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Osteoporose: Biozement richtet gebrochene Wirbel wieder auf

Forum Gesundheit: PD Dr. Hillmeier sprach im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe von Kreisvolkshochschule, Krankenhausgesellschaft St. Vincenz und Nassauischer Neue Presse als Medienpartner

Für alte Menschen kann ein Sturz lebensgefährlich sein. Über "Osteoporose. Wenn die Knochen brechen" sprach im Rahmen des "Forum Gesundheit" Privatdozent Dr. Joachim Hillmeier, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Vincenz Krankenhauses. Schenkelhalsfraktur nach einem Sturz ist eine der drei häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte von Menschen jenseits der 70. Nach dem Bruch eines Schenkelhalses oder der Wirbelsäule weisen Patienten eine bis zu 30 Prozent höhere Sterblichkeitsrate auf als Nichtbetroffene. Ursache ist meist Osteoporose, eine ernst zu nehmende Erkrankung, an deren Folgen viele Menschen sterben. Die Fünfjahressterblichkeit nach Wirbelkörper-und Schenkelhalsbrüchen ist vergleichbar mit der von Patienten mit Krebserkrankungen.

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PD Dr. Joachim Hillmeier sprach vor vielen Interessierten über Osteoporose, ihre Folgen und Behandlungsmöglichkeiten.

Über Prävention, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten sprach PD Dr. Joachim Hillmeier, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Vincenz Krankenhauses im Rahmen des "Forum Gesundheit", einer Vortragsreihe der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz in Kooperation mit NNP und der Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg. Der Saal war wieder voll. Mehr als 150 Interessierte waren gekommen, darunter auch Schüler der Jahrgansstufe 11 vom Fachbereich Gesundheit am Beruflichen Gymnasium der Adolf-Reichwein-Schule.

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Großer Andrang beim "Forum Gesundheit" auf dem Schafsberg.

"Osteoporose ist eine Verminderung der mineralischen Knochenmasse und der Architektur der Knochenbälkchen verbunden mit einer verminderten Bruchfestigkeit des Knochens", erklärte Joachim Hillmeier. Knochen veränderten sich ein Leben lang. Zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr verfüge der Mensch über die meiste Knochenmasse. Durch hormonelle Umstellung nach der Menopause werde mehr Knochenmasse ab- als wieder aufgebaut. Bei Frauen setze dieser Zeitpunkt früher ein als bei Männern, deshalb seien Frauen insgesamt mehr betroffen. Jede vierte Frau jenseits der 50 erleide eine osteoporotische Wirbelkörperfraktur. Durch die verminderte Knochenmasse brächen Wirbelkörper zusammen - oft von den Betroffenen kaum bemerkt. Dadurch würden die Patienten immer kleiner. Stark Betroffene seien typischerweise sehr schlank, litten unter Essstörungen, da die häufig benötigten Schmerzmittel den Magen angreifen, ihnen das Essen nicht mehr schmeckt. Ihre Körperhaltung sei gebeugt. Viele haben einen Buckel, weil die Wirbel zusammengebrochen sind, meist gingen sie am Stock. Die Fehlhaltungen führten vermehrt zu Stürzen und erhöhten die Gefahr, weitere osteoporotische Frakturen zu erleiden.

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Auch Korsetts aus dem Sanitätsfachhandel werden in gewissem Umfang in der Therapie eingesetzt, so Dr. Peter Scheler.

Ob man betroffen ist, lässt sich in einer Knochendichtemessung an einem so genannten DXA-Gerät mit Hilfe von Röntgenstrahlen feststellen. Die Untersuchung sei schmerzfrei, bei geringer Strahlenbelastung, preisgünstig und biete eine hohe Messgenauigkeit. Von Osteoporose spreche man erst ab einem so genannten T-Wert von 2,5 Standardabweichung und mehr. "Osteoporose ist kontrollierbar, aber nicht heilbar", so Hillmeier. Durch eine calziumhaltige Ernährung und eine dem Alter angemessene sportliche Betätigung könne man Osteoporose langfristig erfolgreich entgegenwirken. Als Basistherapie empfahl der Orthopäde täglich eine Calziumzufuhr von 500 bis 1000 mg kombiniert mit Vitamin D.

Ab einer Standardabweichung von 2,5 und mehr werde medikamentös behandelt. Anschaulich ging Hillmeier auf die Wirkungsweise verschiedener Präparate zur medikamentösen Behandlung von Osteoporose ein.

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Chefarzt Dr. Joachim Hillmeier im Gespräch mit Patienten zum Thema Osteoporose.

Darüber hinaus erklärte er auch verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung nach Frakturen. Ab 65 steige die Sturzhäufigkeit pro Jahr und somit die Zahl der Schenkelhalsfrakturen. Dies sei keineswegs harmlos: "Trotz sofortiger und schonender Operation sterben elf Prozent der Verunfallten innerhalb der ersten 90 Tage, 25 Prozent im ersten Jahr und 20 Prozent müssen anschließend ins Pflegeheim", erklärte der Chefarzt. Geringe Bewegung nach einer Fraktur führe rasch zur weiteren Verschlechterung des Gesamtzustandes und weiterem Knochenabbau. Deshalb sei Bewegung so wichtig. Breche ein Wirbel, steige die Druckbelastung auf die anderen Wirbel und so vervielfache sich das Risiko, dass weitere Wirbel brechen. Die Folge: Schmerzen, Probleme beim Atmen, Essen, bei der Verdauung und schnelle Ermüdung. Früher gab es keine adäquate Therapie, behandelt habe man lediglich mit Bettruhe und Schmerzmitteln.

Heute behandelt man solche Wirbelsäulenfrakturen mit Kyphoplastie, einer Operationsmethode aus den USA, die an der Universität Heidelberg unter Mitwirkung von PD Dr. Joachim Hillmeier für Deutschland und Europa etabliert wurde. Die OP erfolge minimalinvasiv mit einem Schnitt von zwei Millimetern. Über einen Ballonkatheter werde der Wirbelkörper aufgerichtet und der Hohlkörper mit Zement aufgefüllt. "Direkt nach der OP sind die meisten Patienten schmerzfrei und können aufstehen und die Wirbelsäule wieder belasten", so Hillmeier. Die OP dauere nur etwa zehn Minuten, sie sei kaum mit Blutverlust verbunden, die Risiken gering. Studien belegten, dass Patienten nach der OP wesentlich weniger Schmerzen haben, dafür eine erhebliche Funktionsverbesserung eintrete. Bei frischen Brüchen können die eingebrochenen Wirbelkörper auch wieder aufgerichtet werden. In der Folge käme es zu deutlich weniger neuen Frakturen und Arztbesuchen wegen Rückenschmerzen.

Hillmeier wies darauf hin, dass eine solche OP ausschließlich von einem erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden sollte, der auch eventuell aufgetretene Komplikationen behandeln könne.