Manometrie
- Durchzugsmanometrie des Ösophagus
- antroduodenaler Manometrie
- anorektaler Manometrie
1. Durchzugsmanometrie des Ösophagus (Druckmessung in der Speiseröhre)
Durch die Ösophagusmanometrie (Druckmessung in der Speiseröhre) wird die Bewegung der Speiseröhre bzw. der Speiseröhrenmuskulatur mit einem wasserperfundierten Katheter gemessen. Dabei werden der untere Speiseröhrenschließmuskel (Barriere zwischen Speiseröhre und Magen), die Bewegung der sogenannten tubulären Speiseröhre nach dem Schlucken (Dauer und Art der Muskelbewegungen sowie die Art der Fortleitung dieser Muskelbewegungen) und der obere Speiseröhrenschließmuskel (zwischen Rachen und Speiseröhre) untersucht.


Ösophagusmanometrie - Normalbefund:
Der untere Speiseröhrenschließmuskel weist beim Gesunden normalerweise einen ständigen Ruhedruck auf und erfüllt eine Barrierefunktion zum Magen hin, wodurch verhindert wird, daß saurer Magensaft in die Speiseröhre fließt, was zu Schmerzen und Entzündungen führen kann und letztlich auch einen Risikofaktor für das Entstehen eines bösartigen Speisröhrentumors darstellt.
Beim Schlucken kontrahieren sich die Muskelzellen der sogenannten tubulären Speiseröhre; diese Kontraktion pflanzt sich als peristaltische Welle zum Magen hin fort. Gelangt die Speise an den unteren Speiseröhrenschließmuskel, so öffnet sich der Muskel reflektorisch und die Nahrung kann in den Magen gelangen.
Mit der Ösophagusmanometrie werden die dabei notwendigen muskulären Aktivitäten gemessen und Krankheiten erkannt, die eine normale Speisenpassage erschweren oder sogar unmöglich machen können. Basierend auf den Ergebnissen der Messung kann dann eine gezielte Therapie zur Beseitigung der Beschwerden eingeleitet werden.
Durchführung der Untersuchung
Vorbereitung:
Zur Untersuchung müssen Sie lediglich nüchtern sein. Weitere Vorbereitungen sind nicht erforderlich.
Durchführung:
Nach Betäubung der Nasenschleimhaut mit einem Gel wird im Sitzen ein dünner Katheter mit mehreren Meßableitungen über die Nase in die Speiseröhre eingeführt und bis in den Magen vorgeschoben. Die sich anschließende Messung erfolgt dann im Liegen. Die Sonde wird dabei in 1 cm -Schritten zurückgezogen, wobei Ihnen mit einer kleinen Spritze mehrfach jeweils 5 ml Wasser in den Mund gegeben werden, welches Sie anschließend (jedoch erst nach ausdrücklicher Aufforderung durch den Untersucher) schlucken. Da im Normalfall nur die Schluckakte ausgewertet werden, die auf Anordnung erfolgen und ein bestimmter Zeitabstand zwischen 2 Schluckakten eingehalten werden muß, sollten Sie möglichst nicht von sich aus schlucken.
Die Untersuchung dauert in der Regel 30 Minuten.
Nach der Untersuchung können Sie wieder essen und trinken; es besteht keine Beeinträchtigung der Mobilität und der Fahrtüchtigkeit, da die Untersuchung nur mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt wird.
Motilitätsbeeinflussende Medikamente (z.B. Prokinetika wie MCP, Calciumantagonisten, Beta-Blocker, Nitrate, Anticholinergika, Neuroleptika und Antidepressiva) sollten spätestens 48 Std., besser schon 72 Std. vor der Untersuchung abgesetzt werden!
Indikationen
- zur Abklärung unklarer Schluckstörungen (Dysphagie)
- bei Verdacht auf primäre Ösophagusmotilitätsstörungen (Achalasie, diffuser Ösophagusspasmus, Nussknackerösophagus)
- Verdacht auf sekundäre Ösophagusmotilitätsstörungen bzw. Ösophagusmotilitätsstörungen im Rahmen systemischer Erkrankungen
- zur Abklärung bei nicht-kardialem Thoraxschmerz
- bei Refluxösophagitis vor einer geplanten Anti-Reflux-Operation
- bei postoperativ persistierenden Beschwerden nach Anti-Reflux-OP
3. Antroduodenale Manometrie
Die Manometrie von Magenausgang und Dünndarm ist zeitlich sehr aufwändig. Nach der Beurteilung der Nüchternmotilität von Magen und Dünndarm für mehrere Stunden erhalten die Patienten eine Testmahlzeit, um die Effekte der Nahrung auf die oberen Abschnitte des Verdauungssystems analysieren zu können.
Dadurch können Funktionsstörungen, wie sie durch Schädigungen des darmeigenen Nervensystems bzw. der Muskulatur der Darmwand z.B. im Rahmen von Systemerkrankungen wie der Sklerodermie oder dem Diabetes mellitus entstehen können, sehr empfindlich erfasst werden.
Durchführung der Untersuchung
Für die antroduodenale Manometrie wird nach einer mindestens 12-stündigen Nüchternphase eine dünne Plastiksonde mit einem Außendurchmesser von ca. 4 mm durch ein Nasenloch über die Speiseröhre und den Magen in den Zwölffingerdarm (Duodenum) vorgeschoben. Die Passage der Sonde durch den Magenpförtner (Pylorus) ist dabei gelegentlich schwierig, so dass Röntgenuntersuchungen erforderlich sein können, um den korrekten Sitz der Sonde vor Untersuchungsbeginn sicherzustellen.
Nach der Sondenplatzierung wird die Motilität im Bereich des Magenausgangs (Antrum) und des Duodenums über ca. 3 Std. aufgezeichnet (Nüchternperistaltik). Nach einer standardisierten Testmahlzeit erfolgt über weitere 3 Std. die Aufzeichnung der postprandialen Motilität.
Insgesamt dauert die Untersuchung damit ca. 6 Stunden. Bei Problemen mit der Sondenplatzierung (Pyloruspassage) kann sich die Untersuchungszeit entsprechend verlängern.
Motilitätsbeeinflussende Medikamente (z.B. Prokinetika wie MCP, Calciumantagonisten, Beta-Blocker, Nitrate, Anticholinergika, Benzodiazepine, Opiate, Neuroleptika und Antidepressiva) sollten spätestens 48 Std., besser schon 72 Std. vor der Untersuchung abgesetzt werden!
Indikationen
- bei Verdacht auf chronische idiopathische intestinale Pseudoobstruktion
- zur Beurteilung des Organbefalls bei Systemerkrankungen, z.B. Sklerodermie, Myopathien, Neuropathien, Diabetes mellitus
- vor geplanter (sub-)totaler Kolektomie bei chronischer Obstipation
- gegebenenfalls bei Verdacht auf Gastroparese
4. Anorektale Manometrie
Die Form der Manometrie dient dazu, die Funktionsfähigkeit des Enddarmes und des sogenannten anorektalen Schließmuskelapparates sowie deren Koordination mit der Beckenbodenmuskulatur zu bestimmen und mögliche Störungen zu erkennen.
Sie wird insbesondere bei Patienten mit Stuhlentleerungsstörungen, Stuhlhalteschwäche und chronischer Verstopfung eingesetzt. Bei der chronischen Verstopfung ist die Untersuchung jedoch nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine – insgesamt eher seltene - in der Muskulatur des Enddarmes bzw. Analkanales lokalisierte Störung besteht.
Mit der Rektummanometrie können wertvolle Hinweise für die Klärung einer Inkontinenz oder einer Verstopfung gewonnen werden.
Die Untersuchung wird sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt.
Durchführung der Untersuchung:
Bei der Rektummanometrie wird in Linksseitenlage eine dünne Messsonde mit einem Außendurchmesser von ca. 4 mm und einem kleinen aufblasbaren Ballon an der Spitze durch den Analkanal etwa 10 cm weit in den Enddarm eingeführt.
Anschließend wird die Kraft des Schließmuskels in Ruhe und bei Anspannung (Pressen und Kneifen) gemessen. Im nächsten Untersuchungsschritt wird der Ballon allmählich mit Luft gefüllt, um damit eine Stuhlfüllung des Enddarmes zu imitieren. Hierbei wird die Wahrnehmung bei bestimmten Wandspannungen des Enddarms ermittelt
Eine besondere Vorbereitung des Patienten ist nicht erforderlich. Wenn möglich sollte eine natürliche Darmentleerung vor der Untersuchung angestrebt werden; abführende Maßnahmen sind nicht notwendig.
Wann ist die Durchführung der Untersuchung sinnvoll?
- zur Abklärung von Stuhlentleerungsstörungen
- zur Abklärung einer Stuhlhalteschwäche
- zur Abklärung einer chronischen Verstopfung bei Verdacht auf eine sogenannte Auslaßobstruktion
- zur Verlaufskontrolle nach schließmuskelkräftigenden Maßnahmen
- vor bestimmten Operationen am Enddarm bzw. Analakanal
- zur Verlaufskontrolle nach operativen Eingriffen




