"Belästigen Sie uns, warten Sie im Ernstfall nicht zu lange!"
Tag der Kardiologie übertraf alle Erwartungen: Rund 500 Besucher informierten sich rund ums Herz
Einen wahren Ansturm erlebte das St. Vincenz Krankenhaus am Wochenende zum "Tag der Kardiologie" auf dem Schafsberg. Mehrere hundert Besucher informierten sich über Risikofaktoren und erste Anzeichen von Herzinfarkt.
Meet the Experts - diese Gelegenheit wollten so viele Menschen nutzen, dass die Kapazität der Konferenzräume teils nicht ausreichte. Hier Chefarzt Prof. Kreuzer und Oberarzt Dr. Boris Cubas vor rund 300 Zuhörern.
Lange Warteschlangen bei den angebotenen kostenlosen Untersuchungen von Duplex und Herzecho, brechend voll die Konferenzräume des St. Vincenz beim Vortrag über Herzinfarkt - dass der Aktionstag der Kardiologie auf so großes Interesse stoßen würde, hatte wohl keiner erwartet. Doch der Andrang war riesig.
Dicht umringt informierten Prof. Dr. Jörg Kreuzer, Chefarzt der Medizinischen Klinik Kardiologie, und sein Team die Besucher rund um die Themen Herzinfarkt, koronare Herzerkrankung und andere "Herzensangelegenheiten". "Herzinfarkt – Symptome und Therapie" war das Thema des Chefarzt-Vortrags – das Interesse der Bevölkerung war so außerordentlich, dass der Vortrag wiederholt werden musste: nicht alle Interessierte fanden einen Platz in den voll besetzten Konferenzräumen.
Um zehn Uhr sollten sich die Türen öffnen, doch bereits um 8.30 Uhr strömten die Menschen in das Herzkatheterlabor und nutzten die Gelegenheit, die moderne Medizintechnik unter die Lupe zu nehmen, vor allem aber nutzten sie die Gelegenheit, mit Fachleuten über ihre "Herzensangelegenheiten" zu sprechen. Bei Führungen durch das Herzkatheterlabor erfuhren die Besucher, wie eine solche Untersuchung abläuft. Christine Klose, die pflegerische Leitung dieses Herzstücks der Kardiologie, und ihre Mitarbeiterinnen erklärten, wie Herzschrittmacher funktionieren und wie sie eingesetzt werden. Großen Andrang gab es bei den kostenlos angebotenen Ultraschalluntersuchungen von Halsschlagader und Herz, wo die Besucher geduldig warteten, um ihr Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße testen zu lassen.
Dicht umringt beantwortete Chefarzt Prof. Dr. Jörg Kreuzer viele Fragen.
Mit 85 000 Todesfällen pro Jahr ist Herzinfarkt die häufigste Todesursache in Deutschland. 35 Prozent der Menschen sterben, bevor sie das Krankenhaus erreichen. Ein Umstand, den Prof. Kreuzer u.a. durch einen solchen Informationstag ändern will. Herzinfarkt ist der Verschluss eines Blutgefäßes am Herzen, erklärte er. Manche Patienten, die mit Verdacht auf Herzinfarkt eingeliefert würden, seien erst kurz zuvor beim Kardiologen gewesen – ohne Befund. Kreuzer erklärte: "Ein Herzinfarkt kündigt sich nicht immer langsam an!" Wenn zuvor leichtere Ablagerungen festgestellt wurden, seien diese für den Blutfluss normalerweise kein Problem. Es könne aber passieren, dass diese plötzlich aufplatzen, eine so genannte Plaqueruptur, bei der das Gefäß schlagartig verschlossen werde, der Blutfluss stoppt. Dann komme es zu Rhythmusstörungen, eventuell sogar zum Tod.
Um zehn Uhr sollten sich die Türen öffnen, doch bereits um 8.30 Uhr strömten die Menschen in das Herzkatheterlabor und wollten die moderne Medizintechnik unter die Lupe zu nehmen. Vor allem aber nutzten sie die Gelegenheit, mit Fachleuten über ihre "Herzensangelegenheiten" zu sprechen - wie beispielsweise hier mit Yvonne Steps.
Betroffene warteten vielfach zu lange, bis sie einen Arzt rufen. 80 Prozent gaben in einer Umfrage an, sie wollten niemanden belästigen. "Belästigen Sie uns!", so Kreuzers eindringlicher Appell. Zeit spiele eine enorme Rolle, um den Herzinfarkt erfolgreich behandeln zu können: "Beim Verdacht auf Herzinfarkt darf man einfach keine Zeit verlieren. Je länger man wartet, um so mehr Herzmuskel ist abgestorben," warnte der Kardiologe. Bestimmte Risikofaktoren könnten zu einer Verengung führen, aber nicht alle Menschen hätten eine entsprechende Disposition. Ein wichtiger Faktor in Sachen Vorbeugung sei auch bei dieser Erkrankung die Bewegung: Nur etwa 20 Prozent der Menschen bewegten sich regelmäßig, 80 Prozent der Mitteleuropäer sogar weniger als 1000 Meter pro Tag. "Unser Bauplan sieht jedoch vor, dass wir täglich zehn bis 50 Kilometer zurücklegen", so Kreuzer.
Mitarbeiterin Beate Engelmann bei Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße.
Im Anschluss an den Vortrag beantworteten Prof. Kreuzer und sein Oberarzt Dr. Boris Cubas zahlreiche Fragen zu Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. Fragen, die den Besuchern eine echte Herzensangelegenheit waren: Was wird wo mit mir gemacht, wenn ich einen Herzinfarkt bekomme? Welche weiterführenden Untersuchungen sind sinnvoll bei Vorhofflimmern? Inwieweit kann auch eine Verengung der Halsschlagadern mitverantwortlich sein für einen Herzinfarkt? Welche Bedeutung hat die Aspirin-Prophylaxe? Geduldig standen Prof. Kreuzer und Dr. Cubas den Menschen Rede und Antwort. Und den Besuchern wurde plastisch vor Augen geführt: Hier gibt es keine Standard-Therapie, eine erfolgreiche Behandlung ist vor allem nur mit eingehender und individueller Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Patienten möglich. Eine Frage allerdings war standardisiert zu beantworten: Was ist zu tun, wenn ein Herzinfarkt droht? Hierauf gibt es den Experten zufolge nur eine einzige eindeutige Empfehlung: "Wenn Sie das Gefühl haben, hier stimmt etwas nicht, das könnte ein Herzinfarkt sein, setzen Sie sich auf keinen Fall ins Auto und fahren in die Klinik, auch nicht als Beifahrer, denn im Ernstfall kann der andere Ihnen nicht helfen! Holen Sie sich Hilfe, bleiben Sie auf keinen Fall allein! Rufen Sie den Notarzt und warten an einem Ort, wo man Sie findet!"
Christine Klose, pflegerische Leitung des Herzkatheterlabors, erklärte, wie Herzschrittmacher funktionieren oder wie die Untersuchungen im Herzkatheterlabor ablaufen.



