Willkommen beim St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Zum Seiteninhalt
Alternative Navigation (mit Tabulator und oder Zugriffstasten)

Die Seitennavigation:

 

Revolution im Krankenhaus – Von Garantie bis zu All-inclusive?Oder: Der Patient wird gewinnen

Prof. Dr. Dr. h.c. Oberender sprach auf Einladung der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH

Er ist Protagonist einer Strukturrevolution. Denn nichts wird bleiben wie es ist im Gesundheitswesen im Allgemeinen und im Krankenhaus im Besonderen. Auf dieser Gewissheit basieren die Überzeugungen des Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender, der jetzt auf Einladung der Kranken-hausgesellschaft St. Vincenz mbH in der Josef Kohlmeier-Halle rund 200 Zuhörern ein umfassendes „Rehabilitationskonzept“ präsentierte. Sein Vortrag glich einer Philipicca, einer Generalabrechnung mit innovationsfeindlicher, demotivierender Bürokratie, einer Absage an verkrustetete Strukturen und eingefahrene Eitelkeiten. Das Credo des Gesundheitsökonomen – Eigeninitiative statt Regulierung, Mut zum Wettbewerb statt Symptombehandlung - vermittelte eine Ahnung von dem riesigen Umbruch, der Krankenhäusern wie niedergelassenen Ärzten bevorsteht. Mit Prof. Dr. Oberender setzte die Krankenhausgesellschaft die Reihe der namhaften Referenten ihrer herbstlichen Vortragsreihe fort: Der Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth ist Gründer des ersten deutschen Universitätsstudiengangs Gesundheitsökonomie sowie Gründer und Direktor der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie.

„Überlebt das Krankenhaus im Wachstumsmarkt Gesundheit?“ lautete das provokante Thema des Gesundheitsexperten. Angesichts des Marktpotentials bejaht Oberender diese Frage durchaus. Unabdingbare Vorraussetzung ist allerdings die Beachtung neuer Unternehmensstrategien: Management-Kompetenz und intelligente Differenzierungsstrategien werden seiner Meinung nach zu den wichtigsten Ressourcen im Gesundheitswesen von morgen zählen. Kooperation als Überlebensstrategie, vernetzte Strukturen, innovative Spezialisierung - dies sind die Schlüsselworte des Reha-Programms à la Oberender, dem sich nach dessen Ansicht nicht nur die Krankenhäuser, sondern alle am Gesundheitswesen Beteiligten zu unterziehen hätten.

Der Patient wird bei all diesen wirtschaftlichen Überlegungen nicht hintan stehen müssen. Eher im Gegenteil: „Der Patient wird durch Qualitätsoptimierung gewinnen!“ Denn medizinische Excellenz und Orientierung an den Bedürfnissen der Klienten steht neben den organisatorischen „Musts“ glasklar im Vordergrund der Erfolgsfaktoren für die medizinischen Leistungserbringer von morgen. Der Wettbewerb werde die Kassen dazu zwingen, ordentliche Medizin zu liefern und auch ordentlich zu bezahlen: „Wenn die Kassen Billigmedizin einkaufen, werden ihnen die Versicherten weglaufen“, prognostizierte Oberender.

Wirtschaftlichkeit ist nach seiner Überzeugung alles andere als ein anrüchiges Moment. Vielmehr garantiere dies für intelligente wie ungewöhnliche medizinische Ansätze. Denkbar seien gar Garantiemodelle für die neue Hüfte oder All-inclusiv-Angebote. Prof. Oberender: „Die Kosten sind nicht das Entscheidende. Wenn sie effizient sind, darf Gesundheit ruhig etwas kosten!“ Generell gelte: „Wenn wir es uns nicht mehr leisten können, jedem Menschen unabhängig vom Lebensalter medizinisch das zu geben, was er braucht, dann sind wir am Ende“, meinte Oberender, der auch Mitglied im Verein für Sozialpolitik sowie in der bayerischen Bioethik-Kommission ist.

Auch für die betroffenen Anbieter wertet der Gesundheitsökonom die Krise vor allem auch als positives Moment: „Neupositionierung nach innen wie außen, das ist auch eine riesige Chance!“ Schließlich sei das Gesundheitswesen auch ein riesiger Wachstumsmarkt: Der Gesundheitsmarkt 2002 habe mit 290 bis 320 Milliarden Euro einen Anteil am Bruttosozialprodukt von 14 bis 16 Prozent. Während die gesetzliche Krankenversicherung politisch verordnet mit 140 Milliarden Euro auf ein Wachstum von 0,81 Prozent beschränkt bleibe, wachse der freie Gesundheitsmarkt mit 150 bis 180 Milliarden Euro um rund acht Prozent. Zudem erinnerte Oberender an die enorme Zunahme alter Menschen: Multimorbidität, chronische Krankheiten, Pflegefälle, dies alles sind auch Bedürfnisse, Märkte die hier entstehen: „Hierauf müssen wir antworten!“

Weitere Kostendämpfungspolitik sei vor diesem Hintergrund eine Sackgasse, die Diskussion um Bürgerversicherung und Kopfpauschale einfach nur ein Nebenkriegsschauplatz. Oberender: „Wir müssen ganz grundsätzlich neu überlegen und vor allem gemeinsam nach Lösungen suchen!“ Seit 1970 habe sich die Verweildauer in den Krankenhäusern genau halbiert, die Fallzahl sei jedoch nur um knapp 60 Prozent gestiegen. Die im neuen Abrechnungssystem vorgeschriebene Mindestzahl an Behandlungen könnten demzufolge nur von interdisziplinären Zentren erreicht werden. Der Ausblick des Gesundheitsökonomen: In den nächsten zwei Jahren werden weitere 135.000 Betten abgebaut werden, der Anteil privater Krankenhausträger wird steigen und 2005 wird das Jahr der Krankenhauspleiten sein.

Nur wer schon jetzt vorausschauend denke, entsprechend strukturiere, auf Spezialisierung setze und entsprechend investiere habe Überlebenschance: „Ineffiziente Strukturen sind auch Folge mangelnder Investitionskraft und –förderung.“ Eine Einsicht, welche der Politik zunehmend fehle: in den letzten acht Jahren seien staatliche Investitionen von 17 auf neun Prozent zurückgegangen. Bezüglich medizinischer Innovation und intelligenter Rationalisierung gebe es einen investiven Nachholbedarf von rund 25 bis 50 Milliarden Euro im Gesundheitswesen.

Künftige Geschäftsfelder für die Krankenhäuser sieht Prof. Oberender in verstärkten Kooperationen mit dem ambulanten Sektor, mit dem Reha- und Pflegebereich sowie mit der Industrie. Im Zentrum dieser vernetzten beziehungsweise integrierten Versorgung wird nach seiner Auffassung ganz klar das Krankenhaus stehen: „Jeder hat seine Chance, wenn er sich richtig positioniert. Nicht Symptombehandlung, sondern Ursachenbehebung sichert die Zukunft.“ Eine Einschätzung, die auch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Horst Schneider, bestätigte: „Wir müssen uns ohne Wenn und Aber neuen Formen stellen. Es gilt gemeinsam zu lernen, im Achter zu rudern...“