichkeit vorgestellt. Besonderen Dank zollten die Initiatoren des Projekts der Stadt Limburg, vertreten durch ihren 1. Stadtrat Dr. Heinrich Richard, welche die Fläche von 150 Quadratmetern unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. KFBS-Leiterin Heike Margraf und Cordula Weyand, Leiterin der Trauergruppe, betonten ausdrücklich die psychologische Bedeutung und Entlastungsfunktion dieses Angebots für die betroffenen Eltern: „Es ist so wichtig, Abschied nehmen zu können und einen Ort der Trauer zu haben.“ Erfahrungsgemäß sei ein solch „geschützter Ort“ vor allem dann wichtig, wenn das verstorbene Kind immer seltener von Verwandten und Freunden erwähnt werde: „Es ist einfach ein Ort, an dem sie dann ihrem Kind nahe sein können“.

Auch die Vertreterinnen der evangelischen Klinikseelsorge, Pfarrerin Maike Kniese (Diez) und Pfarrerin Gabriele Göbel (Limburg) zeigten sich erleichtert über das positive Ergebnis der Überlegungen des Arbeitskreises: „Wir sind der Auffassung, daß es sich auch bei nichtbestattungspflichtigen Kindern um von Gott gewolltes und geliebtes Leben handelt. Allein dadurch bekommt menschliches Leben seine Würde. Und dieser Würde tragen wir mit der Bestattung Rechnung.“ Der Schmerz über den Verlust des Kindes werde häufig noch verstärkt durch die Erfahrung, wie danach mit dem Kind umgegangen werde. Das Wissen um die Möglichkeit der Bestattung eröffne zusammen mit den Gesprächsangeboten von Klinikseelsorge und Familienbildungsstätte einen anderen, lebensfreundlicheren Weg. Auch den Vertretern der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz war das heikle Thema nach den Worten ihres Verwaltungsdirektors schon lange ein „Dorn im Auge“. Nicht erst seitdem durch die Diskussionen um die Möglichkeiten der Gentechnik die Individualität und Einzigartigkeit menschlichen Lebens in den Blickpunkt gerückt worden sei, habe man sich dieser Problematik gewidmet. Auch vor dem Hintergrund des christlichen Weltbildes des Limburger Krankenhauses seien den Klinikverantwortlichen Respekt und Solidarität angesichts von Tragik und Verzweiflung verpflichtend gewesen. Frank Mellein: „Die Seele ist doch nicht stromlinienförmig, kein glattes Etwas, das sich dem anpaßt, was rechtlich geboten ist. Die etwa Trauer abstellen kann, wenn das verlorene Kind unter der gesetzlichen Bestattungsgrenze liegt...“

In einer Welt, in welcher bindende Strukturen in der Auflösung begriffen sind, ist dieser „Friedhof für die Kleinsten“ nach Ansicht des Verwaltungschefs durchaus ein Pfund, mit dem sich wuchern lasse. Doch derzeit sind solcher Zufriedenheit allenthalben noch Grenzen gesetzt. Denn die Kosten für die geplanten vier Sammelbestattungen mit jeweils 20 bis 30 Föten pro Jahr werden rund 2.000 Euro kosten und hierfür gibt es noch keine Mittel. Geschweige denn für die Herrichtung des Geländes und die Gestaltung des Grabmals mit einem Gedenkstein, für die sicherlich ein Betrag von 20.000 € zu veranschlagen sein wird. Mit anderen Worten: Der Arbeitskreis Kindergrabmal ist dringend auf Spenden angewiesen. Wer den Arbeitskreis „Kindergrabmal“ unterstützen möchte, kann dies unter folgender Kontonummer tun: Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH „Aktion Kindergrabmal“Kto.Nr. 20 396, BLZ 511 500 18, Kreissparkasse Limburg.

Arbeitskreis „Kindergrabmal“: So wird die Praxis aussehen:

Für Eltern, die ihr als Fehl- oder Totgeburt zur Welt gekommenes Kind nicht in einem Einzel- oder Familiengrab auf dem Friedhof ihres Wohnortes bestatten lassen, gibt es künftig die Möglichkeit, an den vierteljährlich stattfindenden Trauergottesdiensten teilzunehmen, bei denen diese Kinder in einer Urne als Sammelbestattung auf dem Limburger Friedhof beigesetzt werden. Die Eltern werden dazu eingeladen. Die evangelischen und katholischen Klinikseelsorgerinnen der beteiligten Krankenhäuser in Diez, Limburg, Hadamar und Weilburg werden die Trauergottesdienste ökumenisch gestalten. Für betroffene Eltern soll ein Informationsblatt erstellt werden, das über die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten aufklärt.

Zusätzlich zu diesem Faltblatt sollen Paten als An-sprechpartner für Eltern oder Angehörige gewonnen werden, die sich stellvertretend für die Eltern über die verschiedenen Möglichkeiten vor Ort informieren und gegebenenfalls die Formalitäten klären. Für den Bereich Diez, Brechen, Bad Camberg und Niederselters wurden bereits sechs Patinnen gefunden, für den Raum Limburg und Weilburg werden noch Ehrenamtliche gesucht.