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"Das Zentrum der Ethik ist die Existenz des Dilemmas"

Vincenz-Fest: Prof. Graf-Baumann plädierte für strukturierte medizinethische Leitlinien

Die Errungenschaften des medizinischen Fortschrittes zwingen zur Auseinandersetzung mit den Grenzen des medizinisch Machbaren – dies ist Alltag in jedem Krankenhaus. Ein Plädoyer für konstruktive Zusammenarbeit zwischen den klinischen Spezialisten und den Fachleuten der Medizinethik war das diesjährige Vincenz-Fest: Referent Prof. Dr. Toni Graf-Baumann, Mitbegründer der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM), Geschäftsführer der Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) und Chefredakteur des Hessischen Ärzteblattes plädierte in seinem Vortrag für ein explizites Procedere im Sinne eines Risikomanagements, für ethische Fallbesprechungen und strukturierte, klar definierte Therapieentscheidungen: "Wir brauchen systematische, transparente Verfahren und klar definierte ethische Prinzipien, um ungerechtfertigte Unterschiede bei Therapie-Entscheidungen zu vermeiden."

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Moderierte die Veranstaltung zu medizinethischen Fragestellungen: Verwaltungsratsvorsitzender RA Erwin Reuhl, neben ihm der Referent des Festvortrages zum Vincenz-Fest, Prof. Dr. Toni Graf-Baumann.

Dabei sprach sich Baumann ausdrücklich gegen "Macht-Entscheidungen" und stattdessen für berufsübergreifende Lösungen aus, die für alle Beteiligten gangbar seien und ethischen Kriterien entsprächen: Ansonsten bestehe die Gefahr, dass schwierige Entscheidungen durch persönliche Wertvorstellungen des klinischen Personals, schwache Evidenz, einseitige ökonomische Zielsetzungen oder entscheidungspsychologische Einflussfaktoren ungünstig beeinflusst würden. Hierzu gebe es eindeutige Forschungsresultate auf internationaler Basis. Baumann selbst hat in diesem Kontext in Zusammenarbeit mit diversen Arbeitsgruppen und klinischen Ethikkommissionen unter dem Titel METAP medizinethische Leitlinien zur Klärung ethischer Fragen am Krankenbett entwickelt (analog der Schlüsselwörter Modular, Ethik, Therapieentscheidungen, Allokation, Prozess). Vorrangiges Ziel von METAP sei die Förderung ethisch angemessener Therapieentscheidungen.

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Plädierte nachdrücklich für strukturierte Entscheidungsverfahren und klar definierte ethische Kriterien: der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes und Mitbegründer der Akademie für Ethik in der Medizin, Prof. Dr. Toni Graf-Baumann.

Nach Überzeugung des Referenten, der nach einem Studium der Medizin, der Rechtswissenschaften und einem Teilstudium der Psychologie an verschiedenen Fakultäten im In- und Ausland im Bereich der Gesundheitssystemforschung habilitierte, geht es vor allem darum, eine Methodik der medizinethischen Entscheidungsfindung zu finden: "Auf solcher Basis kann die ethisch reflektierte Entscheidungskompetenz klinisch tätiger Ärzte und Pflegekräfte individuell unterstützt werden." METAP sei aber auch für den niedergelassenen Arzt geeignet, da es soziale und Familien- bzw. Angehörigen bezogene Aspekte beinhalte.

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Mittels eines strukturierten Entscheidungsverfahrens und definierter ethischer Kriterien könnten so ethische Fragen nach einem verbindlichen Vorgehen geklärt werden. So könne die Versorgungsqualität auch dann gesichert werden, wenn ethische Fragen zu möglicher Über-, Unter- und Ungleichversorgung im Raum stünden. "Auf diese Weise können aufreibende Konflikte und Missverständnisse zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, Betreuern, den Patienten und deren Angehörigen aufgefangen und gelöst werden", zeigte sich Baumann überzeugt. Wie bei den Aussagen zu Indikationen und medizinischen Indikationen sei auch METAP ein interdisziplinärer Konsens der an der Entwicklung beteiligten Fachgruppen. In jedem Falle seien Gerechtigkeit und Respekt vor dem (auch mutmaßlichen) Patientenwillen zentrale Gebote ethischer Prinzipien.

"Das Zentrum der Ethik ist die permanente Existenz des Dilemmas", räumte der Medizinethiker ein. Wer aber gelernt habe, sich auf strukturierten Wegen zu bewegen und dabei auch Ansprüche an die eigene Machtausübung zurückstelle, könne mit so getroffenen Entscheidungen deutlich besser leben. Baumann: "Auch auf diesem Gebiet gilt es, professionelle Arbeit zu leisten."