Willkommen beim St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Zum Seiteninhalt
Alternative Navigation (mit Tabulator und oder Zugriffstasten)

Die Seitennavigation:

 

Modellhafte Strukturen im Kampf gegen die Keime

Neue Abteilung für Krankenhaushygiene geschaffen: St. Vincenz bundesweit in der Spitzengruppe der MRSA-Prävention in Kliniken

Hygiene – im Zeitalter der sogenannten multiresistenten Erreger* ist dieser Begriff für Kliniken und therapeutische Einrichtungen aller Art eine besondere Herausforderung. Das St. Vincenz-Krankenhaus begegnet dieser Problematik schon lange proaktiv mit einem konsequenten und strukturierten Hygienemanagement. Jetzt wurde eine personell stark aufgestellte Abteilung für Krankenhaushygiene neu geschaffen: Dr. Gundi Heuschen, bisher Oberärztin der Abteilung Allgemein- und Visceralchirurgie, ist neue ärztliche Leiterin dieser Abteilung. Ihr stehen die beiden Hygienefachkräfte Achim Schmidt und Mario Kurzweil sowie Freya Hertling-Vetter als Hygienefachkraft in Ausbildung zur Seite. Darüber hinaus wird das Team von Ärzten des renommierten Beratungszentrums für Hygiene (Freiburg) fachärztlich beraten. Eine Ärztin für Hygiene und Umwelt verstärkt darüber hinaus ab dem 1. Januar 2014 das Hygieneteam. Bisher hatte der Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie, PD Dr. Udo A. Heuschen, die Führung der Krankenhaushygiene inne.

Abbildung

Gut aufgestellt im Engagement gegen die Keime: Die neue Abteilung für Krankenhaushygiene am St. Vincenz unter ärztlicher Leitung von Dr. Gundi Heuschen, hier im Bild mit dem Ärztlichen Direktor der Klinik, PD Dr. Joachim Hillmeier, Hygienefachkraft Mario Kurzweil, Freya Hertling-Vetter (Hygienefachkraft in Ausbildung) und den beratenden Ärzten des Freiburger Beratungszentrums für Hygiene (BZH), Dr. Astrid Holz-Bremer und Dr. Joachim Grossmann. Nicht im Bild Hygienefachkraft Achim Schmitt.

Die neue Leitende Ärztin der Krankenhaushygiene geht mit einem guten Status quo an den Start: „Der Wert für nosokomiale, also im Krankenhaus erworbene Infektionen, lag im Jahr 2012 bei 10,39 Prozent und somit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,09 Prozent“, so Dr. Gundi Heuschen bei der Auswertung und Analyse der Daten anlässlich ihrer Amtsübernahme. Gegenüber dem Vorjahr habe man die Rate in allen relevanten Keimvarianten deutlich senken können. Bei 250 Vergleichskliniken sei dies eine gute Quote, mit der man zufrieden sein könne. Dieses Ergebnis komme jedoch nicht von ungefähr: „Es ist die Bilanz eines schon lange und vor allem strukturell etablierten Hygienemanagements in unserem Hause. Wir können mit Fug und Recht bundesweit modellhafte Strukturen vorweisen“, betont Heuschen. Die Klinik habe sich schon sehr früh zukunftsweisend positioniert – jetzt ernte man die Früchte intelligenter Präventionsmaßnahmen und nachhaltiger Sensibilisierung der Mitarbeiter.

Heuschens ganz persönliches Ziel: „ Ambitioniert und vor allem strategisch daran zu arbeiten, multiresistente Erreger bei Patienten engmaschig zu kontrollieren und somit auch zu bekämpfen.“ Mit dieser anspruchsvolle Aufgabe stehen die Leitende Ärztin und ihr Team nicht allein: Denn neben dem eigens für die Hygiene zuständigen Expertenteam gibt es am St. Vincenz Krankenhaus auch innerhalb der medizinischen Fachabteilungen noch 13 hygienebeauftragte Ärzte die verpflichtet sind, jährlich im regelmäßigen Abstand von drei Monaten insgesamt 16 Stunden Hygienefortbildungen vorzuweisen. Darüber hinaus gibt es auf allen Stationen und in allen Funktionsabteilungen noch einen speziell hygienebeauftragten Mitarbeiter. Auch diese werden konsequent jedes Jahr regelmäßig geschult und über aktuelle Hygienerisiken informiert. Sie fungieren wiederum als Multiplikatoren für ihre jeweiligen Bereiche und Abteilungen. Neben den Pflichtfortbildungen zum Thema Hygiene werden den Mitarbeitern noch zusätzliche Fortbildungen angeboten.

Neben der Einhaltung der selbstverständlichen Hygienestandards und der Vorgaben zur Arbeitssicherheit gibt es klare und für jeden Mitarbeiter verständliche Arbeitsanweisungen. Dazu gehören von der Empfehlung zur Teilnahme an Schutzimpfungen auch Vorgaben zur persönlichen Schutzausrüstung, zur Verwendung von Sicherheitskanülen und vor allem natürlich auch das Verbot von Fingerschmuck und Uhren sowie die dringende Empfehlung zur Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt: Denn selbst solch einfach erscheinende Maßnahmen können das Problem sehr wirksam bekämpfen: Die Hände sind die Hauptüberträger von Mikroorganismen, die Händehygiene ist daher die einfachste und effektivste Maßnahme, um Infektionen vorzubeugen. Eine halbe Minute Händedesinfizieren vor und nach jeder Behandlung, vor einer aseptischen Tätigkeit, nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material und auch der Umgebung des Patienten – so viel Zeit muss am St. Vincenz sein. Die Beteiligung an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“ zählt hier schon lange zum Pflichtprogramm. Zudem ist hier die Händedesinfektion sogar nach dem Ausziehen von Schutzhandschuhen Pflicht. Denn selbst diese sind kein 100-prozentiger Schutz gegen alle Arten von Mikroorganismen. Anhand des Desinfektionsmittelverbrauchs lässt sich klar ermessen, wie konsequent die Vorgaben umgesetzt werden: Auch hier liegen der aktuellen Auswertung zufolge die Verbrauchswerte klar über dem Bundesdurchschnitt – ein klarer Beweis für die Akzeptanz der Vorschrift.

Gleichzeitig mit den strengen hygienischen Vorgaben wird im St. Vincenz bereits seit Jahren ein striktes Antibiotika-Management praktiziert, welches sowohl das eingesetzte Arznei-Spektrum, als auch die Einsatzdauer der Medikamente kontinuierlich reduzieren soll. Bestimmte Antibiotika, bei denen eine zunehmende Resistenz erwartet wird, werden bei bestimmten Erregern gar nicht erst eingesetzt.

Zahlen * Daten * Fakten:

20.000 Patienten werden pro Jahr im St. Vincenz-Krankenhaus behandelt. Zum Aufnahmezeitpunkt wurde 2012 bei 250 Patienten ein MRSA-Keim diagnostiziert, nachweislich haben 236 Patienten diesen Keim von außen in die Klinik mitgebracht. Lediglich bei 14 Patienten wurde der Keim erst nach mehr als drei Tagen nach Aufnahme im Krankenhaus festgestellt – dies sind dann nosokomiale, d.h. im Krankenhaus erworbene Keime. Hier muss zudem noch zwischen der bloßen Kolonisation (Besiedelung) und einer Infektion unterschieden werden. Entgegen der landläufigen Meinung bekommen also die meisten Patienten die Keime nicht im Krankenhaus: „Das Problem wird in aller Regel hauptsächlich von außen in die Klinik getragen. Im Krankenhaus wird der Keim aufspürt und auch behandelt, d.h. hier fällt er erst auf.“ Deshalb ist es so wichtig, bereits im Verdachtsfall richtig zu reagieren“, konstatiert Heuschen. Der Begriff Krankenhaus-Keim sei daher ein völlig irreführender Begriff.

Am St. Vincenz-Krankenhaus werden alle Risiko-Patienten bereits bei der Aufnahme routinemäßig mittels eines Abstrichs gescreent. In diesem Jahr wurden bis Oktober 2013 insgesamt 5600 Patienten untersucht. Beim Patientenscreening zum Aufnahmezeitpunkt lag die Rate des MRSA Nachweises mit einem Prozent deutlich höher als im Bundesdurchschnitt mit nur 0,76 Prozent. Ist ein Patient befallen, wird er sofort räumlich getrennt untergebracht. Zu den Risikopatienten gehören:

Ist ein Patient befallen, wird er sofort räumlich getrennt untergebracht. Viele Besucher und Angehörige reagieren darauf allergisch und nehmen die Klinik in Verdacht, wenn sie vor den Isolierzimmern die Aufforderung zur Kittelpflege sehen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: „In Kliniken, in denen es solche Warn-Schilder nicht gibt, da wird auch nicht nach den Keimen gesucht“, betont Heuschen. „Bei unserem Patientenscreening liegt die Zahl der gefundenen MRSA-Keime mit einem Prozent deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, wo nur 0,76 Prozent der Keime aufgespürt werden. Dies bedeutet im Gegenzug: Wir suchen auch deutlich gründlicher als andere Häuser nach den Keimen.“ Insofern seien die Warnschilder kein Grund zur Besorgnis, sondern eher das Gegenteil: „Wo man solche Schilder findet, da hat man definitiv kein Hygieneproblem, denn da wird explicit nach Problemkeimen gesucht.“

Hintergrund

Für einen gesunden Menschen sind die Keime kein Problem: Rund ein Drittel der Bevölkerung ist mit resistenten Keimen besiedelt, ohne dass diese die Menschen krank machen. Problematisch wird es erst, wenn sie auf ein schwaches Immunsystem treffen oder in die Blutbahn oder in eine Wunde gelangen – dann drohen ernsthafte Infektionen.

* Darunter versteht man Bakterien, die aufgrund übermäßigen und unkritischen Einsatzes von Antibiotika resistent geworden sind.