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Politik muss nationalen Diabetesplan initiieren /
Diätprodukte sind Mogelpackung

DDG-Vizepräsident fordert neue Versorgungsmodelle – harsche Kritik an "profitorientierter Produktion von Augenwischereien"

Einen nationalen Diabetesplan hat der Vizepräsident der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG), PD Dr. Erhard G. Siegel, jetzt gefordert. In einem Interview im Vorfeld des 4. Limburger Diabetestages kritisierte der Mediziner, dass in Deutschland im Gegensatz zu zahlreichen anderen EU-Mitgliedsländern Prävention, Versorgung und Erforschung der Volkskrankheit Diabetes nicht vorangetrieben würden. Angesichts von zehn Millionen an Diabetes erkrankter Menschen in Deutschland und einer Dunkelziffer von rund einer Million geschätzter Erkrankter sei die Politik nun gefordert: "Sie muss endlich einen nationalen Diabetesplan initiieren." Die Krankheit sei nicht nur ein persönliches Dilemma für den Einzelnen, sondern mit Kosten von rund 16 Mrd. Euro zur Therapie allein der Grunderkrankung (mit Ausnahme der Folgekomplikationen des Diabetes) auch eine Herausforderung für die Gesellschaft an sich: "Um die therapeutischen Standards auch langfristig halten zu können, aber auch um die weitere Forschung nicht zu blockieren ist es unabdingbar, neue innovative Finanzierungsmodelle zu entwickeln", konstatierte Siegel. Deshalb seien flächendeckende Versorgungsmodelle notwendig: "Behalten wir das jetzige System bei, wird der Patient die Zeche bezahlen."

Gleichzeitig forderte der DDG-Vize, die Abschaffung von Diabetikerlebensmitteln: "Diese Verordnung stammt aus den 60er Jahren, ist vollkommen veraltet und zudem noch kontraproduktiv." Viele sogenannte "Diät"-Produkte seien Mogelpackungen und enthielten Stoffe, die nicht so stark süßen und von daher dazu verleiten, noch mehr zu essen. Außerdem seien darin oftmals mehr Kalorien und Fett enthalten, als in herkömmlichen Lebensmitteln. Siegel, der am Limburger St. Vincenz-Krankenhaus Chefarzt der Medizinischen Klinik Gastroenterologie und Diabetologie ist, plädierte stattdessen für eine Kennzeichnung der Verpackungen mit Angabe einer umfangreichen Nährwerttabelle, die neben Brennwert, Eiweiß, Kohlehydraten und Fett auch Angaben zu den Arten von Zucker und Fetten sowie den Salzgehalt enthalten sollte. "Solche Hilfestellung würde den Betroffenen den Alltag deutlich mehr erleichtern, als die rein profitorientierte Produktion von Augenwischereien, die den Erfordernissen gesunder Ernährung kaum standhalten können," betonte Siegel.

Das Interview im Wortlaut