Willkommen beim St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Zum Seiteninhalt
Alternative Navigation (mit Tabulator und oder Zugriffstasten)

Die Seitennavigation:

 

Ein Leitfaden durch den "Krankenhausdschungel" und Informationen "rund um den Knochen"

"Brustkrebs bewegt": Osteologische Expertise und praktische Orientierung für den Klinikaufenthalt - Prof. Dr. Diethard M. Usinger im Brustzentrum auf dem Schafsberg

Jede zehnte Frau erkrankt am Mammakarzinom. Es ist die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. "Therapie des Mammakarzinoms – was macht der Knochen?" Diesem Thema widmete sich Chefarzt Prof. Dr. Diethard M. Usinger, Facharzt für Orthopädie an den Median Hohenfeld Kliniken Bad Camberg. Usinger sprach im Rahmen von "Brustkrebs bewegt", einer Veranstaltungsreihe des Brustzentrums St. Vincenz - eine Initiative von Chefarzt Dr. Peter Scheler und seinem Team. Im zweiten Teil der Veranstaltung wies der Chefarzt persönlich Wege auf, wie man sich im Falle eines Falles im Krankenhausdschungel zurechtfinden kann.

Abbildung

Erläuterte detailliert, was Brustkrebs und Knochen miteinander zu tun haben: Prof. Dr. Diethard Usinger, Chefarzt der MEDIAN Hohenfeld-Klinik für Orthopädie und Osteologie Bad Camberg, sprach im Rahmen von "Brustkrebs bewegt".

"Oberstes Gebot in der Therapie ist die Erhaltung der Lebensqualität", erklärte Prof. Usinger. "Es gibt keine Standardtherapie. Jede Behandlung muss individuell an die Krankheit, ihre Stadien und an die jeweils betroffene Patientin angepasst werden." Deshalb beschreite man in der Therapie verschiedene Wege. Das Mammakarzinom metastasiert in bis zu 85 Prozent der Fälle in den Knochen. Hinzu kommt, dass die medikamentöse Behandlung des Mammakarzinoms in der Folge zu Osteoporose führen könne. "Der Knochen bietet leider eine optimale Ansiedlungs- und Wachstumsvoraussetzung für Tochtergeschwülste", so Usinger. Anschaulich erläuterte der Orthopäde den Knochenaufbau. "Der Knochen ist ein dynamisches System, in dem ständig Knochen ab- und wieder aufgebaut werden – eine Art Wanderbaustelle." 99 Prozent des Kalziums, das der Körper aufnimmt, lagere sich in den Knochen ab. Deshalb sei eine ausreichende Kalziumzufuhr möglichst aus natürlicher Nahrung sehr wichtig.

Doch warum bietet gerade der Knochen einen idealen Nährboden für Krebszellen? Krebszellen wirkten unterschiedlich auf Knochen: Einige abgesiedelte Tumorzellen produzierten für Knochenzellen typische Stoffe und entgingen somit dem Immunsystem, manche würden vom Immunsystem erkannt und entfernt, andere wiederum veränderten ihr äußeres Erscheinungsbild, so dass sie aussehen wie eine "normale" Knochenzelle, so dass ein Zugriff nicht möglich ist. "Es ist ein ausgeklügeltes System.", so Usinger. "Gelingt es einer solchen Zelle, sich abzusiedeln, ist sie der Türöffner für andere. So bildeten sich Metastasen, die den Stoffwechsel der Knochenzellen beeinflussten und zu tumorbedingten Knochenerkrankungen führten. Eine frühzeitige Feststellung von Knochenmetastasen, insbesondere durch Positronen-Emissions-Tomographie, Skelettszintigraphie und Labordiagnostik, sei wichtig, um zeitnah eine gezielte Therapie zu beginnen. Diese erfolge durch Bestrahlung unterstützt durch Medikamente, die die Tumorzellen und die knochenverändernden Zellen behindern.

Ein beliebter Punkt von Absiedelungen sei die Wirbelsäule, erläuterte Usinger. Dort könne es zu Brüchen, zur Schädigung des Rückenmarks und zu Querschnittssyndromen kommen. Auch im Becken komme es oft zu Absiedelungen. Heilung im eigentlichen Sinne könne nicht erzielt werden. Auch hier werde mit Bestrahlung therapiert. Man versuche, die Schmerzen zu lindern, Wiederanlagerungen von Kalzium zu erreichen und die Knochenstruktur zu verbessern. Moderne Medikamente zur Behandlung der Knochenkomplikationen sind die sog. Bisphosphonate, die auch bei der Behandlung der Osteoporose eine wichtige Rolle spielen. Auf molekularbiologischer Ebene verwies Usinger auf neue Medikamente, die direkt in die Kommunikation der Knochenzellen untereinander eingreifen und das Wachstum mindern oder verhindern.

Abbildung

Eine aufschlussreiche Führung durch den Krankenhausdschungel präsentierte Chefarzt Dr. Peter Scheler.

Aber auch die antiöstrogene Therapie des Mammakarzinoms mit Aromatasehemmern kann die Entstehung einer Osteoporose als sekundäre Erkrankung begünstigen. Aus diesem Grund sollte vor Beginn dieser Therapie und in regelmäßigen Abständen von sechs Monaten die Knochendichte in Form einer Messung an der Lendenwirbelsäule und den Hüften kontrolliert werden, um eine Osteoporose nicht zu übersehen und rechtzeitig eine diesbezügliche Therapie zu veranlassen.

"Wege durch den Krankenhausdschungel" wies im Anschluss Dr. Peter Scheler als Chefarzt der Limburger Frauenklinik auf. Sein Vortrag symbolisierte das eigentliche Anliegen der Veranstaltungsreihe: die emotionale Barriere unsicherer, besorgter Patientinnen gegenüber dem medizinisch kompetenten Fachpersonal überwinden zu helfen sowie den betroffenen Frauen objektive Kriterien zur Orientierung an die Hand zu geben. Entscheidende Fragen, die eigentlich jeden Patienten, ganz gleich mit welcher Erkrankung, betreffen, beantwortete der Gynäkologie differenziert und nachhaltig: in welches Krankenhaus gehe ich, wer berät mich objektiv, wie definiere ich ärztliche Expertise? Aber auch Orientierung für ganz praktische Fragen wurde geliefert: Wie sind die Regularien der Aufnahme, welche Formulare müssen warum ausgefüllt werden. Kann ich als Kassenpatientin z. B. ein Einzelzimmer gegen Zuzahlung in Anspruch nehmen, wann bekomme ich Oberarzt-, wann Chefarztbehandlung, warum und wieso gibt es hier oder dort die Wartezeiten.

Habe man sich dann für ein Krankenhaus entschieden, führten Patienten nicht nur Schlafanzug und Zahnbürste im Gepäck, sondern auch ihre Krankengeschichte und ihre bisherigen Erfahrungen, Ängste und Sorgen. Deshalb riet Scheler: "Schreiben Sie sich Ihre Fragen vorab auf und bringen Sie nach Möglichkeit einen Angehörigen oder einen Freund zu den Arztgesprächen mit. Information und gute Vorbereitung mindern die Angst vor der Ungewissheit." Anschaulich schilderte der Chefarzt den Ablauf einer Patientenaufnahme und erläuterte, wie ein Krankenhaus, eine Station funktioniert. "Unser Ziel ist es, dass der Patient das Gefühl hat, dass man auf seine Bedürfnisse eingeht." Lange Wartezeiten seien zuweilen unumgänglich und hätten nicht immer etwas damit zu tun, dass der Patient in Vergessenheit geraten sei. "Auch wir wollen wissen, was bei einem Befund herausgekommen ist. Manchmal dauert es aber etwas länger, weil mehrere erfahrene Kollegen wegen eines Befundes konsultiert werden müssen, um eine abschließende Diagnose zu stellen." Denn man wolle natürlich bei gleichbleibend hoher Qualität arbeiten.

"Wir Ärzte sind Experten auf medizinischem Gebiet, der Patient ist der Experte für seine Person. Deshalb versuchen wir, unsere Patienten umfassend zu informieren, um dann unter Einbeziehung des Patienten eine individuelle Entscheidung treffen zu können. Wir glauben, dass das partnerschaftliche System besser ist, weil es den Krankheitsverlauf positiv unterstützt und zu einer besseren Lebensqualität führt." Eindringlich fügte der Chefarzt hinzu: "Wenn es uns nicht gelingt, dass Patienten sich während ihres Krankenhausaufenthaltes angenommen fühlen, sprechen Sie uns bitte direkt an." Zudem bestehe die Möglichkeit, sich an Patientenfürsprecher und an das Beschwerdemanagement des Krankenhauses zu wenden. Mehrere Patientinnen bedankten sich im Anschluss an seine Ausführungen bei Dr. Peter Scheler und seinem Team dafür, dass sie sich medizinisch und menschlich im Brustzentrum gut aufgehoben gefühlt haben.

Auch diesmal bildete ein sportliches Angebot den Abschluss der Veranstaltung: Unter Anleitung der Diplom-Sportwissenschaftlerin Katharina Fuchs vom Reha-Zentrum Meuser hatten die Teilnehmerinnen viel Spaß bei verschiedenen Bewegungs- und Reaktionsspielen.