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Leben mit multipler Sklerose: Forum Gesundheit thematisierte neue Therapiemöglichkeiten für eine gefürchtete Erkrankung

„Multiple Sklerose – neue Therapiemöglichkeiten für eine gefürchtete Erkrankung“ war das Thema beim „Forum Gesundheit“. Dr. Christoph Oberwittler, Chefarzt der Neurologie des St. Vincenz-Krankenhauses, stellte neue Therapiemöglichkeiten und Studien vor.

Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist eine gefürchtete Erkrankung, ein Begriff, mit dem schnell ein Leben mit Behinderungen assoziiert wird. „MS hat viele Gesichter und ihr Verlauf ist nicht vorhersehbar“ sagte Dr. Christoph Oberwittler, Chefarzt der Neurologie am St. Vincenz-Krankenhaus. In seinem Vortrag „Multiple Sklerose – neue Therapiemöglichkeiten für eine gefürchtete Erkrankung“ sprach er im Rahmen des „Forum Gesundheit“ über Ursachen, Diagnose und die neuen Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung.

Etwa 120.000 Menschen sind in Deutschland an Multipler Sklerose erkrankt, rund 4000 Menschen trifft diese Diagnose jährlich - Frauen dreimal so oft wie Männer, wie bei vielen Erkrankungen des Immunsystems, erklärte Oberwittler. Die meisten trifft die Diagnose um die 30. Aber es erkranken auch Kinder und Ältere. Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann immer wiederkehren und unterschiedliche Verläufe aufweisen.

Die Ursache der MS sei noch immer ungeklärt. Man vermute, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Aber das Risiko, dass Kinder MS-Betroffener auch daran erkranken, sei nur geringfügig erhöht. Fraglich sei, inwiefern Umwelt und Lebensweise den Ausbruch der Krankheit fördern. Rauchen erhöhe das Risiko. Die Ernährung scheine sich dagegen nicht auszuwirken. Allerdings sei zu beobachten, dass sowohl in den nördlicheren als auch in den südlicheren Breitengraden der Erde MS häufiger auftrete als in Äquatornähe. Dies stütze die Annahme, dass ein Mangel an Vitamin D im Körper die Krankheit hervorrufen könnte. Auf diesem Gebiet werde weiter geforscht. Verschiedene Studien haben bislang ergeben, dass Menschen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel mehr Schübe haben als andere.

Anschaulich erläuterte Oberwittler, wie die Krankheit im Körper wirkt und beschrieb die vier Formen der MS: Beim klinisch isolierten Syndrom tritt lediglich ein Schub auf, es ist noch nicht von MS die Rede. Die schubförmig wiederkehrende Verlaufsform ist geprägt von einer variablen Schubfrequenz, die je nach Schub zur Behinderung führen kann, wobei Oberwittler hinzufügte, dass Zweidrittel der Betroffenen ohne starke Behinderung leben und nur kleinere Einschränkungen hinnehmen müssen. Außerdem gibt es die sekundär fortschreitende MS mit zusätzlichen Schüben und die primär fortschreitende MS ohne Schübe mit fortschreitender Verschlechterung des Krankheitsverlaufs. Häufigste Symptome seien Sehnervenentzündungen, wobei nicht jede zu einer widerkehrenden MS führe, Gang- und Gleichgewichtsstörungen und Gefühlsstörungen. Darüber hinaus: Lähmungen, Spastik, Schmerzen, abnorme Ermüdbarkeit, Koordinations-, Artikulations-, Blasen- und sexuelle Störungen, Stimmungsschwankungen und Beeinträchtigungen im Denken. Von Multipler Sklerose als Erkrankung spreche man erst ab dem zweiten Schub. Zur Diagnose werden verschiedene Untersuchungen des Seh- und Hörnervs, MRT und Lumbalpunktion sowie eine gründliche Befragung des Patienten nach den Symptomen herangezogen.

MS sei nicht heilbar, die Schübe aber behandelbar. Ein Schub ist eine neue neurologische Symptomatik, die mindestens 24 Stunden anhält und in einem Abstand von mindestens einem Monat auftritt und nicht im Rahmen anderer Infektionen oder auf sonstige Weise anders erklärbar ist. Meistens klinge ein Schub von alleine ab, so Oberwittler. Kortison könne dies jedoch beschleunigen. Die Einnahme sollte wohl bedacht werden und sei nicht immer notwendig. In der Basistherapie habe man bislang auf Interferone und Copaxone gesetzt. Die Nebenwirkungen seien nicht lebensbedrohlich, aber unangenehm. Die täglichen Injektionen unter die Haut führten oft zu Hautreaktionen.

Neu in der Therapie seien: Dimethyl-Fumarat (Tecfidera), Alemtuzumab (Lemtrada) und Teriflunomid (Aubagio). Aubagio ist seit einem Jahr für MS zugelassen. Es war zuvor als Medikament für Rheumapatienten bekannt. Das als Tablette verfügbare Medikament wird einmal täglich eingenommen. Es hemmt die Immunzellen, die sich zu schnell teilen. Aus Studien ergab sich, dass die Patienten 30 Prozent weniger Schübe erlitten. Die Nebenwirkungen seien harmlos. Allerdings wirkt es fruchtschädigend, so dass eine Schwangerschaft unbedingt verhindert werden sollte.

Dimethyl-Fumarat ist neu auf dem Markt. Bisher war es gegen Schuppenflechte zugelassen. Es wird zweimal täglich in Tablettenform eingenommen. Es wirkt anti-entzündlich. Unter Einnahme dieses Medikaments sinkt das Risiko, einen weiteren Schub zu erleiden, um 50 Prozent, wie Studien ergaben. Damit hat es eine noch höhere Wirksamkeit als Aubagio.

Alemtuzumab steht seit einem Jahr zur Verfügung. Bekannt ist es seit Längerem aus der Therapie von Leukämie. Alemtuzumab wird einmal im Jahr fünf Tage lang injiziert und wird nach einem Jahr drei Tage lang in einer zweiten Infusion verabreicht. Danach ist die Therapie abgeschlossen. Dies ist das derzeit wirksamste Medikament auf dem Markt. Es ist hochwirksam, aber nicht ganz harmlos in den Nebenwirkungen, die in Form von Fieber, Grippe und Entzündungsreaktionen in der Schilddrüse auftreten können. Man kann lediglich die Nebenwirkungen therapieren. Das Medikament ist nicht absetzbar.

Wenn all dies keine Linderung verschafft oder bei schwerem Verlauf von Anfang an werde Tysabri als Infusion einmal in vier Wochen oder Gilenya in Tablettenform einmal täglich empfohlen. Beide Medikamente seien hochwirksam, versicherte Dr. Oberwittler, hätten aber auch Nebenwirkungen.

Das „Forum Gesundheit“ ist eine Vortragsreihe, die die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg in Kooperation mit dem St. Vincenz Krankenhaus veranstaltet. Sie wird von der Nassauischen Neuen Presse als Medienpartner begleitet.